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Gastkommentar Anders als Trump behauptet, ist die EU ein fairer Handelspartner der USA

Der US-Präsident liegt falsch: Die Statistik belegt, dass sich die EU im Handel fair verhält – entgegen Trump s Behauptungen. Eine entscheidende Zahl verschweigt er lieber.
  • Gerald Ullrich
20.01.2020 - 11:19 Uhr 1 Kommentar
Die EU ist laut Statistik ein fairer Handelspartner der USA Quelle: dpa
Auto-Export

Die durchschnittlichen Zölle, die EU und USA auf Produkte des jeweils anderen erheben, unterscheiden sich kaum.

(Foto: dpa)

Dass die EU fair ist, lässt sich an zwei relevanten Indikatoren festmachen: Erstens, die durchschnittlichen Zölle, die EU und USA auf Produkte des jeweils anderen erheben, unterscheiden sich kaum.

Zweitens, die USA haben einen Leistungsbilanzüberschuss gegenüber der EU, kein Defizit.

Zu Punkt 1: US-Präsident Donald Trump bezeichnete mehrfach die Zölle der EU auf US-amerikanische Autos in Höhe von zehn Prozent des Wertes als unfair. Er verwies darauf, dass umgekehrt die Zölle der USA auf europäische Autos nur 2,5 Prozent betragen.

Wenn Trump von „europäischen Zöllen auf amerikanische Autos“ spricht, dann meint er eigentlich die Zölle, die die EU auf Autos aus allen Mitgliedern der Welthandelsorganisation WTO erhebt, die kein gesondertes Freihandelsabkommen mit der EU haben. Das nennt man Meistbegünstitungszoll. Amerikanische Fahrzeuge werden also genau gleich behandelt wie australische oder neuseeländische.

Der Meistbegünstigungszoll der USA auf Trucks und Pick-ups, beispielsweise aus Europa, beträgt 25 Prozent, der der EU 14 Prozent. Leider hat Angela Merkel keinen Twitter-Account, mit dem sie sofort mit diesem Faktum auf Tweets von Trump über den Autozoll der EU antwortet.

Ein Zollgesetzbuch besteht aber nicht nur aus Auto-, Lastwagen- und Pick-Up-Zöllen. Es gibt tausende von Güter, die Unternehmen und Verbraucher kaufen.

Dementsprechend gibt es tausende von unterschiedlich hohen Zollsätzen. Manche Zollsätze wie die auf Produktionsmaschinen sind relevanter als andere, beispielsweise auf Perücken, weil der Gesamtwert aller in einem Jahr zwischen zwei Ländern gehandelten Produktionsanlagen höher liegt als der der gehandelten Toupets.

Indikatoren für ein Hochzollland

Die Welthandelsorganisation WTO hat deshalb einen Indikator entwickelt, um aussagekräftig zu messen, ob ein Land de facto ein Hochzollland ist: Der nach dem Handelsvolumen gewichtete Durchschnitt aller Meistbegünstigungszollsätze auf alle Industriegüter.

Dieser Indikator wird jährlich im World Tariff Profiles Report der Welthandelsorganisation WTO veröffentlicht. Die aktuellste Ausgabe von 2018 zeigt: Der nach dem Handelsvolumen gewichtete Durchschnitt aller Meistbegünstigungszollsätze auf alle Industriegüter, den die USA erheben, ist 2,3 Prozent. Der, den die EU erhebt, ist 2,8 Prozent.

Trump twittert absichtlich nicht über diesen Indikator, obwohl er der aussagekräftigste ist. Da der Unterschied nur 0,5 Prozentpunkten zwischen EU und USA beträgt, könnte Trump zu Hause mit diesen Fakten niemanden zu einem Handelskrieg aufstacheln.

Zu Punkt 2: Trump lamentierte wiederholt das „Defizit“ der USA gegenüber der EU. Alle Zahlen, die nun folgen, stammen vom Bureau of Economic Analysis, das zum US-Handelsministerium gehört. Was Trump meint ist, dass der Wert aller physischen Güter wie VW Golf, Parfüm und Dünger, die die USA aus der EU importiert haben im ersten Halbjahr 2019 um 84 Milliarden Dollar niedriger lag, als der Wert der physischen Güter, zum Beispiel Ford Mustang, Whiskey, Sojabohnen, die die USA gleichzeitig in die EU exportiert haben.

