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Gastkolumne Im Flugmodus: Engagierte Aufsichtsräte können schnell einsam sein

Eine Aufsichtsrätin versuchte vergeblich, auf Missstände bei Wirecard aufmerksam zu machen. Neue gesetzliche Regelungen sind daher nötig.
14.12.2020 - 13:09 Uhr Kommentieren
Erst der Insolvenzverwalter beendete die Verschwiegenheitspflicht. Quelle: dpa
Wirecard-Untersuchungsausschuss

Erst der Insolvenzverwalter beendete die Verschwiegenheitspflicht.

(Foto: dpa)

Wir erinnern uns noch an die Flugansage: „Schalten Sie bitte Ihre Smartphones in den Flugmodus!“ Diesen Flugmodus mag eine der kurzfristig für Wirecard tätigen Aufsichtsrätinnen als mandatstypischen Dauerzustand empfunden haben. Oder volkstümlicher mit einer Variante der drei Primaten ausgedrückt: „Viel hören, viel sehen, aber nichts sagen“.

Nun werden die umfassenden Ausführungen der Bankexpertin vor dem Wirecard-Untersuchungsausschuss bekannt: Mehr als eindrucksvoll verdeutlichen sie uns, wie schnell ein Aufsichtsratsmitglied sehr einsam werden kann, wenn er versucht, den Finger in schwelende Wunden zu legen.

Für ihre kurze Amtszeit benannte die Fachfrau, welche Beiträge, Vorschläge und Änderungswünsche sie im Überwachungsorgan der Wirecard AG zur Sprache gebracht hatte. Sicherlich ist bei der Beurteilung dieser Angaben die Vermeidung von Gründen für eine eigene Haftungsinanspruchnahme zu berücksichtigen.

Allerdings wird die umfangreiche Darstellung durch ein mehrseitiges „Kündigungsschreiben“ an die Wirecard-Aufsichtsratsmitglieder bekräftigt und bestätigt. Aber die Öffentlichkeit, insbesondere die Investoren der kurz darauf spektakulär fallierten Unternehmung, haben seinerzeit nichts davon erfahren. Für sie mussten „familiäre Gründe“ als Sedativum für die Amtsniederlegung genügen.

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    Die dem Aufsichtsrat als Organ und seinen Mitgliedern über ihre Amtszeit hinaus auferlegte Verschwiegenheitspflicht ist ein hohes Gut und eine unverzichtbare Arbeitsgrundlage zugleich. Aber sie kann zum Mühlstein am Hals einzelner professioneller Aufsichtsratsmitglieder werden, wenn die Mehrheit der – gegebenenfalls fachfremden – Überwacher nachhaltig auf Schmusekurs mit dem Vorstand ist oder diesem in anderer Weise verpflichtet ist.

    Die gesetzliche Regelung, dass für die Aufhebung der Verschwiegenheit der Vorstand „Herr des Verfahrens“ ist, erscheint dringend diskussionsbedürftig. Noch nicht thematisiert ist die Möglichkeit, wenn nicht Notwendigkeit, auch dem Aufsichtsrat eine „Whistleblowing“-Instanz oder -Person zur Seite zu stellen. Rechtlich steht einzelnen Aufsichtsratsmitgliedern nur der Weg einer strafrechtlichen Verfolgung durch Anzeige offen; der aber passt nur selten.

    Die Protokollierung des professionellen Handelns einer renommierten Aufsichtsrätin in einem von ihr als problematisch erkannten unternehmerischen und personellen Umfeld ist ein wirtschaftshistorisches Dokument wortgewaltiger Sprachlosigkeit.

    Für die Investoren, die Milliarden verloren haben, sowie die internationale Finanzwelt, die einen massiven Reputationsschaden verkraften muss, kommt dies zu spät: Erst der Insolvenzverwalter hat das Verschwiegenheitsgebot aufgehoben.

    Der Autor ist geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift „Der Aufsichtsrat“. Lesen Sie mehr in der Dezemberausgabe.

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