Gastkommentar Banken müssen sich neu erfinden

Risiken senken, strengere Auflagen erfüllen: Die Herausforderungen für die Geldhäuser sind gewaltig - auch, weil sie mit weniger Ertrag auskommen müssen. Ihre Reaktion auf die vertrackte Lage ist umso erstaunlicher.
  • Hugo Bänziger
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Hugo Bänziger war Risikovorstand der Deutschen Bank. Quelle: Deutsche Bank Pressefoto

Hugo Bänziger war Risikovorstand der Deutschen Bank.

(Foto: Deutsche Bank Pressefoto)

Auch wenn die Finanzmarktkrise kaum mehr Schlagzeilen macht, spüren wir ihre Auswirkungen allerorts. Sie begann 2006 mit dem Preiseinbruch bei amerikanischen Wohnimmobilien und erreichte zwei Jahre später mit dem Kollaps des Bankhauses Lehman globale Dimensionen. Verluste in der astronomischen Höhe von 2300 Milliarden Dollar waren die Folge. Nur dreistellige Milliardenpakete der Regierungen verhinderten den Zusammenbruch des Finanzsystems. Noch größere Summen mussten die Staaten ausgeben, um den Kollaps der Weltwirtschaft zu verhindern. Diese Pakete stabilisierten zwar Banken und Wirtschaft, säten aber Zweifel, ob die daraus resultierende hohe Staatsverschuldung tragbar sei. Die Basis für die Schuldenkrise 2010 war gelegt.

Seit Lehman haben die Banken beim Flicken ihrer Bilanzen und Kapitaldecken zwar große Fortschritte erzielt. Der Schock bei Bürgern und Investoren sitzt aber tief. Es wird radikale Änderungen der Geschäftsmodelle brauchen, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Die Initiative liegt heute weitgehend bei Politik und Aufsicht. Banken werden in Zukunft wesentlich mehr Kapital und liquide Mittel benötigen, der Bilanzhebel wird eingeschränkt, Derivate müssen über zentrale Clearingstellen abgewickelt, jede Kapitalmarkttransaktion zum „besten“ im Markt erzielbaren Preis abgeschlossen werden, und Eigenhandel wird untersagt.

Aber es bleibt noch viel zu tun. Die Schockwellen systemischer Risiken verbreiten sich über Zahlungs- und Abwicklungssysteme. Eine zusammenbrechende Bank kann immer noch das Zahlungsverkehrssystem einer ganzen Nation mit sich reißen. Dabei könnte das Problem durch den Transfer von Zahlungsverkehrsfunktionen in konkursgeschützte Tochtergesellschaften gelöst werden. Auch sind wir noch weit von einer Einlagenversicherung entfernt, die es den Kunden gestatten würde, auf geschützte Einlagen zuzugreifen, selbst wenn ihre Bank im Konkurs steht.

Die Offenlegungspflichten der Banken gilt es ebenfalls zu überarbeiten. Trotz Jahresberichten von bis zu 400 Seiten wurden sogar beste Finanzanalysten vom Zusammenbruch vieler Institute überrascht. Es ist kein Zufall, dass Banken mit einem „AA“-Kreditrating dieselbe Marge bezahlen wie ein schwacher „BBB“-Kreditnehmer. Schließlich ist auch die Insolvenzgesetzgebung zu ergänzen. Für Finanzinstitute braucht es einen Passus, der es dem Insolvenzrichter erlaubt, schnell die Passivseite einer Bank umzugestalten und zu sanieren. Mit Besserungsschein und übers Wochenende - falls notwendig.

