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Gastbeitrag Warum Deutschland die Coronakrise besser meistern wird als andere Länder

Nicht nur das deutsche Gesundheitssystem hebt sich von vielen anderen auf der Welt ab. Was Deutschlands Wirtschaft im Vergleich so stark macht.
28.04.2020 - 15:43 Uhr Kommentieren
Im aktuellen Krisenmodus ist die deutsche Unternehmenskultur von großem Vorteil. Quelle: dpa
Autoindustrie in Deutschland

Im aktuellen Krisenmodus ist die deutsche Unternehmenskultur von großem Vorteil.

(Foto: dpa)

Gleich mehrere Faktoren stimmen optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft besser als andere Volkswirtschaften durch die schwerwiegende Coronakrise kommt. Nicht nur Gesundheitssystem, Politik und Verwaltung funktionieren. Auch agieren Unternehmen im Krisenmodus mit Augenmaß und Umsicht und denken bereits über strategische Themen für die auf Corona folgende Zeit nach.

Alle Industrienationen kämpfen derzeit darum, die Covid-19-Todesrate einzudämmen. Ländern, die die Opferzahlen in den Griff bekommen und nachfolgend auch im Griff haben, wird das Wiederhochfahren ihrer Wirtschaft langfristig gelingen. Gerade was diese wichtige Voraussetzung für die Rückkehr zur Normalität in den Betrieben angeht, sieht es in Deutschland gut aus. Die tagesaktuell transparente Covid-19-Letalität spricht eine klare Sprache.

Das hiesige Gesundheitssystem ist leistungsstark, kann auch die schweren Corona-Fälle bislang behandeln und verfügt sogar noch über einen signifikanten Puffer. Das bestätigt nicht zuletzt eine Analyse der Londoner Deep Knowledge Group, wonach Deutschland nach Israel und noch vor Südkorea und Australien bei der Corona-Bekämpfung weltweit den zweitbesten Job macht. Drei exemplarische Punkte der deutschen Stärke:

Bundesregierung und Bundesländer haben zeitnah und entschlossen ein umfangreiches Hilfspaket entwickelt. Im Vergleich zu anderen Ländern kann sich Deutschland aufgrund seiner Haushaltssanierung der vergangenen Jahre die Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft am ehesten leisten – und sollte damit auch in Europa eine Vorreiterrolle spielen. Ende 2019 lag die deutsche Staatsschuldenquote bei unter 60 Prozent und damit etwa auf dem Niveau von 2002.

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    Zu Anfang der Dekade sah das ganz anders aus. Als Folge der Wirtschaftskrise 2008/2009 war die Staatsverschuldung im Jahr darauf auf über 80 Prozent gestiegen. Anschließend folgte der konsequente Abbau der Schuldenlast. Keinem anderen Industrieland der Welt ist es gelungen, die für die Bewältigung der Finanzkrise gemachten Schulden in dem Maße zurückzuführen wie Deutschland.

    Im Übrigen konnte die hiesige Wirtschaft den Einbruch von minus 5,7 Prozent 2009 durch die zwei darauffolgenden Wachstumsjahre mit einem Plus von 4,2 beziehungsweise 3,9 Prozent in kurzer Zeit mehr als kompensieren.

    Auch die oft gescholtene, aber funktionierende deutsche „Bürokratie“, die zeitnah verwirklicht, was an Hilfsprogrammen nun aufgelegt wird, rechtfertigt die optimistische Sichtweise. In den kommenden Monaten wird zwar vermutlich von vielen Einzelbeispielen zu lesen und zu hören sein, in denen es zu Engpässen, Ungerechtigkeiten und Fehlern kam. Doch Tatsache ist, dass hierzulande die politischen Vorgaben effizient und schnell umgesetzt werden.

