Gastbeitrag von David McAllister Größte Freihandelszone der Welt – EU und Japan können Signal gegen Protektionismus setzen

Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan hat bislang wenig öffentliches Interesse erfahren. Dabei könnte es ein wichtiges Zeichen setzen.
  • David McAllister
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Jefta: EU und Japan können Signal gegen Protektionismus setzen
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David McAllister ist Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des EU-Parlaments.

Die Welthandelsordnung steht vor enormen Herausforderungen. Als Reaktion auf die amerikanischen Zölle auf Aluminium- und Stahlimporte hat die Europäische Union (EU) Gegenmaßnahmen im Wert von 2,8 Milliarden Euro verhängt. Peking antwortete mit Importzöllen in Höhe von umgerechnet 43 Milliarden Euro.

Falls sich die US-Regierung jetzt auch noch entscheidet, Einfuhrzölle auf europäische Autos zu erheben, würde dies für beide Seiten erhebliche wirtschaftliche Einbußen bedeuten, das transatlantische Verhältnis weiter belasten und den weltweiten Handelskonflikt eskalieren lassen.

In der Europäischen Union muss es uns jetzt darum gehen, eine Konfrontation nach Möglichkeit zu vermeiden, aber gleichzeitig konsequent und entschlossen für den Freihandel einzutreten und unsere Handelsbeziehungen mit wichtigen strategischen Partnern weiter auszubauen.

So bietet das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan (Jefta) die Chance, die größte Freihandelszone der Welt zu errichten und damit auch ein wirksames Zeichen gegen den wachsenden Protektionismus im Welthandel zu setzen.

Auf dem Weg zu einer vertieften Partnerschaft mit Japan sind wir in den letzten Monaten ein ganzes Stück vorangekommen. Falls das Abkommen wie geplant am 6. Juli unterzeichnet wird, wäre die Zustimmung des Europäischen Parlaments in der zweiten Jahreshälfte möglich. Damit könnte Jefta noch in dieser Legislaturperiode in Kraft treten.

Dass dieses Freihandelsabkommen mit Japan bislang wenig öffentliches Interesse erfahren hat, mag überraschen, denn es begründet die umfassendste Handelspartnerschaft, die je von der EU ausgehandelt wurde. Zusammengenommen haben die EU und Japan über 600 Millionen Einwohner und machen mehr als ein Drittel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts aus. Hieraus ergibt sich ein erhebliches Potenzial im gemeinsamen Handel.

Mit dem Abkommen werden die Zölle für fast 99 Prozent aller EU-Exporte abgeschafft und nichttarifäre Handelshemmnisse in großem Umfang abgebaut. Nach Japan exportierende europäische Unternehmen könnten rund eine Milliarde Euro einsparen.

Darüber hinaus ist eine vertiefte Partnerschaft zwischen der EU und Japan auch aus politischen Gründen von großer Relevanz. In Zeiten, in denen der Protektionismus weltweit zunimmt und sich die USA leider aus multilateralen Handelsabkommen zurückziehen, können wir mit dem erfolgreichen Abschluss von Jefta für eine regelbasierte liberale Weltordnung eintreten und Europas Führungsrolle bei der Gestaltung von Regeln im globalen Handel festigen.

Neben Jefta verhandeln die EU und Japan derzeit auch über ein strategisches Partnerschaftsabkommen für eine vertiefte politische Zusammenarbeit. Auch dieses bietet erhebliche Chancen in einem zunehmend unsicheren internationalen Umfeld. Japan und die EU teilen eine Vielzahl gemeinsamer Interessen und Werte und stehen auf internationaler Ebene vor denselben Herausforderungen – vom Klimawandel über Energiesicherheit bis hin zu außen- und sicherheitspolitischen Bedrohungen. Auch sind sich beide Seiten bewusst, dass sie im Zuge der geopolitischen Veränderungen mehr Verantwortung in der Welt übernehmen müssen.

Neue Wege im Welthandel

Lange Zeit fokussierte sich die japanische Handelspolitik auf Asien und Amerika und nicht vorrangig Europa. Auch die EU hat in den letzten Jahrzehnten besonders auf die transatlantische Handelspartnerschaft gesetzt. Insofern verändert die Entscheidung der Trump-Administration, sich aus globalen Handelsabkommen zurückzuziehen, durchaus die Kalkulation der beiden wichtigsten US-Verbündeten – Japan und Europäische Union.

Die transatlantische Anbindung bleibt für uns enorm wichtig. Gleichzeitig geht die Suche nach neuen Wegen weiter, um unsere globalen Ziele und Interessen in einer sich ändernden Welt erfolgreich umzusetzen.

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