Die meisten Bankaktien werden weit unter dem Buchwert gehandelt
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15 Kommentare zu "Gastkommentar: Banken müssen sich neu erfinden"

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  • Das beste Geschäftsmodell haben die Banken. Man bekommt
    von der Notenbank Geld zu einem Prozent, verleiht es zu 4%
    an einen Bauherr, zu 7% an einen Kreditnehmer und bekommt
    noch von vielen Kunden Dispozinsen zu 13%(Wucher).
    Oder man kauft dafür Staatsanleihen. Nun wird mit Kundengeldern so richtig gezockt, bis die Bank in Schieflage
    gerät. Ist sie Systemrelevant dann kann nichts schief gehen,
    weil der Staat dahintersteht. Jedes gewerblich produzierendes
    Unternehmen würde froh sein wenn es ein solches solides
    Geschäftsmodell hätte. Dem ist leider nicht so. Harte Arbeit, hohes Risiko, hohe Steuerlasten, hohe Sozialabgaben und
    noch sehr viele andere Verpflichtungen. Will man ein Kredit, so
    muss man die U. . . .ho.e herunter lassen. Die Banken spekulieren
    munter im Eigenhandel mit dem mehrfachen des hinterlegten
    Eigenkapitals. Bravo Politiker! Am Ende gibts für die Bankmanager noch kräftig Bonis. Als Selbständiger müssen sie unter Umständen
    den Offenbarungseid leisten, sofern das Unternehmen schief
    geht. Wie sagt der Schwabe:" Fingerslang gehandelt ist besser
    als armslang gschafft."
    MfG
    Walter Schmid




  • Es geht nicht nur darum, sich als Bank neu zu erfinden. Schaut man sich die Sache um den Libor an, muss man leider konstatieren, in dem derzeitigen System der Banken steckt eine Menge krimineller Energie. Mit anderen Worten, Banken muessen sich nicht neu erfinden, sie muessen gesaeubert werden. Es sind nicht einzelne Mitarbeiter, es ist das System, das kriminell geworden ist. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her. Erst wenn die Chefs wegen krimineller Handlungen verurteilt werden, koennen die Banken sich positiv aendern, zur Realwirtschaft zurueckkehren.

  • Wir leben in einer Zeit massiver Dekadenz, in der nur noch die Gier den Takt angibt. Und die Politik, in ihrer Sorge und dem Bestreben auch die nur Geringste, längst überfällige Wertberichtigung (“die deutschen Spareinlagen sind sicher.....”, bla, bla) nicht zuzulassen, wird dieses morsche System weiter mit Geld (zu Lasten der Bevölkerung, die es in Form immer höherer Steuern finanzieren sollen ) versorgen. Es wird also immer weiter und immer mehr Geld gedruckt werden. Worauf dies hinaus läuft kennen wir aus der Geschichte.

  • @Bietchekoopen
    Wirtschaftsweisen haben sie nicht mehr alle. Anstatt etwas abzuwickeln und restrukturieren, versucht man zusätzliche Komplexität und kurzfristige "Lösungen" zu implementieren. Es geht dabei nur um das Ziel das kranke System für ein paar Jahre aufrechtzuerhalten und Finanzparasiten Verluste auf Kosten der Steuerzahler zu minimieren. Die Vorschläge der Wirtschaftsweisen kann man mit einer Operation an Augen durch den Hintern vergleichen. Aufwachen und das kranke System rückabwickeln.

  • Ich habe gerade den Bericht der Wirtschaftsweisen gelesen. Klingt schlüssig und sollte man so durchziehen.

    Aber auch wenn wir die Staatsschulden, die im wesentlichen durch die Bankenrettungen entstanden sind, in den Schuldentilgungsfond übertragen..die der Steuerseppel dann über 25 Jahre hinweg abbezahlt..bleibt noch eine große Frage offen:

    Wann kommt die nächste Bankenrettungswelle?

    Weltweit haben die Banken Derivate von rund 700 Billionen US-Dollar in den Büchern(aktuelle Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, BIZ).
    Das BIP der gesamten Welt beträgt 62 Billionen Dollar

    Die Deutsche Bank hält Derivate von rund 2,9 Billionen US-Dollar. Ein fettes Risiko!

