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Gastkolumne Das Kontrollversagen im Fall Wirecard ist systemimmanent

Der Bilanzskandal rund um den Zahlungsdienstleiter hätte eigentlich niemanden überraschen dürfen. Die Abhängigkeit von Prüfer und Vorstand bleibt.
09.08.2020 - 11:28 Uhr Kommentieren
Der Fall ist heute schon filmreif, was früh erkannt wurde. Quelle: dpa
Wirecard

Der Fall ist heute schon filmreif, was früh erkannt wurde.

(Foto: dpa)

Kann man eigentlich überrascht sein von dem Wirecard-Kontrolldesaster? Ich glaube nicht, denn das Kontrollversagen ist systemimmanent.

Die exotischen Umstände und Begleiterscheinungen sind es, die dem dramatischen Fall Glamour und einen Hauch Exotik verleihen. Das Basisproblem ist seit Langem bekannt. Und es handelt sich nicht um äußere Schönheitsmängel des Apfels der Verführung, sondern um einen ziemlich maroden Kern.

Im Prinzip reichen einmal mehr zwei alte Volksweisheiten. Auch wenn man sich solche kaum mehr zu zitieren traut, schreit doch ein nicht unerheblicher Teil des „Volkes“ sich derzeit den letzten Verstand ungeschützt aus den Hirnen und gibt seine individuelle Souveränität an den Kassen von Verschwörungstheoretikern und Rechtsradikalen ab.

Dennoch darf hingewiesen werden, dass die bodenständige Erkenntnis, dass „eine Krähe der anderen kein Auge aushackt“ ebenso einen wesentlichen Erklärungsfaktor für den aktuellen Fall abgibt wie die fast noch grundsätzlichere Volksweisheit „Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing‘“.

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    Manuel René Theisen ist geschäftsführender Herausgeber von „Der Aufsichtsrat“. Quelle: Prof. Theisen
    Der Autor

    Manuel René Theisen ist geschäftsführender Herausgeber von „Der Aufsichtsrat“.

    (Foto: Prof. Theisen)

    Jeder Eingeweihte weiß, dass das höchst fragile, in Teilen schon in statu nascendi diskussionsbedürftige Gebäude von internen und externen Kontrollmechanismen im Wirtschaftsleben auf einer utopischen Ausgangsannahme fußt: der fundamentalen Voraussetzung, dass

    1. Führungseliten sich gern und intensiv überwachen lassen und
    2. dass Überwachungsberufene engagiert und ohne Rücksicht auf Namen und Position Kontrolle ausüben können und wollen.

    Keine Frage, es soll solche Persönlichkeiten in beiden Gruppen geben; wenn ich mich anstrenge, fallen mir welche ein. Aber die angesprochenen Attitüden sind eine Herausforderung für (fast) alle, die am großen Spiel teilhaben wollen.

    Und damit die „dritte Gewalt“ im unternehmensbezogenen Kontrollsystem nicht ungewürdigt bleibt, soll auf die Kassenhoheit verwiesen werden. Die gesetzgeberischen Bemühungen, die Distanz des Wirtschaftsprüfers vom Vorstand zu vergrößern und die unmittelbare Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Aufsichtsrat beziehungsweise Prüfungsausschuss zu effektuieren, sind Legion.

    Es bleibt aber faktisch bei der einseitigen ökonomischen Abhängigkeit des Abschlussprüfers vom alimentierenden und bestimmenden Vorstand. Was das im Fall von Dax-Prüfungsmandaten und weltweit verteilten Prüfungs-Verantwortlichkeiten bedeutet, muss hier nicht ausgeführt werden.

    Der „Fall“ Wirecard ist heute schon filmreif, was früh erkannt wurde. Für die Corporate-Governance-Diskussion wird er bald nur einen weiteren wackeligen Stein im auf Schwemmsand gebauten Kontrollgebäude abgeben. Schade, aber menschlich: Auch Kontrolleure sind das Volk.

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