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Gastkommentar Corona reißt uns aus dem Wohlstandsschlaf

Die Digitalisierung war lediglich der Anfang. In der Phase der Corona-Pandemie startet jetzt die größte Revolution der Menschheitsgeschichte.
17.05.2020 - 14:33 Uhr 2 Kommentare
Frank Thelen: Corona reißt uns aus dem Wohlstandsschlaf Quelle: Getty Images
Der Autor

Frank Thelen ist europäischer Seriengründer und Tech Investor.

(Foto: Getty Images)

Die Coronakrise hat tief greifende gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen mit sich gebracht. Doch die Krise birgt auch eine Chance: Deutschland wurde abrupt aus seinem Wohlstandsschlaf gerissen. Unsere Politik handelt plötzlich wieder agil und trifft täglich mutige Entscheidungen.

Viele Unternehmen haben aus der Not getrieben ihre Prozesse in kürzester Zeit digitalisiert. In unseren Schulen werden endlich digitale Lernkonzepte entwickelt. Video-Calls ersetzen Face-to-Face- Meetings und Online-Webinare Präsenzveranstaltungen. Gruppen-Chats werden zur neuen Kaffeeküche. Dies alles geschieht mit einer Geschwindigkeit, die vor ein paar Monaten noch niemand von uns für möglich gehalten hätte.

Die aktuelle Lage gibt uns einen Ausblick auf die Technologien, die in Zukunft unser Leben und unsere Wirtschaft prägen werden. Denn schon heute nehmen Künstliche Intelligenz, Roboter, 3D-Druck und synthetische Biologie zentrale Rollen im Kampf gegen das Virus ein.

Singapur nutzt Roboter von Boston Dynamics und fliegende Drohnen, um die Bevölkerung auf die nötigen Abstandsregelungen aufmerksam zu machen. In Italien wurden Tauchmasken mithilfe von 3D-Druckern zu dringend benötigten Beatmungsgeräten umgebaut.

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    Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt die Wissenschaft an mehreren Fronten bei der Suche nach Heilmitteln. Forscher der Universität Mainz simulierten mit speziell trainierten Algorithmen in über 30 Milliarden einzelnen Berechnungen, welche Wirkstoffe bereits verfügbarer Medikamente das Coronavirus binden können und fanden einige vielversprechende Muster.

    Googles KI „Deepmind” simuliert mögliche Strukturen der Proteine des Covid-19 Erregers und ermöglicht so Rückschlüsse auf dessen Funktionsweise.

    Wie unser Leben nachhaltiger, effizienter und sicherer wird

    Beide Aufgaben sind so komplex, dass ein menschliches Forscherteam sie mit herkömmlichen Methoden nicht mehr in der notwendigen Geschwindigkeit lösen kann. Das Beste: Mit synthetischer Biologie und der Genschere Crispr/cas verfügen wir bereits jetzt über Werkzeuge, mit denen wir die Bausteine der Viren auf der Molekülebene verändern können.

    Künstliche Intelligenz, Roboter, 5G, Internet der Dinge, Quantencomputer, 3D-Druck, Blockchain, synthetische Biologie: Das sind die neuen Werkzeuge im Baukasten der Zukunft. Jede dieser Technologien für sich allein hätte schon das Potenzial, ganze Branchen umzuwälzen und unsere Wirtschaft tief greifend zu verändern.

    Was sie allerdings so besonders macht, ist ihre Konvergenz. Diese Technologien wurden im Zeitalter der Digitalisierung „geboren“ und lassen sich sofort global skalieren. Sie sind miteinander kombinierbar und so in der Lage, sich gegenseitig zu verstärken. Quantencomputer ermöglichen neue KI-Modelle, und neue KI-Modelle ermöglichen bessere Simulationsmethoden in der synthetischen Biologie. Dieser Verstärkungszyklus wird in den nächsten Jahren zu exponentiellen Fortschritten auf allen Forschungsgebieten führen.

    Die Coronakrise hat weltweit die Pause-Taste gedrückt. Politiker, Unternehmen und Bürger müssen sich in der neuen Situation zurechtfinden. Das birgt Chancen. Frank Thelen

    Der Punkt, an dem wir heute stehen, ist historisch nicht mit den früheren industriellen Revolutionen vergleichbar. In der Vergangenheit haben uns Erfindungen dabei geholfen, Aufgaben schneller oder effizienter zu erledigen. In Zukunft werden neue Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Quantencomputer Dinge für uns entdecken, die unser menschlicher Verstand nicht mehr unbedingt begreifen kann.