    Als Risiko-Vorstand würde ich nun aber nicht auf die Politik warten oder mich neu erfinden wollen. Ich würde selber schnellstens nach Lösung suchen, das Derivate-Risiko für mein Haus abzubauen.

    Oder spekulieren Sie schon auf die nächste Rettungs-Initiative der Staatengemeinschaft wenn das nächste Finanzprodukt platzt?
    In Ihren Augen sind diese Bankenrettungen wohl vergleichbar mit einer EU-Agrarsubvention, die es mitzunehmen gilt.

    Ich erspare mir Schimpfworte.

  • Ihnen ist scheinbar auch aufgefallen, dass mit keinem Gedankengang des Autors die bankaufsichtliche Risikosteuerung nach BASEL erkennbar wurde. Ein sicheres Zeichen dafür, dass unsere Beamten mit der Praxs absolut nichts zu tun haben.

    Eine Entwicklung von 25 Jahren für die "Katz'". Deshalb dürfen wir uns über den jetzigen Zustand nicht verwundern. Man kann auch sagen, die Ernte wird jetzt eingefahren. Mehr als leeres Stroh ist es aber nicht.

  • Geschwätz eines Pseudoreuigen, der andere Glauben machen will, seinesgleichen könnten ihre ehemals solide, gesellschaftlich anerkannte Machtposition wiedererlangen. Die Menschheit wird wohl eher darüber nachdenken ob sie private Banken als Kreditblasenerzeuger, Zinseszinseintreiber und Kasinozocker überhaupt noch braucht. Eine Branche, die im Grunde parasitär von den Leistungen real arbeitender Menschen lebt und nicht nur jetzt, wie im soeben erlebten Krisenfall, der Zerstörung unserer Welt Vorschub leistet, bedarf einer tiefgreifenderen Lösung, als der Artikelschreiber gerne wahr haben möchte. Nachdem der unvermeidliche Big Bang vorbei ist, werden seinesgleichen hoffentlich zum Teufel gejagt werden...

  • richtig so.
    Als ob die den Apparat jemals wieder so produktiv bekommen, dass man die Verluste, die entstehen, indem man ihn so weiter laufen lässt wie bisher, wieder rein bekommt..

    Die sollen lieber mal einen Realwirtschafts-Rettungsfonds aufbauen und die Banken, die sich nich halten können, bankrott gehen lassen.

  • Privateinlagen sichern, Banken wie Deutsche Bank und spanische Bank u. U. pleite gehen lassen. Die Zentralbank soll vorübergehend die Wirtschaft direkt finanzieren. Richtige Bewertung der Bilanzpositionen jetzt. Die Banken vertrauen nicht einander, weil sie wissen in welchen Dreck Banken stecken. Nur durch richtige Bewertung und Abschaffung der Bilanzkosmetik kann Transparenz und Vertrauen zurückkehren. Lasst euch von der Lehman-Geschichte nicht beeindrucken. Auf solche Banken, die die Wirtschaft nicht finanzieren kann man verzichten!

  • Lieber Herr Bänziger, bringen Sie Ihren Laden in Ordnung. Ihre Bank hat Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 1,95 BILLIONEN EURO (mehr als Schulden von Italien) bei einer Eigenkapitalquote von 2,6%. Die pleite gegangen MF Global hatte eine Eigenkapitalquote von 3,3%. Nach meinen Informationen haben Sie noch nicht alle Verluste realisiert und Ihre Hedges sind nicht so sicher. So spekuliert man, dass Ihre Bank längst pleite wäre, hätte man nicht lasche Buchhaltungsvorschriften. Heutzutage kann man Bankaktiva mit 100% bewerten obwohl sie auch mal 30% Marktwert haben. Banken in der Schuldenkrise spielen eine zentrale Rolle. An Ihrer Stelle würde ich zuerst vor eigener Haustür kehren.

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