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Gastbeitrag Warum Chefsessel unter Druck oft schlecht besetzt werden

Hehrer Anspruch – schwierige Realität: Wenn ein Unternehmen einen neuen Chef braucht, muss es in der Regel schnell gehen. Wie es dennoch gelingen kann - ein Gastbeitrag.
  • Maike Dietz
17.09.2012 - 13:12 Uhr Kommentieren
Maike Dietz ist Karrierecoach und Personalberaterin.

Maike Dietz ist Karrierecoach und Personalberaterin.

Das Unternehmen steckt mitten in einem wichtigen Übernahmeprozess, eine jahrelange Verhandlung steht kurz vor dem Abschluss oder ein großer Changeprozess hat die Reihen aufgewühlt – unpassende Momente für das Ausscheiden von Führungskräften gibt es immer wieder. Muss unter enormem Druck ein neuer Kandidat gefunden werden, machen Firmen häufig Fehler: Sie gehen zu wenig oder falsche Kompromisse ein, verlassen sich auf eingefahrene Einstellungsverfahren und kümmern sich nicht wirklich um die Einarbeitung, sagt Personalberaterin und Karrierecoach Maike Dietz.

In drei Wochen muss die Position besetzt sein. Der Kandidat muss Branchenerfahrung mitbringen, bereits lange geführt haben und natürlich alle nötigen Fach- und Sozialkompetenzen mitbringen. Viele Verantwortliche in Unternehmen sind bei Personalfragen noch immer im alten Verhaltensschema eines Käufermarktes verstrickt: „Wir nehmen nur einen Kandidaten, der alle Kriterien erfüllt“! Was im Normalfall schon schwierig ist, wird unter Zeitdruck zur häufigen Falle, denn in allen Punkten geeignete Bewerber gibt es kaum. Doch wo lassen sich Kompromisse eingehen? Überraschenderweise bei Fachkenntnissen, Branchenwissen und mit Einschränkung bei der Führungserfahrung!

Einen Großteil des nötigen Wissens kann sich eine neue Führungskraft mit Hilfe der Mitarbeiter und Kollegen schnell erarbeiten; ebenso das wichtigste Branchenwissen. Ist er überdies als Persönlichkeit für Führungsaufgaben geeignet, kann er gegebenenfalls in eine solche Rolle hineinwachsen, ohne vorher bereits geführt zu haben – zumindest dann, wenn die Führungsspanne im Unternehmen nicht zu groß ist und Fach-, Branchen- und Unternehmenswissen mitgebracht wird. Ein Kompromiss gerade bei diesem Kriterium ermöglicht dann auch den gerne vernachlässigten Blick in die eigenen Reihen: Wer kann eine vakante Position intern besetzen?

Beim Einarbeiten unter hohem Tempo zählen vor allem Sozialkompetenzen und ein Verständnis für das Unternehmen und für wirtschaftliche Zusammenhänge. Bei diesen Eigenschaften einen Kompromiss einzugehen, würde sich hingegen nicht auszahlen – sie sind eine unbedingte Voraussetzung.

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