Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastkommentar CO2-Entnahmetechniken sind eine Chance für die deutsche Wirtschaft

Um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir CO2-Entnahmetechniken entwickeln. Bei diesem Prozess könnte Deutschland die entscheidende Rolle spielen.
2 Kommentare
Die Autorin ist Professorin an der Humboldt-Universität und Arbeitsgruppenleiterin am Berliner Mercator-Klimaforschungsinstitut.
Sabine Fuss

Die Autorin ist Professorin an der Humboldt-Universität und Arbeitsgruppenleiterin am Berliner Mercator-Klimaforschungsinstitut.

Deutschland soll im Jahr 2050 treibhausgasneutral sein: Das steht so im Entwurf zum Klimaschutzgesetz, den jetzt Umweltministerin Svenja Schulze, unter dem Eindruck des grünen Triumphs bei der Europawahl, in die Ressortabstimmung gegeben hat.

Auch Kanzlerin Angela Merkel macht sich das Ziel inzwischen zu eigen: „Die Diskussion soll nicht heißen ob, sondern wie“, sagte sie kürzlich auf der Konferenz Petersberger Klimadialog. Und definierte zugleich ein entscheidendes Zukunftsfeld für Innovation: „Man muss, wenn es noch CO2-Emissionen gibt, Mechanismen finden, wie man diese kompensieren kann.“

Das ist nicht nur eine wichtige klimapolitische Festlegung. Es ist zugleich ein Weckruf, was die Zukunft Deutschlands als Technologiestandort betrifft. Denn: Wir hinken im Vergleich zu anderen Nationen weit hinterher, was Entwicklung, Demonstration und Einführung von CO2-Entnahmetechniken angeht.

Dabei wird dies auf Jahrzehnte hinaus ein großer und wachstumsstarker Wirtschaftsbereich sein, in dem Deutschland als Technologiestandort mit hohem Innovationspotenzial eine Führungsrolle einnehmen kann und muss.

Nur ein Beispiel: Wieso werden derzeit die ersten Durchbrüche in der direkten CO2-Abscheidung aus der Luft nicht in der Maschinenbau-Hochburg Deutschland gefeiert, sondern in den USA und der Schweiz?

Gewaltige Filteranlagen, die das Treibhausgas unmittelbar aus der Atmosphäre holen, könnten in Zukunft eine zentrale Rolle beim Kampf gegen die Erderwärmung einnehmen. Ohne negative Emissionen im Gigatonnen-Bereich, das steht klipp und klar in dem Sonderbericht des Weltklimarats zu 1,5 Grad Celsius globaler Erwärmung, ist die Umsetzung des von fast allen Staaten der Erde unterzeichneten Pariser Abkommens nahezu unmöglich.

Angesichts der steigenden Emissionen wird je nach Szenario in etwa 10 bis 30 Jahren der Punkt erreicht sein, ab dem rein rechnerisch jede weitere Tonne, die emittiert wird, auch wieder weggeräumt werden muss. Die Welt ist zu langsam gewesen, die Emissionen zu reduzieren, was uns nun mit einer enormen Herausforderung konfrontiert: Wir müssen innerhalb kurzer Zeit nicht nur die Dekarbonisierung unserer Zivilisation hinbekommen, sondern wir sind zugleich auf CO2-Entnahmetechnologien angewiesen, die ohne einen gewaltigen ökonomischen Kraftakt nicht rechtzeitig im benötigten Umfang verfügbar sein werden.

Wir brauchen einen Kraftakt der Forschungsgemeinschaft

Ein wichtiger Beitrag kann von der Auf- und Wiederaufforstung kommen, die jedoch viel Landfläche erfordert. Es gibt auch „Hightech-Optionen“ wie den Anbau schnell wachsender Biomasse kombiniert mit dem Abscheiden und Speichern von CO2. Oder das Verteilen spezieller Mineralien auf Böden oder im Meer. Oder eben das Verfahren, CO2 durch chemische Prozesse direkt aus der Luft zu filtern.

Bei allen Varianten gibt es mögliche Einwände: Ein hoher Landverbrauch steht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, Filteranlagen verbrauchen enorm viel Energie, und das Speichern von CO2 in unterirdischen Lagerstätten, etwa leer gepumpten Erdgasfeldern, stößt auf öffentliche Besorgnis bezüglich der Sicherheit.

Deshalb dürfen wir nicht auf die allein seligmachende Lösung hoffen. Wir müssen auf intelligente Technologie-Portfolios setzen, bei denen mehrere CO2-Entnahmetechnologien in jeweils verantwortbaren Dimensionen eingesetzt werden. In vielen Ländern gibt es auch schon verstärkt Forschungsaktivitäten in diesem Bereich.

