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Gastkolumne Aufsichtsräte sollten auf der Hauptversammlung nicht schweigen müssen

Schweigende Aufsichtsratsmitglieder auf Hauptversammlungen sind eine Verschwendung von Humankapital. Da schlummert noch Potenzial.
18.05.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Im Ausland, so wird seit Jahrzehnten kolportiert, halten nicht wenige Kenner der Materie dieses kollektive „Schweigen der Lämmer“ für eine der größten Leistungen der deutschen Aufsichtsräte. Quelle: dpa
Hauptversammlung der Lufthansa

Im Ausland, so wird seit Jahrzehnten kolportiert, halten nicht wenige Kenner der Materie dieses kollektive „Schweigen der Lämmer“ für eine der größten Leistungen der deutschen Aufsichtsräte.

(Foto: dpa)

Eine besondere Hauptversammlungs-Saison steht aktuell ins Haus. Erstmals wird kollektiv eine virtuelle Zusammenkunft ermöglicht. Ungeachtet der schon diskutierten Implikationen dieser krisenbedingten Blitz-Reform auf Zeit wird aber auch diese Form eines auszeichnen: die groteskeste, gesetzlich verordnete Ressourcen-Verschwendung (meist) wertvollen Humankapitals. Denn nach kaum thematisierten Vorgaben des Aktiengesetzes müssen alle Aufsichtsratsmitglieder an der Hauptversammlung teilnehmen.

Nein: Physisch präsent sein, denn ihnen obliegt ein Schweigegelübde, wie es der traditionellste Kloster-Comment nicht strikter fassen kann: „Hinsetzen und Maul halten“, lautet die gesetzliche Vorgabe; aktuell durch Videoteilnahme nur technisch modifiziert. Und selbst der meist den Vorsitz der Versammlung übernehmende Aufsichtsrats-Vorsitzende muss sich der Sprechgenehmigung durch den Vorstand versichern, wenn er seine manchmal doch eher mageren Ausführungen zum Vortrag der staunenden Aktionäre bringen will. So verlangt es das Gesetz, Ausnahmen erfolgen auf eigenes beziehungsweise des Vorstands Risiko.

Im Ausland, so wird seit Jahrzehnten kolportiert, halten nicht wenige Kenner der Materie dieses kollektive „Schweigen der Lämmer“ für eine der größten Leistungen der deutschen Aufsichtsräte. Wer bis zu zwölf Stunden still sitzen und dabei ein möglichst reaktionsloses Gesicht mit freundlichem Grundton zu präsentieren versteht, muss ein Meister der Selbstbeherrschung sein. Dem Vernehmen nach umfassen qualifizierte „Onboarding“-Programme für neue Aufsichtsratsmitglieder auch diesbezügliche Coaching-Sessions.

Schnöde Ökonomen berechnen dagegen den volkswirtschaftlichen Schaden dieser Regulierung: Nach empirischen Erhebungen kann man im Dax-Mittel von 5000 Euro Tagessatz je Mandatsträger ausgehen, nach eigener Belastungseinschätzung versteht sich. Da kommen also bei einem 20-köpfigen Aufsichtsrat rund 100.000 Euro Schweigegeld zusammen. „Peanuts“ im Vergleich zu den klassischen HV-Kosten sicherlich, aber welche Gegenleistung geht dem Unternehmen da verloren? Oder welchen Nutzen könnten Wortbeiträge von Aufsichtsratsmitgliedern auf der Hauptversammlung bringen? Okay, hier wäre im Einzelfall eine Schadensberechnung gegenüberzustellen, Reputationsrisiken nicht ausgeschlossen.

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    „Wer schläft, sündigt nicht“, eine wenig geeignete Parole für die Aufsichtsratsmitglieder auf den virtuellen wie präsenten Hauptversammlungen. Aber auch das kollektive Schweigen ist nicht gerade ein Signal für Aktivitätsüberschuss. Da schlummert im wahrsten Sinne des Wortes noch Potenzial!

    Mehr: Coronafreie Kommentare müssen für Aufsichtsräte zulässig bleiben

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