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Gastkolumne Fliegen Frauen schneller aus Führungspositionen?

Gefühlt haben in den letzten Monaten deutlich mehr Frauen ihren Posten verloren als Männer. Dahinter steckt ein Trend bei der Besetzungspolitik.
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Der Vertrag der Siemens-Arbeitsdirektorin läuft zum 31. Januar 2020 aus. Quelle: dpa
Janina Kugel

Der Vertrag der Siemens-Arbeitsdirektorin läuft zum 31. Januar 2020 aus.

(Foto: dpa)

Vertrag nicht verlängert durch den Aufsichtsrat“, „Einvernehmlich getrennt“ oder „Neue Herausforderungen gesucht“ – so lauten Meldungen über Vorstands- und Aufsichtsratswechsel und -freisetzungen; die erste Dax-Co-Vorstandsvorsitzende bei SAP steht zur diesbezüglichen Bewährung gerade erst an. Auffallend: Zumindest gefühlt sind es in den letzten Monaten deutlich mehr Frauen, die aus Amt und Würden scheiden als Männer.

Vermutlich aber fliegen Frauen nicht schneller, sondern wir beobachten gerade die Reverse eines genderbedingten, gesetzlich unterfütterten Besetzungsschubs vor wenigen Jahren. Ein statistischer Kick-back sozusagen. Und unter der weiterführenden Überlegung, dass Männer wie Frauen sich gleichermaßen gelegentlich als Fehlbesetzung erweisen oder die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen, eigentlich keinen tiefer schürfenden Gedanken wert.

Wären da nicht zwei, fast regelmäßig die Personalien begleitende Zusatzmeldungen, die nachdenklich stimmen (sollten): Zum einen werden die Nachfolgeüberlegungen nahezu zwanghaft durch den einleitenden Gedanken geprägt, dass es eine Nachfolgerin geben muss.

Das sicherlich verantwortungsbewusst unterlegte Anforderungsprofil, das es gerade bei vorzeitigen Umsetzungen immer auf den Prüfstand zu stellen gilt, wird nicht erwähnt. So drängt sich die Frage auf, ob die gesellschaftspolitisch motivierte Genderdiskussion in der zweiten Runde bereits zum wichtigsten, wenn nicht sogar dominierenden Auswahlkriterium für die Aufsichtsräte und Nominierungskomitees verkommt.

Zum anderen schleudern nicht wenige dieser Meldungen – so bei der Siemens-Kaeser-Kugel-Trennung – erkennbar haarscharf am journalistischen Comment entlang, persönliche Hintergründe nicht zu erwähnen. Zumindest hier war der Grenzgang unschwer nachzuvollziehen, wenn berichtet wurde, dass das „eng zusammenarbeitende Team“ im Zeitablauf zu einem „konkurrierenden Alpha-Tier-Wettbewerb“ mutiert ist.

Es bleibt naturgemäß offen, ob diese Berichtslage – die deutlich verbesserungswürdig erscheint – nur Ausdruck medialer Tollpatschigkeit ist oder ob in den verantwortlichen Köpfen und bei unternehmenseigenen Kommunikatoren die Personalien und deren Behandlung eine gendergetriebene Verzerrung erfahren haben.

Sollte da keine Rückkehr zur fachbezogenen und allein eignungsbegründeten Auswahl möglich sein, dann müsste gender-aktiv zukünftig wohl von „Mitgliederabgängen“ in Vorstand und Aufsichtsrat gesprochen werden, um genderneutral und diskriminierungsfrei zu verfahren.

Der Autor ist geschäftsführender Herausgeber von „Der Aufsichtsrat“. Lesen Sie mehr in der am Montag erscheinenden Oktober-Ausgabe.

Mehr: Nach dem überraschenden Rücktritt von Bill McDermott wird die Amerikanerin Jennifer Morgan erste Dax-Chefin. Wo sie und ihr Co-CEO Christian Klein bei SAP gleich gefordert sind.

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