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Gastbeitrag von Frank Thelen „Tesla wird Marktkapitalisierung verdoppeln, VW und BMW werden bedeutungslos“

Investor Frank Thelen ist Tesla-Fahrer und Aktionär. Für das Handelsblatt analysiert der Gründer die Erfolgsgeschichte von Elon Musk – und prophezeit VW und Co. eine düstere Zukunft. Ein Gastbeitrag.
22.01.2020 - 19:43 Uhr 12 Kommentare
Tesla überholt VW: Ein Gastbeitrag von Frank Thelen Quelle: Dietmar Gust, Euroforum
Der Autor

Frank Thelen ist Gründer und CEO von Freigeist Capital und konzentriert sich auf Frühphasen-Investitionen.

(Foto: Dietmar Gust, Euroforum)

Tesla ist Stand heute mehr wert als Deutschlands höchstnotierter Autohersteller: Volkswagen. Ja, Aktienkurse können schwanken, aber meine Prognose ist, dass Tesla schon sehr bald seine Marktkapitalisierung verdoppeln wird und Volkswagen und BMW bedeutungslos werden.

Ich habe bereits in einem Interview mit „Business Insider“ 2016 prophezeit, dass die deutsche Autoindustrie mit Tesla nicht mithalten können wird, wenn sie nicht progressiv und konsequent in neue Technologien investiert. Ich wollte es nicht heraufbeschwören, denn ich wünsche mir ein wirtschaftlich starkes Deutschland, und die Autoindustrie trägt bislang einen wichtigen Teil dazu bei.

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Aber leider hat unsere Autoindustrie aus meiner Sicht alle Chancen vorbeiziehen lassen. Mit dem heutigen Tag hat ein US-amerikanisches Unternehmen, das von den meisten Deutschen lange nur belächelt und kritisiert wurde, den wertvollsten deutschen Autohersteller überholt.

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    Auch heute behaupten viele noch, Tesla wäre zum Scheitern verurteilt. Neben den jüngsten Entwicklungen am Aktienmarkt möchte ich daher einige Gründe aufzählen, wieso Tesla in meinen Augen die Gesetze der Industrie neu schreibt und VW und BMW darin keine Rolle spielen.

    Die Aufholjagd

    Wie sehr Deutschland hinterherhängt, verdeutlicht dieses Bild. Das Cockpit eines Audi e-trons fordert einen Ölwechsel. Lustiger Bug oder Trauerspiel? Immer wieder höre ich: „Frank, Mist, hast ja recht. Aber jetzt legen die Deutschen los und holen auf.“

    Hierbei wird unterschätzt, dass es bei technologisch getriebenen Produkten Punkte gibt, an denen man erst mal nicht mehr aufholen kann, oftmals in der Szene als „iPhone-Moment“ bezeichnet. Warum gab es nach Google keine relevante Suchmaschine mehr? Ob Microsoft, EU oder Start-ups: Keiner konnte mehr als zwei bis drei Prozent des Marktes erobern. Die Google-Suchmaschine wird mit jeder Suchanfrage intelligenter, wir alle trainieren sie Hunderte Male pro Tag. Damit wird Google immer schlauer, wir sind immer mehr darauf angewiesen, und keiner kommt gegen diese positive Spirale an.

    Ein ähnliches Phänomen haben wir in der Foto-Industrie im Wechsel von Analog- zur Digitalfotografie erlebt. Obwohl diese sogar bei Kodak erfunden wurde, waren die Marktführer (Fujifilm, Kodak und Agfa) so sehr mit ihrem Kerngeschäft beschäftigt, dass heute alle im Fotobereich bedeutungslos sind.

    Dieses Risiko hat auch VW-Chef Herbert Diess erkannt. In einer Ansprache an die Führungskräfte des VW-Konzerns Mitte Januar betonte er mehrmals die Bedeutung von Tesla für die Automobilbranche. Wenn VW nicht bald die Transformation zum digitalen Technologiekonzern schaffe, drohe ihm das gleiche Schicksal wie Nokia. Dem kann ich leider nur zustimmen.

    Doch in welchen Bereichen haben wir mit dem Fortschritt Teslas bald den iPhone-Moment erreicht?

    Daten – der unterschätzte Wert

    Tesla hat schon vor langer Zeit begriffen, dass Daten das wichtigste Asset der Industrie sind. Laut einer McKinsey-Studie von 2016 haben Fahrdaten bis 2030 ein Umsatzpotenzial von jährlich 750 Milliarden Dollar.

    Autonomes Fahren wird kommen, und aktuell ist Tesla der einzige Autohersteller, der sich mit dem Thema wirklich ernsthaft auseinandersetzt. Tesla füttert seine KI für autonomes Fahren bereits seit vielen Jahren mit den Daten, die die Sensoren der Tesla-Autos täglich in die Cloud übertragen. Laut „Business Insider“ sollen bis 2023 drei Millionen Tesla-Autos auf den Straßen unterwegs sein – und sie alle sammeln nonstop Daten.

    Unser Straßenverkehr ist so komplex, dass eine Unmenge an Daten nötig ist, um ein zuverlässiges autonomes Fahren zu programmieren. Deshalb werden nicht nur die äußeren Umstände abgespeichert, sondern auch die Handlungen des Fahrers. Teslas KI lernt das autonome Fahren von den Fahrern selbst, und zwar dauerhaft parallel im Hintergrund. Seit Kurzem fahren sogar drei Fahrer mit: wir, die aktuelle Softwaregeneration und die kommende. Tesla vergleicht diese drei „Systeme“ in Echtzeit.

    Und da die KI Zugriff auf alle Fahrdaten hat, entsteht mit der Tesla KI meiner Meinung nach gerade der mit Abstand sicherste und zuverlässigste Fahrer der Welt. Es mag für viele noch nach Science-Fiction klingen, aber wer sich mit der Technologie und den Fakten auseinandersetzt, traut seinem Tesla bald mehr als sich selbst – wenn es ums Autofahren geht.

    Tesla entwickelt als einziger Autohersteller eigene KI-Chips, die den Produkten von Herstellern wie Nvidia um Faktoren überlegen sind und in Zukunft vermutlich auch auf der Server-Seite zum Einsatz kommen, um die KI noch effektiver zu trainieren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Tesla auch als einer der Ersten Quantencomputer progressiv einsetzen, was den Abstand noch mal bedeutend vergrößern könnte.

    In diesem LinkedIn-Artikel steige ich tiefer in die Themen Daten, Software, Chips und autonomes Fahren ein. Schon im April 2019 war ich überzeugt von dem progressiven Ansatz von Tesla. Der Aktienwert hat sich seitdem mehr als verdoppelt.

    Das Supercharger-Netzwerk

    Eines der größten Probleme der E-Mobilität ist der flächendeckende Aufbau einer Ladeinfrastruktur. Aktuell ist Tesla der einzige E-Auto-Hersteller, der mit seinem weltweiten Supercharger-Netzwerk eine Lösung für dieses Problem liefert. Elon Musk ist das Risiko eingegangen und hat große Summen in den Auf- und Ausbau dieses Netzwerks investiert.

    I’m most proud of the machine that builds the machine. Elon Musk

    Auch wenn das kurzfristig zu hohen Verlusten führt, was viele Anleger nervös macht, bedeutet es langfristig Erfolg. Dieser Mut und diese Weitsicht sind es, die der deutschen Autoindustrie und unserem Land generell fehlen.


    Die Stärke der Produktion

    Teslas Produktion ist agil und schlank, und er kann sie innerhalb kürzester Zeit ausrollen, wie man in China gesehen hat. In nur einem Jahr ist dort eine Gigafactory entstanden, die bereits erste Autos ausliefert. In Deutschland entsteht gerade eine weitere Gigafactory.

    Auch wenn bei der Tesla-Produktion teilweise Zelte zum Einsatz kommen, ist sie in meinen Augen derzeit die beste, effektivste Produktion der Welt. Warum? Im Gegensatz zum Rest der Autoindustrie weltweit ist Tesla nicht auf einen Pool an Zulieferern angewiesen. Es gibt nur ein Team, das gemeinsam an einem Auto arbeitet und das gleiche Ziel verfolgt: Effizienz.

