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Gastkolumne Überforderte Manager verdrängen in der Krise das Organhandeln

Die Chefs von Lufthansa, Adidas oder VW sind in der Krise mit umstrittenen Vorstößen aufgefallen. Es ist zweifelhaft, ob sie das mit ihren Gremien abgestimmt haben.
13.06.2020 - 14:45 Uhr Kommentieren
Der Vorstandschef der Lufthansa AG darf die kapitalmarktrechtlichen Erstaufführungsrechte für seine Solonummer „Kapital ja, Beteiligung nein“ in Anspruch nehmen. Quelle: dpa
Carsten Spohr

Der Vorstandschef der Lufthansa AG darf die kapitalmarktrechtlichen Erstaufführungsrechte für seine Solonummer „Kapital ja, Beteiligung nein“ in Anspruch nehmen.

(Foto: dpa)

Im Prinzip ist die deutsche Corporate Governance einfach gestrickt: Der Vorstand handelt unabhängig und selbstverantwortlich als Organ durch Mehrheitsbeschluss unter Berücksichtigung der Gesetze. Der Aufsichtsrat hat als Organ die Geschäftsführung zu kontrollieren und seine Überwachungspflichten in eigener Verantwortung auszuüben.

Das berichtete Verhalten in kritischen Situationen wie der aktuellen Wirtschaftskrise lässt zweifeln, ob diese Regeln im Bewusstsein der Beteiligten so verwurzelt sind, wie man erwarten darf. Im Fall des Joe Kaeser glaubte kaum jemand, dass das Aufsichtsratsangebot an eine Klimaaktivistin ein mehrheitlich im Siemens-Gesamtvorstand gefasster Ritterschlag war; die von ihm nachlaufend medial zugesicherte Abstimmung mit seinem Aufsichtsratsvorsitzenden blieb wenig überzeugend.

Da aber nicht stimmen muss, was öffentlich gemacht wird, muss davon ausgegangen werden, dass die Gremien ihre Pflichten ordnungsgemäß und mindestens mehrheitlich zustimmend ausgeübt haben.

Ernsthaft aber muss nachgefragt werden, ob der Vorstandsvorsitzende von Adidas, Kasper Rorsted, seinen Mietzahlungsverweigerungsbeschluss wirklich mit seinem sechsköpfigen Vorstand und (zumindest) mit seinem Aufsichtsratsvorsitzenden besprochen hat. Wenn – was auf der Basis des Gesetzes zu hoffen ist – dies so geschah: Hatte keiner der sieben Verantwortlichen Bedenken gegenüber dieser jetzt schon lehrbuchmäßigen „Schnapsidee“ vorgetragen?

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    Nahezu dieselbe Frage stellt sich beim Husarenritt von Carsten Spohr, Vorstandschef der Lufthansa AG, der die kapitalmarktrechtlichen Erstaufführungsrechte für seine Solonummer „Kapital ja, Beteiligung nein“ in Anspruch nehmen darf. Oder wurde auch dieser Beschluss mehrheitlich im sechsköpfigen Vorstandsgremium als Königsweg abgesegnet? Und der LH-Aufsichtsrat, 20 Mitglieder stark, der in dieser Existenzkrise mit in der Verantwortung steht: War er begeistert von dieser Nummer?

    Abschließend soll noch dem VW-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess Beachtung geschenkt werden: Hat der vormals so starke Mann von Wolfsburg wirklich sein achtköpfiges Vorstandsteam für die Chuzpe, Staatshilfen für alle Neuwagen zu fordern, aber null Dividendenausfall und Vorstandsgehaltskürzung, hinter sich gebracht? Oder werden Vorstandsvorsitzende in Krisensituationen zu Solotänzern?

    Primadonnen sind sie ja oft schon kraft Amtes. Aber nichts von alledem rechtfertigt einen solchen massiven Verstoß gegen das Corporate-Governance-System. Sollten sich die Eliten wirklich so krass dem System versagen, haben die Aufsichtsräte ihnen zeitnah den Job zu versagen.

    Mehr: Drama um Diess: Der VW-Chef verliert den Rückhalt

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