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Gastkommentar Chinas Nachbarn hoffen auf Trumps Härte

Chinas Nachbarstaaten kommt Trumps Konfrontationskurs gegenüber Peking gelegen. Sie wollen sich gegen das extreme Expansionsstreben Chinas wappnen.
  • Ian Bremmer
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Der Autor ist Vorsitzender der Eurasia Group.
Ian Bremmer

Der Autor ist Vorsitzender der Eurasia Group.

Ganz gleich, in welcher Phase der Handelskrieg zwischen den USA und China sich befindet, Asiens Geopolitik wird immer mehr zum Streitpunkt. Die Präsidenten Trump und Xi haben auf dem jüngsten G20-Gipfel zwar Schritte in Richtung Kompromissfindung gemacht, aber Inhalt Zeitpunkt kommender Maßnahmen sind unklar. Zudem besteht ein reales Risiko, dass Trump sich einfach zum Sieger erklären wird, ohne die Ursachen des Konflikts auf lange Sicht zu beseitigen.

Trumps „America First”-Außenpolitik hat schon mehr Raum für Chinas immer ambitionierteren Ausbau seines (handels-)politischen Einflusses geschaffen. Trump begibt sich gegenüber Peking auf offenen Konfrontationskurs und stößt damit bei vielen Nachbarn Chinas auf Wohlwollen. Japan, Südkorea, Malaysia und viele weitere Staaten machen sich Sorgen, dass Chinas wirtschaftlicher Einfluss die regionale Machtbalance zu ihren Ungunsten verändern und sie selbst vulnerabler machen könnte.

Sie haben gute Gründe, zu hoffen, dass Trump China zur Öffnung seiner Märkte für ausländische Produkte und zur Reduzierung seiner Subventionen für chinesische Unternehmen zwingen und dem Transfer – oder dem Diebstahl – geistigen Eigentums ausländischer Unternehmen Einhalt gebieten kann.

Doch diese Regierungen können Trump nicht als verlässlichen Verbündeten betrachten. Trumps Entscheidung, die von Obama eingegangene Beitrittsverpflichtung zur Transpazifischen Partnerschaft zu widerrufen, signalisieren allen, dass es eine gute Idee wäre, sich im Hinblick auf die politischen Absichten der USA nach allen Seien abzusichern.

Unter diesen Rahmenbedingungen wird China seine Expansionspläne noch stärker verfolgen. Obwohl Chinas Investitionsstrategie, in deren Zentrum das Projekt One Belt, One Road (BRI) steht, globale Auswirkungen hat, geht es Peking primär um die Vorherrschaft in Asien. BRI hat auch zum Ziel, die Volkswirtschaften der Region enger an China zu binden und Pekings strategischen Einfluss auf diese Staaten zu stärken.

China hat in den vergangenen Monaten riesige Investitionen in Singapur, Indonesien, Malaysia, Vietnam, Pakistan, Thailand, Laos und Myanmar getätigt. Der von Trump angezettelte Handelskrieg hat zudem Chinas Bestreben, neue Märkte für seine Exportgüter zu erschließen und neue Produzenten zu gewinnen, die die von China importierten Waren liefern können, verstärkt.

Pekings Führungsriege ist sich bewusst, dass diese Expansion negative Reaktionen in Asien hervorruft, da Politik und Wirtschaft in den Nachbarländern Chinas Pläne als Bedrohung sehen. Unlängst ordnete der Malaysische Premier Mohammed Mahathir die Annullierung dreier Investitionsprojekte Chinas in Malaysia und die Aussetzung eines vierten Projekts an, weil er fürchtet, dass sie zu einer hohen Verschuldung Malaysias führen werden.

Der Unmut gegen China wächst

Chinesische Investitionen werden auch bei den kommenden Wahlen in Thailand und Indonesien zum Thema, da islamische Populisten gegen China mobilmachen.

In Pakistan entlud sich der Ärger 2018 auf dramatische Weise. Killer verübten ein tödliches Attentat auf Chinas Konsulat in Karachi. Das Motiv waren offensichtlich Investitionen Chinas in einer von Separatisten beanspruchten Region Pakistans. China ist ein bedeutender Großinvestor in Pakistans Wirtschaft, vor allem angesichts der Tatsache, dass die Trump-Administration die traditionellen Verbindungen der USA zu Pakistans Regierung lockert.

Jedoch wachsen im bereits verschuldeten Pakistan die Bedenken über mögliche chinesische Forderungen, sollte Pakistan seine Schulden bei den chinesischen Investoren nicht zurückzahlen können. Hier haben wir es mit Chinas „Politik der Schuldenfalle“ zu tun.

Sogar auf den Philippinen, wo Präsident Rodrigo Duterte aktiv um chinesische Infrastrukturinvestitionen geworben hat, regt sich Widerstand gegen Chinas wachsende wirtschaftliche Reichweite. Duterte hat die territorialen Ansprüche seines Landes im Südchinesischen Meer aufgegeben, wo Chinas militärische Expansion internationales Aufsehen erregt hat, und kann bisher kaum eine handfeste Gegenleistung der Chinesen vorweisen.

Dennoch: trotz der Zweifel und Ängste seiner Nachbarländer, ist der andauernde Einfluss Chinas in Asien unumgängliche Realität. Alle diese Länder sind auf gute Beziehungen zu Peking angewiesen – um ihre Wirtschaft anzukurbeln, Arbeitsplätze zu schaffen und politische Stabilität zu bewahren. Welche Rolle die USA in Asien spielen möchten, bleibt die entscheidende Frage.

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