    Sie haben es selbst in der Hand, bauen – ähnlich wie Apple – ihre eigene Software und Hardware. Dies ermöglicht unter anderem auch die Implementierung eines App-Stores, wodurch Softwareupdates angeboten und zusätzliche Skills verkauft werden können. Mein Model 3 wird ständig optimiert, ohne dass ich damit in eine Werkstatt muss. Die nötige Hardware für autonomes Fahren ist bereits vorhanden, und sobald die Software so weit ist, benötigt es lediglich ein Update.

    Ein Beispiel aus dem Hardwarebereich: Während manche E-Autos bis zu drei Kühlungen verbaut haben (eine für den Motor, eine für die Batterie und eine für den Innenraum), kommt das Model 3 mit nur einer Kühlung aus, der sogenannten „Superbottle“. Diese Optimierung war nur möglich, weil hier ein passioniertes Team eng zusammengearbeitet und keine Bauteile von Zulieferern verwendet hat.

    Und, ja, auch ein Elon Musk macht Fehler. Bei der Produktion des Model 3 setzte er zu stark auf Automatisierung. Als er die Produktionsziele fürs Model 3 nicht erreichte, gab er dies öffentlich auf Twitter zu.

    Einer der Gründe, wieso es Probleme beim automatisierten Zusammenbau des Model 3 gab, war, dass die eingesetzten Roboter mit flexiblen Bauteilen wie Kabeln noch nicht gut zurechtkommen. Dieses Problem geht Tesla beim Model Y an: Sie wollen die Kabellänge mithilfe von multifunktionalen Controllern von ursprünglich drei Kilometern beim Model S und 1,5 Kilometern beim Model 3 auf 100 Meter reduzieren. So soll die Automatisierung und somit die Effizienz der Produktion des Model Y gesteigert werden.

    Und genau das ist es, was Tesla im Ansatz von anderen Autoherstellern unterscheidet: Musk handelt nach dem First-Principle-Prinzip. Er fragt nicht, wie etwas bisher gemacht wurde, sondern überlegt sich, was technisch und physikalisch möglich ist, und zerlegt Probleme in ihre Grundbausteine. Dann untersucht er die einzelnen Teilaspekte, und wenn am Ende sein Team zu dem Entschluss kommt, dass die Lösung des Problems der Automatisierung weniger und starrere Kabel sind, dann baut er ein Auto mit weniger Kabeln.

    Herzstück Batterie: Vorsprung bei Produktion und Forschung

    30 Prozent der Wertschöpfung eines E-Autos liegen in der Batterie. Dies hatte Musk frühzeitig erkannt, und er ging zunächst eine Partnerschaft mit LG ein. Dann stellte er fest, dass bei der herkömmlichen Batterieherstellung noch viel Optimierungsspielraum war, und begann seine eigene Forschung und die Sicherung von Ressourcen.

    Mittlerweile ist Tesla der größte Autobatteriehersteller der Welt. Und alles, was wir bis heute von Tesla in Sachen Batterietechnologie gesehen haben, ist acht Jahre alt. Diesen März wird Tesla die nächste Batteriegeneration vorstellen und damit ihren technologischen Abstand sehr wahrscheinlich um ein Vielfaches vergrößern. Allein im Bereich Autobatterien wird in meinen Augen schon sehr bald ein Markt mit einem Volumen von mehr als 100 Milliarden Dollar entstehen. Und auch hier hat Tesla aktuell die Nase vorn.

    Tesla ist der deutschen Autoindustrie in Sachen E-Mobilität meilenweit voraus – das kann man auch wortwörtlich verstehen. Das Model S hat doppelt so viel Reichweite wie der Porsche Taycan. Trotz deutscher Ingenieurskunst ist der Taycan laut vielen Analysten „das ineffizienteste E-Auto der Welt“. Kein deutsches E-Auto kann es auch nur ansatzweise mit den mittlerweile acht Jahre alten Tesla-Modellen aufnehmen.

