Gastbeitrag zur EZB-Zinspolitik Wenn Geldpolitiker Katastrophen schüren

Die Geldpolitiker der EZB liebäugeln mit einem Negativzins. Solche Maßnahmen bringen allenfalls Scheinbesserungen, die dann zu noch größeren Katastrophen führen können – vor allem für die vielen Kleinsparer.
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Thorsten Polleit ist bei Degussa Goldhandel als Chefvolkswirt tätig. Er ist zudem Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management. Quelle: PR

Thorsten Polleit ist bei Degussa Goldhandel als Chefvolkswirt tätig. Er ist zudem Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management.

(Foto: PR)

Die Zinsen sind mittlerweile so niedrig, dass sie nach Abzug der laufenden Teuerungsrate negativ sind. Wer also Sicht-, Termin- und Spareinlagen hält, wird ärmer. Das Sparen mit Einlagen bei der Bank führt nicht zur Kapitalmehrung, sondern zur Kapitalaufzehrung.

Ist zum Beispiel der Zins für Sichteinlagen null Prozent und die Teuerungsrate 2 Prozent, so schrumpft die Kaufkraft der Sichteinlagen jedes Jahr um 2 Prozent. Noch schlimmer: Die meisten Banken stellen ihren Kunden ja noch eine Kontoführungsgebühr in Rechnung.

Diese Gebühren, die meist als Einmalbetrag vom Konto abgebucht und nicht mit dem Einlagenzins verrechnet werden, mindern die Erträge der Bankkunden zusätzlich. Der prozentuale Schwund der Bankeinlagen fällt für Kleinsparer natürlich höher aus als für Besitzer großer Guthaben.

Doch es soll noch schlimmer kommen für die Sparer: Die Geldpolitiker debattieren über einen negativen Nominalzins für Einlagen, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank unterhalten. Die Folgen dieser Maßnahme würden die Sparer zu spüren bekommen, und wieder einmal insbesondere die (Klein-)Sparer.

Für die Politik des negativen Einlagenzinses gibt es „Vorbilder“. Im August 2009 erhob die Schwedische Zentralbank einen negativen Zins von minus 0,25 Prozent auf „Überschussreserven“, die Banken bei ihr unterhielten. Es sollte eine „Strafsteuer“ sein und Banken veranlassen, ihre Guthaben zur Kreditvergabe zu verwenden.

Im Juli 2012 senkte die dänische Zentralbank den Zins auf Kronen-Guthaben, die Geschäftsbanken bei ihr unterhielten, auf minus 0,20 Prozent. Mit diesem Schritt sollte die steigende Nachfrage nach der dänischen Währung und der damit verbundene Aufwertungseffekt verringert werden.

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21 Kommentare zu "Gastbeitrag zur EZB-Zinspolitik: Wenn Geldpolitiker Katastrophen schüren"

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  • Wie kann es sein, dass solche Verbrecher nach der Lehman-Pleite noch das Sagen haben und noch nicht längst auf den Mond geschossen wurden?

  • @mercurius101

    Richtig. Leider stammt ist dieser Beitrag - wie alle Beiträge, die sich mit der Wirklichkeit beschäftigen - aus der Feder eines Gastautors. Von der HB-Redaktion erwarte ich solche Beiträge schon lange nicht mehr.

  • Durch geldpolitische Kunstgriffe und Winkelzüge lassen sich nur vorübergehende Scheinbesserungen erzielen, die dann aber nachfolgend zu noch größeren Katastrophen führen. Und genau in diesem Lichte ist das Einführen eines negativen Einlagenzinses zu bewerten.

    Dieser Schlußsatz ist wie auf dem Flughafen:

    Letzter Aufruf

    Wer jetzt die sich mehrenden Zeichen nicht deuten kann oder meint, ignorieren zu müssen oder den Lügen glaubt, wird auf dem falschen Fuß erwischt werden.
    Sie müssen handeln, jetzt handeln, solange noch die Möglichkeit vorhanden ist.

    Schönen Tag noch.

