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Gastkolumne Aufsichtsräte sollten auf den Governance-Kodex verzichten

Der Entwurf für einen neuen Kodex zur guten Unternehmensführung spricht gegen sich selbst. Sein Ende ist nur mehr eine Frage der Zeit.
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Der SAP-Vorstandschef ist seit Jahren bestbezahlter Dax-Chef – der neue Corporate Governance Kodex befasst sich zu einem großen Teil mit der Vergütung. Quelle: AFP
Bill McDermott

Der SAP-Vorstandschef ist seit Jahren bestbezahlter Dax-Chef – der neue Corporate Governance Kodex befasst sich zu einem großen Teil mit der Vergütung.

(Foto: AFP)

„Von Beileidsbekundungen bitten wir Abstand zu nehmen. Trauerbekleidung erscheint dem Anlass nicht angemessen.“ — Es sieht so aus, als ob die Bundesregierung nun doch nicht umhinkommt, ernsthaft darüber nachzudenken, ob sie die von ihr ernannte Regierungskommission „Deutscher Corporate Governance Kodex“ samt ihren jüngsten, dem Konsultationsverfahren überantworteten Reformvorschlägen nicht dem Haus der Geschichte überantwortet. Für viele wäre das nicht überraschend.

Nach einer zweijährigen Bedenkpause der zuletzt weitgehend neu besetzten sowie 2017 neu präsidierten Kommission war wohl nicht nur ich zutiefst davon überzeugt, dass der im November vorgelegte Entwurf insgesamt gegen sich selbst spricht: Vom ursprünglichen Ansatz, eine komprimierte Darstellung gelebter „Grundsätze guter Unternehmensführung und -überwachung aus der Praxis für die Praxis“, abzugeben, sind in der Vorlage kaum mehr Spurenelemente erkennbar.

Dafür sind nun mehr als ein Drittel aller Empfehlungen der Vorstandsvergütung gewidmet, einer „Vergütungsrichtlinie“ nicht unähnlich. Was aber hat angemessene Vorstandsvergütung per se mit „guter Corporate Governance“ zu tun? Wird damit nicht die Kausalkette „Gutes Geld für gute Arbeit“ denklogisch auf den Kopf gestellt?

Obwohl diese Verquerung sowie weitere Wesensveränderungen niemandem verborgen geblieben sein können, liegen der Kommission über 120 Stellungnahmen nahezu aller einschlägigen (und auch weniger fachlich) Betroffenen vor.

Vielleicht ist es gerade die fehlende Distanz vieler Engagierter, die verhindert, das Naheliegende wie Offensichtliche gegenüber den Verantwortlichen zu formulieren: Gebt den Versuch auf, angelsächsisches „soft law“, jüngst vermengt mit internationalen Investorendiktaten sowie beraterspezifischen Lieblingsthemen zu umsetzbaren deutschen Leitvorgaben zu amalgamieren.

Im Jahr 2014 habe ich verbal den Deutschen Corporate Governance Kodex der Palliativstation überantwortet. Die kurze Reanimationsphase im Wachraum muss — um im medizinischen Vergleich zu bleiben — als erfolglos bezeichnet werden. Der Abgang ist nur mehr eine Frage der Zeit, nicht der Richtung.

„Kurz und knackig“ war die Forderung des ersten Vorsitzenden der Regierungskommission an den Kodex: Der hier empfohlene Verzicht auf diesen Kodex führt zu dem mit Abstand knackigsten Kodex aller Zeiten. Haben wir den Mut und lassen wir es einfach sein, streichen wir Paragraf 161 Aktiengesetz. Oder alle erklären die Nichtanwendung des Kodexes. Innovation statt Renaissance!

Der Autor ist geschäftsführender Herausgeber der Fachzeitschrift „Der Aufsichtsrat“. Lesen Sie mehr in der März-Ausgabe.

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