In den USA machten 2017 Dienstleistungen 80 Prozent der heimischen Wirtschaftsleistung aus, die Industrie – also die Produktion von physischen Gütern – nur 15 Prozent. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Exportschlager der USA Dienstleistungen sind, wie von Google, Amazon, Facebook, einschließlich WhatsApp und Instagram, oder Goldman Sachs. Im Dienstleistungshandel mit der EU wiesen die USA im ersten Halbjahr 2019 einen Überschuss in Höhe von 25 Milliarden Dollar auf.

Leistungsbilanz ist ein viel aussagekräftiger Indikator

Doch das ist noch nicht alles: Amerikanische Dienstleistungsunternehmen betreiben ihr Geschäft in Europa oft über Töchter in Irland oder den Niederlanden. Facebooks Gewinne in Europa tauchen deshalb nicht als Dienstleistungsexport der USA in die EU in der Statistik auf.

Die Gewinne fließen von Facebook Irland an Facebook USA – und zwar als sogenanntes Primäreinkommen. Der Überschuss der USA gegenüber der EU bei Primäreinkommen im ersten Halbjahr 2019 betrug 59 Milliarden Dollar. Dazu kommen noch die Sekundäreinkommen. Darunter fallen Überweisungen von in der EU lebenden US-Bürgern in die USA. Hier betrug der Überschuss der USA gegenüber der EU eine Milliarde Dollar in diesem Zeitraum.

Rechnet man Güterhandelsbilanz, Dienstleistungshandelsbilanz, Primäreinkommensbilanz und Sekundäreinkommensbilanz zusammen, dann erhält man die USA-EU-Leistungsbilanz. Die Leistungsbilanz ist ein viel aussagekräftiger Indikator als die Güterhandelsbilanz alleine.

Die USA erzielten im ersten Halbjahr 2019 gegenüber der EU einen Leistungsbilanzüberschuss von eine Milliarde Dollar. Im gesamten Jahr 2018 erwirtschafteten die USA sogar einen Leistungsbilanz-überschuss von vier Milliarden Dollar gegenüber der EU.

Trump kommuniziert absichtlich nicht über den aussagekräftigsten Indikator – nämlich die Leistungsbilanz. Mit der Tatsache, dass die USA gegenüber der EU einen Leistungsbilanzüberschuss von 1 Mrd. im ersten Halbjahr 2019 aufweisen, könnte Trump den amerikanischen Wähler nicht für einen Handelskrieg einnehmen.

Auf diese Fakten zur tatsächlichen Zollhöhe und zur Leistungsbilanz müssen sich die EU und ihre Mitgliedstaaten in ihren Verhandlungen mit der US-Regierung, vor allem aber in ihrer Kommunikation mit dem amerikanischen Volk fokussieren. Dazu gehört auch, dass Emanuel Macron, Ursula von der Leyen und Angela Merkel sofort zurück twittern, wenn Trump durch selektive Darstellung der PKW-Zölle oder der Güterhandelsbilanz gegen die EU hetzt.

Der Autor, Gerald Ullrich, ist Obmann der FDP im Europaausschuss des Deutschen Bundestages und dort Berichterstatter der FDP für Handelspolitik. Er ist außerdem Mitglied des Wirtschaftsausschusses.

Mehr: EU-Kommissar Phil Hogan will Donald Trump besänftigen: In Washington wirbt der Handelskommissar für einen Neustart der Beziehungen zwischen Europa und den USA. Einen Erfolg kann er schon verbuchen.

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1 Kommentar zu "Gastkommentar: Anders als Trump behauptet, ist die EU ein fairer Handelspartner der USA"

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  • Interessant. Wollte ich gerade übersetzen und weiterleiten, aber müsste es nicht heissen "... um 84 Milliarden Dollar größer war, als der Wert..."
    Zitat:
    Zu Punkt 2: Trump lamentierte wiederholt das „Defizit“ der USA gegenüber der EU. Alle Zahlen, die nun folgen, stammen vom Bureau of Economic Analysis, das zum US-Handelsministerium gehört. Was Trump meint ist, dass der Wert aller physischen Güter wie VW Golf, Parfüm und Dünger, die die USA aus der EU importiert haben im ersten Halbjahr 2019 um 84 Milliarden Dollar _niedriger_ lag, als der Wert der physischen Güter, zum Beispiel Ford Mustang, Whiskey, Sojabohnen, die die USA gleichzeitig in die EU exportiert haben.

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