    Egal ob Produktion, Forschung oder Consumer: Tesla ist in erster Linie eine Softwarefirma. So wurde beispielsweise vor einigen Wochen zum ersten Mal ein „Motor Upgrade“ für eine schnellere Beschleunigung angeboten – als In-App-Kauf für 2000 Dollar.

    Nach dem Update benötigt das Auto 0,5 Sekunden weniger, um auf 100 km/h zu beschleunigen. Ich bin mir sicher, dass wir bis 2021 einen App-Store von Tesla sehen werden, der ähnlich wie bei Apple ein bedeutender Geschäftsteil wird. Natürlich haben auch andere Autohersteller Softwareteams, aber sie sind keine „Software-first“- Firmen.

    Schaut man sich die Produktpalette von Tesla an, ist eine klare und brillante Strategie zu erkennen: Mit dem Roadster und dem sehr teuren Model S wurde der Aufbau des Unternehmens finanziert. Beide Modelle sind heute nicht mehr relevant, der Roadster als schnellstes E-Auto der Welt wird nur noch für Marketingzwecke genutzt. Mit dem Model 3 kam dann das erste Massenauto, mit dem Model Y ein bezahlbarer SUV mit sieben Sitzen.

    Selbst der viel diskutierte Cybertruck erfüllt einen klaren Zweck: Er sticht heraus, sorgt für Gesprächsstoff, und er adressiert den Hauptmarkt Teslas: die USA. Mit dem Semi wird Tesla bald einen komplett neuen Markt erschließen und den Transport revolutionieren. Eine Entwicklung, auf die wir alle uns freuen können, da sie den CO2-Ausstoß der Logistikbranche drastisch senken kann.

    Das effektivste Marketing der Welt ist gratis

    Tesla hat die vermutlich größte Marketingabteilung der Welt – denn sie umfasst beinahe den kompletten Kundenstamm. Ich kenne kaum einen Tesla-Fahrer, der nicht von seinem Auto schwärmt. Mund-zu-Mund-Propaganda ist seit jeher die effektivste Form des Marketings – und Tesla hat das perfektioniert. Während jeder andere Autohersteller jährlich mehrere Millionen Euro in das Marketingbudget steckt, um potenzielle Kunden von seinen Autos zu überzeugen, baut Musk einfach überzeugende Autos.

    Wer schon mal in einem Tesla gesessen hat, kann die Faszination vielleicht nachvollziehen. Es ist neu, es ist aufregend. Die Leute haben das Bedürfnis, sich darüber mitzuteilen. Deshalb ist Tesla ständig im Gespräch. Zu keinem anderen Autohersteller gibt es mehr Youtube-Videos, Podcasts oder Presseartikel.

    Auch wenn es nicht immer ums Auto selber, sondern oft nur um den Aktienkurs geht, bleibt Tesla in den Köpfen der Menschen. Keine andere Marke hat den Markt für E-Mobilität auch nur ansatzweise so sehr besetzt wie Tesla. Dieser Hype – was auch immer man von ihm halten mag – ist ein sehr wertvolles Asset. Mit allein 30 Millionen Followern auf Twitter und einer so hohen Interaktionsrate erreicht Musk mit einem einzigen Tweet mehr Leute als andere mit einer monatelangen, teuren Marketingkampagne.

    Auch ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich ein großer Tesla- und Musk-Fan bin. Aber meine Euphorie basiert auf Fakten und Zahlen: Tesla ist in allen für die Mobilität der Zukunft relevanten Bereichen technologisch führend. Und als Aktionär freue ich mich natürlich über die jüngsten Entwicklungen des Unternehmens.

    Aber als Deutscher sehe ich schwarz für die deutsche Autoindustrie und damit für einen zentralen Baustein der deutschen Wirtschaft. Im Juni letzten Jahres habe ich in einem Interview mit T-Online gesagt, die deutsche Autoindustrie habe in meinen Augen schon verloren. Diese Aussage hat damals zu viel Aufruhr gesorgt. Leider muss ich sie am heutigen Tag noch mal unterstreichen.

