Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastkolumne Der Aufsichtsrat sollte keine Reservebank für die Vorstandsetage sein

Ein Posten im Aufsichtsrat ist leichter zu besetzen als ein Vorstandsposten. Und der Aufsichtsrat ist keine gute Reservebank für Unternehmensführer.
Kommentieren
Vor wenigen Jahren noch als „Ausnahmefall“ gehandelt, wurde der Wechsel von John Cryan vom Aufsichtsrat in den Vorstand als Coup gefeiert. Quelle: dpa
Deutsche Bank

Vor wenigen Jahren noch als „Ausnahmefall“ gehandelt, wurde der Wechsel von John Cryan vom Aufsichtsrat in den Vorstand als Coup gefeiert.

(Foto: dpa)

Die Besetzungsschwierigkeiten in den Dax-Vorstandsetagen beschäftigen nicht nur Heerscharen von Personalberatern und Headhuntern nachhaltig, sondern auch immer mehr Aufsichtsräte. Aber die offenbar wachsende Ratlosigkeit der Räte treibt immer neue Blüten. In ihrer Verzweiflung um den passenden Nachwuchs wird zunehmend die wohl letzte Büchse der Pandora geöffnet: der eigene Bestand an aktiven Aufsichtsratsmitgliedern.

Neben einer Reihe von Prime-Standard-Unternehmen macht einmal mehr die Deutsche Bank AG auch diesbezüglich von sich reden. Vor wenigen Jahren noch als „Ausnahmefall“ gehandelt, wurde der Wechsel von John Cryan vom Aufsichtsrat in den Vorstand als Coup gefeiert. Dessen Strahlkraft wurde wohl systematisch überschätzt, und der Stern verglühte noch weit vor seinem insinuierten Höhepunkt.

Jeder hat eine zweite Chance verdient, redete sich vermutlich Aufsichtsratschef Paul Achleitner selbst zu – und berief nun einen ebenfalls jüngst erst in dem Deutsche-Bank-Aufsichtsrat installierten Rechtsanwalt und Katar-Vertrauten in die merklich schrumpfende Mann-/Frauschaft, der noch eine Schicksals-Kehrtwende für die vormals große Bank zugetraut (oder sollte man sagen: zugemutet?) wird.

Wird man hier einer neuen Qualität des Two-Tier-Systems, des gewaltenteiligen Vorstand-Aufsichtsrats-Systems, angesichtig? Der Aufsichtsrat als Reservepotenzial für Führungsvakanzen und Besetzungsirrtümer in der Vorstandsetage? Oder kommt hier der autokratische Grundsatz „Traue niemandem außer der eigenen Familie“ in einem weiteren Sinne zu neuer Verwendung? Der akzelerierende Wechsel auf den Dax-Etagen könnte allerdings auch vermehrt Löcher in die bekannten Netzwerke reißen, bei denen man sich nur mehr mit Bordmitteln im wahrsten Sinne des Wortes über Wasser zu halten hofft.

Wer aber sagt denn, dass – einmal theoretisch vorausgesetzt – gute Kontrolleure auch gute Unternehmensführer sein werden? Vielleicht aber setzt sich auch nur die bodennahe Erkenntnis durch, dass eine Aufsichtsratsvakanz leichter zu besetzen ist als ein Vorstandsposten.

Genug der Spekulation, sprechen wir Klartext: Der Aufsichtsrat ist keine gute Reservebank für Unternehmensführer. Der Gesetzgeber war gut beraten, dass er einen interimistischen Wechsel (in Notlagen) für höchstens zwölf Monate zulässt. Aufsichtsräte, deren Personalkompetenz sich auf die eigene Peergroup verengt, sollten ihren Hut nehmen, und zwar, bevor sie in Gefahr geraten, in den Vorstand weggelobt zu werden.

Der Autor ist geschäftsführender Herausgeber von „Der Aufsichtsrat“. Lesen Sie mehr in der am Montag erscheinenden September-Ausgabe.

Startseite

Mehr zu: Gastkolumne - Der Aufsichtsrat sollte keine Reservebank für die Vorstandsetage sein

0 Kommentare zu "Gastkolumne: Der Aufsichtsrat sollte keine Reservebank für die Vorstandsetage sein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote