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Gastbeitrag Wirtschaftsminister Altmaier sieht künstliche Intelligenz als „Schlüsselfrage für Deutschland und Europa“

Künstliche Intelligenz wird in naher Zukunft alle Wirtschafts- und Lebensbereiche durchdringen. Das macht sie zu einem Schlüsselthema für Deutschland.
  • Peter Altmaier
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Peter Altmaier (CDU) ist Bundeswirtschaftsminister. Quelle: dpa
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Peter Altmaier (CDU) ist Bundeswirtschaftsminister.

(Foto: dpa)

Deutschland ist wirtschaftlich eines der erfolgreichsten Länder weltweit. Damit dies auch künftig so bleibt, hat die Bundesregierung heute Eckpunkte für eine Strategie Künstliche Intelligenz beschlossen. Darauf aufbauend werden wir bis zum Digital-Gipfel der Bundesregierung im Dezember in Nürnberg erstmals eine KI-Strategie für Deutschland entwickeln.

Unser Ziel: Deutschland zum weltweit führenden Standort für künstliche Intelligenz (KI) zu machen. Wir sind entschlossen, Forschung, Entwicklung und vor allem auch die Anwendung von KI in Deutschland und Europa voranzutreiben und so neue Wertschöpfung durch „KI made in Germany“ zu ermöglichen und zu sichern.

Das „Ob“ von technologischem Fortschritt und Innovation wird nicht vom Staat bestimmt. Auto, Flugzeug, Computer, Internet oder Mobiltelefon: Sie alle wurden erfunden und haben sich weltweit durchgesetzt, weil sie das Leben von Millionen Menschen besser oder einfacher machten.

Die künstliche Intelligenz ist allerdings keine Innovation wie viele andere. Sie ist eine Basis-Innovation, die schon in wenigen Jahren alle Wirtschafts- und Lebensbereiche durchdrungen haben wird. KI versetzt Computer und Maschinen in die Lage, von eigenen Erfahrungen und denen von Millionen anderen zu lernen und sich so ständig selbst zu optimieren.

Ein Computer von heute hat mit dem Computer des Jahres 2030 höchstens noch den Namen gemeinsam, arbeitet in Wirklichkeit aber auf eine völlig neue und eben auch viel bessere Weise.

Das bedeutet auch, dass weltweit die „Claims“ neu abgesteckt werden. Aus bisherigen Verlierern der Globalisierung können Gewinner werden – und umgekehrt. Deshalb geht die Bedeutung des Themas weit über technologische Fragen hinaus: Die Entwicklung und Beherrschung der Anwendungsformen von KI, egal ob beim autonomen Fahren, in der Krebsdiagnostik oder bei den Produktionsprozessen der Zukunft, ist eine Schlüsselfrage für Deutschland und Europa.

Eine vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beauftragte Studie beziffert die durch KI beeinflusste zusätzliche Bruttowertschöpfung allein des produzierenden Gewerbes in den nächsten fünf Jahren auf rund 32 Milliarden Euro. Das ist etwa ein Drittel des gesamten für diesen Zeitraum prognostizierten Wachstums in diesem Bereich.

Als Industrieland bietet KI gerade uns große Chancen: In den Fabriken der Zukunft überwachen Maschinen ihre Betriebstüchtigkeit und fordern rechtzeitig Wartung an. Fahrerlose Transportfahrzeuge koordinieren eigenständig logistische Abläufe. Serviceroboter assistieren Menschen in der Montage.

Lernende Software unterstützt Einkauf, Vertrieb, Planung, Kontrolle. Oder hilft, überlastete Notaufnahmen in Krankenhäusern besser zu organisieren. Assistenzsysteme machen Kundenmanagement und Büroabläufe effizienter und komfortabler. Künstliche Intelligenz ist somit der Treiber für künftige Produktivitätssteigerungen großen Umfangs.

Auch deshalb habe ich vorige Woche gemeinsam mit meinem französischen Amtskollegen Bruno Le Maire die Idee einer europäischen Zusammenarbeit bei der KI angestoßen, wie wir es seinerzeit mit Airbus gemacht haben.

Europäische Unternehmen müssen in der Lage sein, massive Investitionen zu tätigen, weltweit die besten Forscher unter Vertrag zu nehmen, vielversprechende junge Start-ups zu kaufen und weiterzuentwickeln und schließlich fertige, alltagstaugliche Anwendungen als Erste auf den Markt und die Straße zu bringen. Es geht auch um neues Wissen, also Forschung, aber es geht vor allem um Wissenstransfer, also um Anwendung. Das dürfen wir den Googles, Ubers und Apples dieser Welt nicht allein überlassen.

Das Stichwort KI bereitet vielen Menschen Sorgen, auch aus der Befürchtung, dass Arbeitsplätze wegfallen werden. Gerade das wollen wir verhindern. Mit dem technischen Fortschritt haben sich stets Berufsbilder gewandelt, es entstanden neue, häufig bessere Arbeitsplätze.

Dass sie nicht irgendwo auf der Welt, sondern vor allem auch in Deutschland entstehen, ist entscheidend. Unser Ziel ist und bleibt Vollbeschäftigung. Die Entwicklung einer nationalen Weiterbildungsstrategie ist dafür ebenfalls von großer Bedeutung.

Legitimität und Akzeptanz von KI sind nur zu erreichen, wenn der Mensch und seine Würde im Mittelpunkt stehen. Das ist der Grund, weshalb wir eine Datenethikkommission eingesetzt haben, die innerhalb eines Jahres einen Entwicklungsrahmen für Datenpolitik, den Umgang mit Algorithmen, KI und digitalen Innovationen vorschlagen wird.

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