  • Hallo BEN. Gut dass wir im voraus wissen, was Du mit Deinem Geld machst und dass Du im Ernstfall, die Goldbarren im Ausland steuerfrei versilbern willst. NSA Schäuble

  • Eine Freude, diesen analytisch kompetenten Beitrag zu lesen, ein Jammer, dass diese klaren und nicht durchgehend neuen Erkenntnisse die geistigen Fähigkeiten (oder Möglichkeiten) unserer Politiker übersteigen. Statt auf diesen Zusammenhängen basierend zum Wohl des Volkes zweckadäquate Entscheidungen zu treffen, stochern die Volksvertreter mit von Lobbyisten gesteuerten Stangen im Nebel ihrer Interessen herum. Das Makabre, Kuriose und Unglaubliche daran ist, dass sie zum Dank mit einer Wiederwahl belohnt wurden und nun solchermaßen ermuntert fortfahren, dem kleinen Mann die Spargroschen aus der Tasche zu ziehen.

  • ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

    Der Mafiosi Draghi wird den Leitzins senken . Sollte es so kommen wird mein Vermögen bei den Banken abgezogen u. es sind bestimmt keine Peanats.

    Ja wo ist denn Merkel, schon im Winterschlaf , ihr kann es nur recht sein ,wenn Draghi ihre falsche Politik ausführt.Der ganze Schlamassel Euro-Politik geht doch auf ihre Kappe .

    Und dann noch den Oberzocker Deutsche Bank Ackermann mit Co in Schutzhaft nehmen u. als Resultat die deutschen Steuerzahler blechen lassen ist doch der Hammer.

    Im Grunde hilft doch der Pleitezins (Leitzins)nur den Bankenzockern , die warten schon heiss auf den Daxsprung aber hoffentlich fallen sie auf die Schnauze .

    Die Leitzinssenkungen von Draghi bewirken genau das Gegenteil . Durch das Billiggeld verschulden sich die Euro-Schuldenländer immmer mehr . Es ist schließlich nicht geschenkt - oder ?.

    Wie dieses Chaos noch ausgeht kann sich doch jeder denken , es wird wieder Kriege geben in Europa .

    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::___________________________________________

  • Es lohnt in der Tat nicht mehr, sein Geld bei der Bank zu lassen. Freilich braucht man weiterhin ein Konto, um seine täglichen Rechnungen zu bezahlen. Gleichwohl kann und sollte das "Sparvermögen" abgehoben werden. Das Geld kann man dann in liquide harte Werte stecken. Ich spare seit diesem Jahr langfristig in (physischem) Gold und Silber. Ob der Gold- und Silberpreis in diesem Jahr steigt oder fällt, ist mir egal. Ziemlich sicher bin ich mir aber, dass wenn ich in ca. 30 Jahren in Rente gehe, der Gold und Silberpreis um ein Vielfaches angestiegen ist. Im Gegensatz zu Lebensversicherungen und Rentenpapieren ist mein Erspartes dann inflationsbereinigt, liquide, mobil und faktisch nicht besteuerungsfähig (eben da mobil; wenn der Staat die Goldgewinne versteuern will, verkaufe ich einfach im Ausland). Unter dem Hintergrund freue ich mich wie ein Schneekönig, dass die am Papiermarkt derzeitig manipulierten Gold- und Silberpreise weiter einknicken. Das heisst konkret für mich: ich bekomme mehr Wert für mein Geld!

  • Draghi ist für den dt. Sparer der größte Räuber der Nachkriegsgeschichte. Das Schlimme daran ist jedoch immer mit Zustimmung der scheinheiligen dt. Politik.
    Ich zitiere mal die Worte unseres ehemaligen Bundespräsidenten mit dem Zitat von Theodor Roosevelt.
    "der Baum der Freiheit muss von Zeit zu Zeit mit dem Blut der Tyrannen und Patrioten begossen werden, dies ist der Freiheit Dünger"
    Also Bürger seit wachsam. Ihr werdet gerade von den "Banditen" um die Früchte eurer Arbeit betrogen.

  • @Abartig: Dann führt der Staat eben eine Bargeldsteuer ein für alle Bartransaktionen. Man will sich sowieso in Richtung Abschaffung des Bargelds bewegen, damit der Bürger vollkommen gläsern ist. Oder noch schlimmer: Es gibt dann neue Scheine im Verhältnis von z.B. 1 Neuer für 10 Alte. Und nun?

  • Europa ist zum kotzen! Und der Euro sind die Kotzbrocken.

    Goldman Sachs und Draghi haben die Euroländer übernommen und bestimmen die Politik.
    Merkel und Konsorten nur noch Marionetten.

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