    Ein ausgeprägtes Wir-Gefühl

    Im aktuellen Krisenmodus ist die deutsche Unternehmenskultur von großem Vorteil. In den meisten Firmen begreifen sich Management und Belegschaft nicht als Antipoden. Das Wir-Gefühl und die Auffangmechanismen sind ausgeprägter als in anderen Ländern, was dazu führen wird, dass die Arbeitslosigkeit mit intelligenten und flexiblen Regelungen neben der Kurzarbeit nicht zu stark ansteigt. Und die von der Bundesregierung geschnürten Rettungspakete verschaffen den Unternehmen in der aktuellen Situation Luft zum Atmen.

    Beim schrittweisen und keinesfalls trivialen Hochfahren der Wirtschaft wird der hohe Bildungs- und Ausbildungsgrad der Belegschaft helfen, auch dezentral die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Qualität von Mitarbeitern und Management sowie ad hoc gebildete Taskforces werden entscheidende Faktoren sein, um Produktion, Vertrieb und andere betriebliche Funktionen wieder in Schwung zu bringen.

    Viele deutsche Unternehmen haben von den vergangenen zehn guten Jahren profitiert und Finanzreserven aufgebaut, die jetzt eine Zeit lang stabilisierend wirken. Trotzdem wird es eine hohe Zahl an Insolvenzen in Deutschland geben.

    Gutes Krisenmanagement

    Nach einer kurzen Schockstarre agieren die meisten Unternehmen mittlerweile mit Dynamik, Augenmaß und Umsicht. „Act now, plan now“ lautet jetzt die Devise. Dabei ist Teil des Plans, nicht nur im Krisenmodus zu funktionieren, sondern auch bereits über Strategien für die Nach-Corona-Zeit nachzudenken.

    Natürlich steht zunächst vor allem Krisenmanagement im Vordergrund: Szenarioplanung, Maßnahmen gegen wegbrechende Umsätze, Sicherung der Liquidität, gegebenenfalls Nutzung staatlicher Hilfen, Kosteneinsparungen, ohne die Substanz zu gefährden.

    Doch gleichzeitig gehen die Unternehmen wesentliche strukturelle und strategische Themen an. So werden die Lieferketten bei der zu erwartenden Deglobalisierung auf regionalere Strukturen umgebaut. Anpassungen der Produktionsstandorte werden durchdacht.

    Walter Sinn verantwortet als Managing Partner seit Juni 2014 das Deutschlandgeschäft der Unternehmensberatung Bain & Company. Quelle: Bain & Company Germany
    Der Autor

    Walter Sinn verantwortet als Managing Partner seit Juni 2014 das Deutschlandgeschäft der Unternehmensberatung Bain & Company.

    (Foto: Bain & Company Germany)

    Bei der in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern hinterherhinkenden Digitalisierung wirkt die Krise wie ein Katalysator. Gerade im kundennahen Bereich – Stichwörter sind bargeldloses Zahlen, Gesundheits-Apps, Onlineeinkauf – werden deutsche Unternehmen jetzt aufholen.

    Und bald werden Firmen zudem auch nach strategischen M-&-A-Transaktionen Ausschau halten. Die bevorstehende Rezession wird zu Marktkonsolidierungen führen, sinkende Unternehmensbewertungen zu Kaufgelegenheiten. Strategisch denkende Firmen positionieren sich in diesem Feld bereits.

    Zuversicht, dass die deutsche Wirtschaft die bevorstehenden Aufgaben auch über das akute Krisenmanagement hinaus meistern wird, vermitteln nicht zuletzt die Disziplin und Besonnenheit, die die meisten Menschen in diesen Zeiten schwierigster Lebensbedingungen an den Tag legen.

    Allein die gelungene Umstellung auf das Arbeiten im Homeoffice zeigt, wie flexibel Führungskräfte und Mitarbeiter sein können, wenn es darauf ankommt. Kreativität und Unternehmertum sind gefragt. Diese Fähigkeiten werden bei der schrittweisen Öffnung der Unternehmen helfen und entscheidend dafür sein, die Krise zu bewältigen.

    Mehr: Die Stimmung der Privatanleger sinkt, zeigt das Dax-Sentiment. Sie sind so pessimistisch wie noch nie in der Coronakrise.

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