    Tesla wird zum zweitwertvollsten Autobauer der Welt

    Mehr: In drastischer Klarheit stellt Herbert Diess die Existenzfrage für Volkswagen. Die Brandrede des VW-Chefs war überfällig. Ein Kommentar von Sven Afhüppe.

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    12 Kommentare zu "Gastbeitrag von Frank Thelen: „Tesla wird Marktkapitalisierung verdoppeln, VW und BMW werden bedeutungslos“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Elon Musk schickt gerade wieder „Starlink“-Satelliten von SpaceX in den Orbit. Herr Thelen fragt in seinem Gastbeitrag nicht, wozu dies in Zukunft gut sein könnte. Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: a.) Elon ärgert sich über eine zu schlechte Mobilfunkanbindung zuhause oder b.) Musk plant ein globales Datennetz für seine Flotte. Ein deutscher Autokonzern ohne eigenen wöchentlichen Raumflug ist chancenlos? Erinnert doch sehr an das erfolgreiche Vorgehen von AMAZON mit dem Cloudservice.

    • Ich reise seit mehr als 35 Jahren durch die Welt und habe mehr als einmal erlebt, das solch schlaue Investoren Deutschland eine rabenschwarze Zukunft vorausgesagt haben. Das war so, als Japan und später die sogenannten asiatischen Tigerstaaten „aufstiegen“ und ist jetzt so mit Tesla.
      Aber Vorsicht: Niemand sollte uns deutsche Ingenieure unterschätzen oder vorzeitig abschreiben.

    • Ich reise seit mehr als 35 Jahren durch die Welt und habe mehr als einmal erlebt, das solch schlaue Investoren Deutschland eine rabenschwarze Zukunft vorausgesagt haben. Das war so, als Japan und später die sogenannten asiatischen Tigerstaaten „aufstiegen“ und ist jetzt so mit Tesla.
      Aber Vorsicht: Niemand sollte uns deutsche Ingenieure unterschätzen oder vorzeitig abschreiben.

    • Ich schätze Herrn Thelen sehr, aber diese These soll entweder provozieren und etwas damit erreichen oder sie ist dem Tatbestand geschuldet, dass er Aktionär von Tesla ist und seine eigenen Interessen hat.

      Bisher hält sich der wirtschaftliche Erfolg von Tesla sehr in Grenzen. Deswegen darf man natürlich Elon Musk nicht unterschätzen, aber unsere Unternehmen sind sehr viel breiter aufgestellt als Tesla.
      Die einseitige Fokussierung auf E-Mobilität bedeutet nur ein Marktsegment mit fraglicher Zukunft.

      Spätestens, wenn die Vorschrift in Europa kommen sollte, dass Unternehmen entlang ihrer Lieferkette garantieren müssen, dass Menschenrechte (ökologische) und Kinderarbeit ausgeschlossen sei, haben die Produzenten ein Problem.
      Kinderarbeit in den Mienen im Kongo und sonst wo ist an der Tagesordnung. Die Produktion der notwendigen Rohstoffe kostet unendlich viel Wasser und sonstige Umweltbelastungen.

      Und da das so ist wie es ist, werden andere Technologien nachhaltiger sein.

      Aber - Herr Musk (den ich danke seines Mutes und seiner Visionen bewundere) - kann Marketing und darauf basiert derzeit größtenteils diese hohe Bewertung.

    • Musk ist schon ein Genie, wie es sie vielleicht nur 1-2 im Jahrhundert gibt (Der jongliert ja nicht nur mit Tesla, sondern auch noch mit SpaceX, Hyperloop und hat vorher ja auch schon einiges vorzuweisen), aber ich würde das Imperium noch nicht abschreiben.

      Ich würde Tesla eher mit Apple als mit Google vergleichen: iPhone war cool - als es neu und einzigartig war. Jeder wollte es, jeder hat drüber gesprochen und jetzt haben sie noch einen Marktanteil von 10%, Tendenz fallend. Und dabei hat Apple den Markt überhaupt erst erschaffen und ist nicht gegen nennenswerte Konkurrenz eingestiegen.