Der Großteil ist Frühphasenforschung. Und man sollte nicht erwarten, dass wissenschaftliche Durchbrüche bei den Entnahmetechnologien zum sofortigen, umfangreichen Einsatz führen. Das zeigt die Erfahrung mit der bislang wohl dynamischsten kohlenstoffarmen Innovation überhaupt: den Solar-Photovoltaikmodulen.

Es dauerte 60 Jahre, bis nach der ersten kommerziellen Nutzung dieser Technologie, im Vanguard-1-Satelliten des Jahres 1957, der aktuelle Stand erreicht wurde. Und erst in den 2030er-Jahren dürfte Solarstrom für mehr als 10 Prozent der weltweiten Energieversorgung sorgen.

Überträgt man das auf die Technologie der CO2-Direktabscheidesysteme, wo 2017 das erste kommerzielle System in Betrieb genommen wurde, heißt das: Wenn sie einem ähnlichen Zeitplan wie die Solarenergie folgt, ist sie erst im Jahr 2077 kostengünstig und findet erst bis 2100 breite Anwendung. Das wäre viel zu spät.

Deshalb brauchen wir einen ganz außerordentlichen Kraftakt der Forschungsgemeinschaft. Wir müssen Wege finden, den Innovationsprozess für die Kohlenstoff-Entnahmen enorm zu beschleunigen. Vielleicht markiert ja Merkels Festlegung auf „Klimaneutralität 2050“ den Beginn einer solchen Wende in Deutschland. Wie gesagt. Sie wäre wünschenswert nicht nur aus dem Blickwinkel des Klimaschutzes, sondern auch der Innovationskraft unseres Landes.

Es geht, wenn man will. Am 25. Mai 1961 schwor der damalige US-Präsident John F. Kennedy die Amerikaner auf einen intensiven, Unsummen verschlingenden technologischen Kraftakt für die erste Mondlandung ein. Acht Jahre, einen Monat und 27 Tage später waren sie oben.

Mehr: Der CO2-Preis ist eine umstrittene Maßnahme für den Klimaschutz. Doch inzwischen bröckeln die Widerstände dagegen. Warum Sozialverbände und Verdi fordern seine schnelle Einführung fordern.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Gastkommentar - CO2-Entnahmetechniken sind eine Chance für die deutsche Wirtschaft

2 Kommentare zu "Gastkommentar: CO2-Entnahmetechniken sind eine Chance für die deutsche Wirtschaft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ...deshalb dürfen wir nicht auf die allein seligmachende Lösung hoffen. Wir müssen auf intelligente Technologie-Portfolios setzen...
    Jetzt endlich Handeln, die Politik muss die Weichen stellen, damit die Wirtschaft rudern kann. Und die revolutionärste Energienutzung Grün und Emmissionsfrei heisst Neutrino-Energy. Die Berliner Neutrino Energy Group entwickelt innovative High-Tech-Werkstoffe auf Basis dotierter Kohlenstoffderivate, um dadurch Mechanismen in Gang zu setzen, die es ermöglichen, das nichtsichtbare kosmische und solare Strahlenspektrum in elektrischen Strom zu wandeln. NEUTRINOVOLTAIC. Gleichsam einer Solarzelle, die auch ohne Licht bei völliger Dunkelheit Energie bereitstellt und die nun die herkömmliche Photovoltaik in Kürze sinnvoll ergänzen wird.
    „Wir müssen die Herausforderungen der Zukunft meistern“, mahnt Holger Thorsten Schubart, CEO der Neutrino Energy Group. „Themen wie Energieversorgung und Klimaschutz, aktueller denn je, erfordern vorausschauendes Denken sowie innovative und nachhaltige Lösungen. Neue Technologien, um uns kurzfristig von der Verstromung fossiler Rohstoffe, wie zum Beispiel Kohle zu lösen und uns auch mittelfristig von den Abhängigkeiten erdölexportierender Länder zu befreien.“ Im Bereich der Energieforschung gelte es, das aktuelle Wissen für neue Denkansätze zu nutzen, so Schubart. Deutschland hat bereits seine Ingenieure und muss sie nur zum Einsatz kommen lassen.

  • Siehe: https://www.plant-for-the-planet.org/de/informieren/idee-ziel
    Zitat: "Dr. Tom Crowther von der Universität Yale hat erstmals erforscht, wie viele Bäume auf der Welt wachsen ("Mapping tree density at a global scale"). Es sind ca. 3000 Milliarden! Er ist es auch, der für die Kinder nachweist, dass für 1000 Milliarden weitere Bäume Platz auf der Welt ist, ohne dass die in Konkurrenz zu Landwirtschaft oder Siedlungen treten. Das Ziel der Kinder ist wissenschaftlich untermauert!"

Serviceangebote