    Neue Methoden wie 3D-Druck oder die synthetische Biologie ermöglichen es uns, Produktionsprozesse und die Herstellung von Wirkstoffen grundlegend neu zu denken. Diese Technologien werden unser Leben nachhaltiger, effizienter und sicherer machen. Sie werden unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft stärker beeinflussen, als die Digitalisierung es bislang getan hat.

    Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir die Hintergründe dieser Veränderungen bestmöglich verstehen und uns frühzeitig mit den Chancen, aber auch den möglichen Konsequenzen der kommenden exponentiellen Revolution auseinandersetzen. Die Digitalisierung war erst der Anfang. Jetzt startet die größte Revolution der Menschheitsgeschichte!

    Deutschland startet mit Rückstand in die exponentielle Revolution

    Den Goldrausch der großen Internetplattformen hat Europa versäumt. Schaut man sich an, welche Werte in den vergangenen 10 bis 15 Jahren geschaffen wurden, wird schnell deutlich, dass die großen Gewinner der digitalen Disruption aus den USA und aus China kommen – auch in Krisenzeiten. Apple, Microsoft, Google und Amazon gelang innerhalb kürzester Zeit eine V-Korrektur, sie konnten ihre Werte sogar noch steigern. Die sieben größten Technologieunternehmen der USA und Chinas sind mehr wert als unser kompletter Dax 30.

    Tesla ist mittlerweile wertvoller als BMW, Daimler und VW zusammen und hat damit eine der wichtigsten Säulen der deutschen Wirtschaft schon lange hinter sich gelassen. Während in Deutschland Autolobby und Politik um eine neue Abwrackprämie für Hybridmodelle feilschen, stellt Tesla-Chef Elon Musk den nächsten Bauantrag für das neue Tesla Werk in Brandenburg.

    Deutschland hat die Digitalisierung bislang vor sich hergeschoben und startet mit einem deutlichen Rückstand in das exponentielle Zeitalter. Den US-amerikanischen Tech-Giganten gehört der Großteil der aktuell auf der Welt existierenden Daten, während Europa zu einem reinen Daten-Exporteur geworden ist. Wo wir uns sonst mit dem Titel Exportweltmeister brüsten, bedeutet dies in der modernen Daten-Ökonomie leider nur, dass die Wertschöpfung woanders stattfindet.

    China hat es sich zum Ziel gemacht, Vorreiter im Bereich KI zu werden und investiert immense Ressourcen und Kapital in den Aufbau eines heimischen KI-Ökosystems.
    Wenn wir nicht komplett den Anschluss verlieren und in Zukunft nur noch vom Rand aus zusehen wollen, wenn die USA und China allein über globale Fragestellungen entscheiden, müssen wir jetzt handeln.

    Ein neues Mindset ist notwendig – eine 10xDNA

    Die Coronakrise hat weltweit die Pause-Taste gedrückt. Politiker, Unternehmen und Bürger müssen sich in der neuen Situation zurechtfinden. Länder wie Südkorea, Israel oder China waren mit ihren digitalen Infrastrukturen besser auf den Ausbruch einer Pandemie vorbereitet. Deutschland stolperte zuerst etwas verkrampft, bevor es sich auf die neue Lage einstellte.

    Nun haben wir ein positives Momentum aus Veränderungswillen und Offenheit für Technologie aufgebaut. Diesen Schwung müssen wir nutzen, wenn wir nicht weiter zurückfallen wollen! Nicht wieder zurück ins „Vorher“ streben, sondern die neuen Technologien nutzen, um die Dinge neu zu denken: Das ist Teil einer 10xDNA.

    Die ursprüngliche 10xDNA war die treibende Denkweise hinter dem Apollo-Programm. Kennedys Vision, einen Menschen auf den Mond und wieder zurückzubringen, vereinte Politik, Wissenschaft und Industrie auf ein gemeinsames Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, mussten bestehende Technologien „10x besser“ werden. Dies gelang nur, indem Lösungen vollkommen neu gedacht wurden.

    Das daraus entstandene Mindset wurde zur Keimzelle für Unternehmen wie Intel oder Cisco und zum Mantra des Silicon Valley.

