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Gastkolumne Originalität in Personalfragen ist für Aufsichtsräte gefährlich

Aufsichtsräte sollten bei der Auswahl fürs Führungspersonal mit größter Sorgfalt vorgehen. Noch zu häufig geht es Gesellschaften um den Effekt nach Außen.
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Bei der Besetzung von Führungspersonal sollten Aufsichtsräte sorgfältiger sein. Quelle: dpa
Aufsichtsratsmitglieder von Volkswagen

Bei der Besetzung von Führungspersonal sollten Aufsichtsräte sorgfältiger sein.

(Foto: dpa)

Manche Gesellschaften werden die Öffentlichkeit schwer los. Die Medien hängen an ihnen, auch wenn ein berichtenswertes Ereignis abgeklungen ist und die (meist vermeintlichen) Sensationen abgearbeitet worden sind. Andere dagegen suchen die Medien und Publicity, im Einzelfall sogar als Teil einer gezielten Marketingstrategie.

Und dann gibt es große Gesellschaften, nur wenige, die können tun (oder auch unterlassen), was sie wollen, sie fallen immer auf und meistens aus dem Rahmen.

Hier Raum für Spekulationen zu lassen wäre unverdient. Zumal jeder weiß, was kommt, ja kommen muss: Aus dem hochmögenden Aufsichtsrat eines Dax-Unternehmens aus der Finanzbranche wurde jüngst vermeldet, dass ein neues Aufsichtsratsmitglied und ein zukünftiger Vorstand berufen wurden, denen beiden der „EZB-Führerschein“ noch fehle: die amtliche Bestätigung der erforderlichen Sachkunde und Zuverlässigkeit.

Der zum Aufsichtsratsmitglied Ernannte, ein Schweizer Banker, ließ bereits verlauten, dass er die offensichtliche Interessenkollision keinesfalls einschränken oder gar beseitigen möchte: Da bleibt kaum Raum für klärende Maßnahmen, denn die Europäische Zentralbank (EZB) ist nicht für ihre Händlernatur bekannt: Der Mann muss gehen, sein Platz wird frei.

Und der zweite neue Mann, ein promovierter Wasserball-Olympionike aus längst vergangener Zeit, soll demnächst mit Vorstandsrang unter anderem die erforderlichen Freisetzungsmaßnahmen umsetzen, sozusagen Freischwimmer generieren. Seine öffentlich tradierte Qualifikation (und letzte berufliche Tätigkeit) war die Leitung eines Vereins mit 40 Mitarbeitern.

Ihn mit allen Insignien der Macht eines Unternehmens mit (noch) mehr als 90.000 Mitarbeitern auszurüsten erscheint wahrlich als olympische Leistung ohne Vorbild: Ex aqua ad astra! Kaiser Caligula soll am Ende seiner langen Herrschaft die Römer überrascht haben, als er sein Lieblingspferd zum Konsul ernannte.

Dazu reichten seinerzeit eine Rede auf dem Rostrum des Forum Romanum sowie die üblichen „Panem et circenses“-Begleitmaßnahmen. Um sich heute in den Medien unumstößlich an der Spitze der einschlägigen Chaos-Berichterstattung halten zu können, müssen offenbar in Folge deutlich originellere Herausforderungen angenommen werden.

Die EZB sollte dieser Perspektive im Zulassungsverfahren des vormaligen Sportlers als Vorstand einer deutschen Bank angemessen und zügig Gewicht verleihen. Der aktuelle Wasserstand steht nämlich schon gefährlich nahe an der Halskrause der Unternehmensspitze.

Mehr: Gefühlt haben in den letzten Monaten deutlich mehr Frauen ihren Posten verloren als Männer. Dahinter steckt ein Trend bei der Besetzungspolitik.

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