      Das Problem bei Hardware ist, dass sie irgendwann ausentwickelt und "reif" ist. Google kriegt keiner geknackt, weil das Internet immer weiter wächst und keiner die Ressourcen hat, Google ernsthaft Paroli zu bieten. Das ist keine Geschmackssache, wie bei Lifestyle-Produkten, sondern Google ist schlicht besser.

      Und Tesla? Aktuell das coolste Auto, keine Frage, aber das hält nicht ewig. Technisch sind sie vorne, aber autonomes Fahren wird irgendwann funktionieren und dann ist es so cool wie der Strom aus der Steckdose oder ABS. Hat man einfach und denkt man nicht drüber nach. VW, Merceds und die anderen großen verkaufen zudem viel mehr Autos - wenn die jetzt anfangen, flächendeckend Daten zu sammeln, haben sie die viel schneller zusammen als Tesla, insbesondere wenn die anfangen zusammen zu arbeiten. Und selbst die Batterien sind kein langfristiger Vorteil. Die Technik entwickeln auch andere und kann man einkaufen. Und es werden neue Technologien kommen, dann steht der Zeiger wieder auf Null. Und auf seinen App-Store würde ich auch nicht sonderlich zählen, denn wir reden hier von Autos, nicht Smartphones. Die sollen fahren - was soll da schon groß kommen?

      Wenn cool nicht mehr reicht, dann zählen Effizienz und Kosten und das profitiert von Größe, (Produktions)-Wissen und Kapital und da sind unsere Dinos noch bestens aufgestellt.

    • Zum vorherigen Beitrag von Herr Oser:
      - Tesla reinvestiert den großteil seiner Einnahmen, deshalb schreibt es keine schwarzen Zahlen.
      - Die Umweltbelastung bei der Akkuproduktion wird über das Autoleben hinweg mehr als wett gemacht. Je mehr man damit fährt, desto besser, prozentual gesehen.
      - Stand heute halten diese Akkus sehr sehr lange (mehrere 100.000 km) und werden in Zukunft noch viel länger halten (1 Mio Meilen Akku). An ihrem Lebensende können sie außerdem noch als stationärer Speicher verwendet werden. Eine Recyclingpflicht wäre natürlich trotzdem wünschenswert.
      - Der Vergleich mit den 150.000km und dem Diesel stimmt nur nach dem deutschen Strommix, er ist das worst case scenario. Unser Strom wird in Zukunft immer grüner, außerdem hat es jeder E-Auto Fahrer selbst in der Hand, wo er sein Auto lädt (z.B. daheim über Solar).
      Die Beharrungskräfte am Verbrennungsmotor sind enorm. Doch der Wandel kommt unaufhaltsam. Irgendwann werden die Leute feststellen, dass man sauberer, sicherer, leiser, schneller und auch noch günstiger als mit jeglichem Verbrenner fahren kann - schon heute.

    • Gut, das wir in einer Demokratie leben, wo jede seine Meinung äußern kann.
      Ich habe meine zu diesem Unternehmen.
      Nur seltsam, dass jemand, der Wirtschaftsprofi sein will, ein Unternehmen feiert, welches kein Geld verdient sondern nur verbrennt.

