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Gastkommentar Aufsichtsräte sollten nicht nur auf messbare Kriterien vertrauen

Immer mehr Vorgaben, Richtlinien und Empfehlungen gehen in Richtung des Messbaren. Jedoch sollten Aufsichtsräte auch auf andere Kriterien achten.
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Aufsichtsräte dürfen sich bei ihrer Arbeit nicht nur auf Messbares verlassen. Quelle: dpa
Aufsichtsrat von VW

Aufsichtsräte dürfen sich bei ihrer Arbeit nicht nur auf Messbares verlassen.

(Foto: dpa)

„Wer wiegt, wägt.“ – Eine wohl in Vergessenheit geratene Lebensweisheit. Nicht zuletzt die Digitalisierung mit ihrer auf 1/0 basierenden binären Konstruktionslogik hat der Menschheit die Welt der Zahlen erschlossen.

Aber geht es nicht zu weit, wenn nur mehr gewogen und gemessen, aber nicht mehr abgewogen wird? Und sind es nicht gerade die Aufsichtsräte in ihrer immer bedeutsameren Funktion, die weniger wiegen als wägen sollten?

Der Trend erscheint klar: Immer mehr Vorgaben, Richtlinien und Empfehlungen gehen in Richtung Messbares, Abzählfähiges und numerisch Vergleichbares. Dabei ist seit Adam Riese klar, dass eineindeutig eben auch nur Zahlen verglichen werden können.

200 Kilo Mist sind mehr (genauer: doppelt so viel) als 100 Kilo. Damit kann eine Reihung und jede Form von Quantifizierung vorgenommen werden. Box-Ticking und entsprechende Checklisten-Abgleiche kann so jeder Computer übernehmen.

Aber auf dieser rein numerischen Basis ist keinerlei qualitative Aussage möglich – sieht man von der (unqualifizierten) Feststellung unserer Kindertage ab, „mehr ist immer besser“. Das Vertrauen auf Zahlen wächst scheinbar exponentiell.

Das simple Beispiel von der (zulässigen oder zugelassenen) Zahl von Aufsichtsratsmandaten, die eine Person auf sich vereinigen kann beziehungsweise darf, gehört dabei zu den Klassikern der gesellschaftsrechtlichen Diskussion.

Zuletzt wurde sie einmal mehr durch restriktive Empfehlungen im Entwurf zur Reform des deutschen Corporate Governance Kodex befeuert. Die diesbezügliche, fetischhafte Züge tragende Debatte wird mit ungebrochenem Engagement geführt.

Und dies, obwohl zweifelsohne alle Beteiligten wissen (müssen), dass zahlreiche Mandatsträger bereits mit einem einzigen Mandat ausgelastet, wenn nicht sogar persönlich überfordert zu sein scheinen.

Eine weitere von unzähligen Absurditäten ist in demselben aktuellen Zusammenhang die scheinbar unsterbliche Diskussion über die (zulässige) Höhe von Vorstandsvergütungen. Die Frage, inwieweit das 35-Fache des durchschnittlichen Arbeitnehmerverdienstes einem Vorstand noch zustehen darf, das 70-Fache aber keinesfalls, kann man eigentlich nur mit der Erklärung kritisieren, dass Letzteres viel, ja vielleicht zu viel sei.

Und das vor allem, weil es das Doppelte des Ersteren ist? Natürlich ist die Wirtschaft in der Welt der Zahlen zu Hause, es wird in Zahlen bilanziert und gedacht. Aber nur mit „Zählen, Messen, Wiegen“ ohne abzuwägen, könnte die Arbeit eines so agierenden Aufsichtsrats da nicht eines Tages doch für zu leicht befunden werden?

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