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Gastkolumne Kostgänger Aufsichtsrat

Der historische Gesetzgeber hat keine hinreichende Regelung geschaffen, weil seine Auffassung der Aufsichtsratstätigkeit im Ehren- und Nebenamt verharrte.
14.02.2021 - 15:54 Uhr Kommentieren
In der fachlichen Auseinandersetzung über das Aufsichtsratsbudget liegen die diskussionswürdigen Punkte klar auf dem Tisch, meint Manuel R. Theisen. Quelle: dpa
Geld

In der fachlichen Auseinandersetzung über das Aufsichtsratsbudget liegen die diskussionswürdigen Punkte klar auf dem Tisch, meint Manuel R. Theisen.

(Foto: dpa)

Es ist nicht überliefert, wer das Taschengeld für Kinder „erfunden“ hat. Das damit verbundene pädagogische Motiv ist, dass Kinder früh lernen sollen, finanzielle Eigenverantwortung zu übernehmen. Meine Leser ahnen, zu welchem Thema ich überleiten möchte.

Vor zehn Jahren habe ich gefordert: „Ein Budget für den Aufsichtsrat!“ Es ist in Praxis wie Theorie unstreitig und erkannt, dass die gesetzliche Regelung, der zufolge der Aufsichtsrat im Kern finanziell kontrollierter „Kostgänger“ des von ihm zu überwachenden Vorstands ist, angesichts der steigenden Anforderungen weder effizient noch zielführend ist.

Das von mir vorgeschlagene Umdenken, um dieses offensichtlich kontraproduktive Abhängigkeitsverhältnis einer zeitgemäßen Lösung zuzuführen, wurde sehr unterschiedlich bewertet. Erkennbar ist, dass die Unternehmenspraxis ihren eigenen Weg be- schreitet: Zunehmend werden Budget- und Kostenstellen für den Aufsichtsrat eingerichtet, einige wenige haben ihr vorhandenes System reformiert und modernisiert. Moderne Finanzierungskonzepte können überzeugen.

In der fachlichen Auseinandersetzung über das Aufsichtsratsbudget liegen die diskussionswürdigen Punkte klar auf dem Tisch: Der historische Gesetzgeber hat keine hinreichende Regelung geschaffen, weil seine Auffassung der Aufsichtsratstätigkeit im Ehren- und Nebenamt verharrte. Eine eigenständige Hotelzimmerbuchung war insoweit schon exotisch.

Zudem sorgte die Aufsichtsratsreform 1937 dafür, dass der AG-Vorstand eine starke „Herr im Haus“-Alleinstellung bekam. Dass die aktuelle Funktion und extrem erweiterte Aufgabenstellung des Aufsichtsrats heutzutage aber auch eine deutlich stärkere finanzielle Unabhängigkeit von dem von ihm zu kontrollierenden Vorstand erfordert, ist unbestritten.

Die aktuelle rechtswissenschaftliche Diskussion läuft insbesondere darüber, wer für die Gewährung einer solchen finanziellen Unabhängigkeit zuständig sein sollte beziehungsweise könnte: Neben einer Lösung nach geltendem Recht wäre gegebenenfalls auch eine geeignete Gesetzesergänzung oder -reform zu überprüfen; eine solche Theoriedebatte aber kann dauern. Zudem finden sich auch Stimmen, die diesbezüglich überhaupt keinen Änderungsbedarf zu erkennen vermögen.

Die Aufsichtsräte verdienen ein eigenes Budget. Dass es ihnen uneingeschränkt, eigenverantwortet und bald gewährt wird, wäre geboten, weil nur dies funktionell und systematisch überzeugend ist. Und es wäre ein Wunsch in meinem letzten von mehr als 60 Gastkommentaren an dieser Stelle. Bleiben Sie mir gewogen.

Mehr: Die Vorstandsvorsitzenden wirken omnipräsent – Macht Presse Macht?

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