    • Tesla erinnert mich an den Neuen Markt, Unternehmen die kein Gewinn sondern nur Schulden machen aber scheinbar sehr Wervoll waren. Heute ist der Hype Neuer Markt vorbei und so wird es auch bei Tesla sein. Tesla kommt schneller auf den Boden der Tatsachen zurück als ihnen lieb sein wird. Nochmals, in einem E-Auto ist keine Batterie verbaut, die würde beim Wiederbeladen explodieren und/oder brennen, sondern ein Akku. Dieser Akku verursacht schon bei der Produktion enorme Umweltschäden, die Entsorgung ist bis heute nicht geklärt und nicht alle verwendeten Elemente lassen sich recyceln. Also es sind Märchen hier zu behaupten das Akkuproblem wäre auch nur im Ansatz gelöst. Ein Akkutausch, und der kommt schneller als von den Herstellern versprochen kostet dann locker mal 8000 bis 12000 Euro je nach Akkugröße
      Die einzige Alternative wäre das Wasserstoffauto, das ja bekanntlich auch einen elektrischen Antrieb hat, nur den Strom mittels Brennstoffzelle selbst erzeugt.
      Das Manko aller E-Autos sind die über 50% höheren Kosten. Alle stoßen CO2 aus, nicht am Auspuff, sondern im Kraftwerk, Feinstaub ist kaum anders als bei Verbrennern, denn der entsteht hauptsächlich durch Reifen-/Bremsenabrieb. Aber wesentlich ist doch dass die Herstellung wesentlich umweltschädlicher ist als die eines Diesel Pkw, erst bei einer Fahrleistung von 150.000Km kann das E-Auto mit dem Diesel-Pkw gleichziehen. Wer also nur ain paar Kilometer fährt wird in der Schadstoffbilanz zum Verbrenner immer Negativ bleiben. Das Schadstofffreie E-Auto ist eine iIlusionen.

    • Daimler-Benz baut sehr erfolgreich Autos, die die Menschen kaufen und die sie für alltagstauglich halten.
      Außerdem ist der Stern auch in anderen Technologien unterwegs - sprich Brennstoffzelle und Plug-in-Hybride.
      Nur auf reine E-Autos zu setzen - wie Tesla es tut - halte ich nicht für flexibel genug.

      Der Hype um Tesla und diese Bewertung an der Börse ist in keinster Weise von Daten und Fakten unterlegt.
      Aber - Elon Musk, den ich sehr schätze - versteht einfach Marketing und lebt von immer neuen Ankündigungen.
      Wer diese Zockerei mag soll es machen.

    • Werter Herr Schügerl,

      lange Ladezeiten stören nicht, wenn man nicht warten muss. Man lädt sein Auto nur noch nachts auf, mit den paar kWh, die man durschnittlich am täglich verfährt, ist das kein Problem für das Stromnetz. Man hat ja die ganze Nacht dafür. Die Heizung im Winter stellt ebenfalls kein Problem dar, da man dann meist am Stromnetz hängt. Und wenn das so ein großes Problem ist, warum fahren dann die ganzen Norweger mit Elektroautos rum? Die Batterie beinhaltet kein Entsorgungsproblem, diese wird meist sogar einem zweiten Lebenszyklus zugeführt, dafür gibt es viele Abnehmer, gerade Bastler oder Unternehmen, die Stromspeicher für Häuser bauen. Die Lithium-Battieren haben noch eine lange Lebensdauer nach der Nutzung im Auto und können im Nachhinein recycelt werden, da es durch viele Elektroautos auch viele gleichartige Akkutypen gibt, die dann automatisiert recycled werden. Das Material kann aktuell zwar meist mit hohem Aufwand zu 90% recycled werden.
      Wasserstoff verliert Energie im Faktor 5, heißt 5fache Energie rein und 1fache Energie raus. 20% Effizienz, so stelle ich mir die Zukunft NICHT vor. Gerade die Infrastruktur ist zusätzlich noch sehr teuer im Aufbau, da Wasserstoff einfach ein schwer zu speicherndes Element ist, es diffundiert durch alles durch! Ich möchte nicht zum Auto gehen und nach einigen Wochen merken, dass ich hätte zur Tanke fahren müssen, weil ich mal nicht los musste.

      Leben niemals einem Computer anvertrauen? Sie vertrauen ja keinem Computer an, sondern eigentlich den Menschen, die das System entwickelt haben. Da gibt es solche und solche. Und Vertrauen muss man erst aufbauen, ist ja ok, wenn man Systemen nicht vertraut, aber es per se von allen Computern zu behaupten, ist mMn falsch. Es ist ja keine KI, die sich weiterentwickeln wird und Menschen umbringen will.

      It's the future, old man.

      Viele Grüße,
      Jan

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