    Wissenschaftlich auf Weltklasseniveau

    Die Coronakrise hat gezeigt, dass wir in Deutschland und Europa in der Wissenschaft noch auf Weltklasseniveau sind. Deutsche Forscher waren gemeinsam mit chinesischen Wissenschaftlern die Ersten, die einen Test auf ein neues, in Wuhan aufgetauchtes Virus entwickelten. Unternehmen wie Biontech sind aktuell Pioniere bei der Entwicklung eines Impfstoffs. Wir haben herausragende Universitäten und erstklassige Ingenieure. Und zurzeit auch noch das notwendige Kapital für Investitionen.

    Das Corona-Momentum hat deutlich gezeigt, dass auch Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene möglich sind. Und dies viel schneller, als wir es uns bisher immer eingeredet haben.

    Neben der Coronakrise gibt es eine Menge großer Herausforderungen – die Folgen des Klimawandels, die Energiewende oder die drohende Nahrungsmittelknappheit. Sie alle können mit den neuen Technologien und dem richtigen Mindset gelöst werden.

    Deutschland und Europa haben alle Bausteine, um wieder zu einem Innovationstreiber zu werden. Das Einzige, was uns fehlt, ist der Mut groß zu denken und große Visionen umzusetzen. Deutschland braucht eine 10xDNA!

    Frank Thelen ist europäischer Seriengründer und Tech Investor. Zusammen mit dem renommierten Innovationsexperten Markus Schorn hat er das Buch „10xDNA – Das Mindset der Zukunft“ geschrieben.

    Mehr: Was Nico Rosberg und Frank Thelen aus ihren größten Niederlagen gelernt haben.

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    2 Kommentare zu "Gastkommentar: Corona reißt uns aus dem Wohlstandsschlaf"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wer seinen Sitz ins Ausland verlagert hat um Steuervorteile abzugreifen sollte dort auch nach steuerlicher Subventionierung anfragen!
      Herr Vosskuhle vom Bundesverfassungsgericht hat den Scbuldenkönigen aus Berlin ,Olaf Scholz , Brüssel, Stassburg, Rom, Madrid und Athen klar aufgezeigt das die wundersame endlose Geldvermehrung nicht der Verfassung entspricht, das sollten Gewerkschaftsvertrter und Funktionäre schnellstens verinnerlichen denn die Milliardenausgaben müssen Grenzen haben ansonsten wird der Euro bald ein Ende haben.
      Wer immer weiter gegen die Gesetze der Martwirtschaft verstösst und das seit Jahrzehnten, darf sich nicht wundern wenn es immer schlechter wird, so sehen es auch führende Ökonomen.
      Auch dieser Beamtenstaat darf nicht wie in jeder Krise ungeschoren davonkommen, stellt er doch mit einer völlig ausgeuferten Staatsquote eines der Hauptprobleme des Bürokratenstaates Deutschlands und der überbezhalten EU Superbürokratie und deren überbezahlten EU Kommissare da, all das steht in keinem Verhältnis mehr zur Realwirtschaft, die immer höhere Steuern erwirtschaften muss um diesen riesen Saustall am Leben zu erhalten, Angesichts der Megakrise ist es nun endlich an der Zeit hier für massive Einsparungen zu sorgen, Pensionsansprüche zu kürzen sodass wirtschaftliches Wachstum wieder eine Chance hat und die Volkswirtschaft prosperieren kann. Auch hier sind Ökonomen einer Meinung! Die Zukunft Europas liegt nicht im Bürokraten und Beamtenstaat sowie steuerflüchtigen Grosskonzernen sondern ganz eindeutig bei innovativen Mittelständlern, auch darüber sind sich Ökonomen einig!
      Je schneller Politiker und Bürokraten danach handeln umso schneller wird die Krise überwunden und neues Wachstum generiert, das ewige Festhalten an alten Strukturen hat keine Zukunft und behindert die Erschaffung von neuen Firmen und Betrieben.
      Die Konzerne haben bereits Milliarden versenkt, werden das weiter tun und deren Altlasten sind immens und nicht mehr finanzierbar!!!!!!!!

    • Selbstverständlich pocht jeder Konzern auf Staatshilfen als waere das eine Selbstverständluchkeit, was es definitiv nicht ist. Kleine und Mittelständische wurden und werden nicht gerettet stellen Sie jedoch das gros der Arbeitsplätze und erbringen den grössten Anteil der Steuerlast in diesem Lobbyistenstaat, denn die Grosskonzerne wie z.B. Airbus haben ihren Steuersitz nach Amsterdam verlagert, obwohl die gar nicht Partnerland sind, u.a. hat Lufthansa Tochterfirmen in Steieroasen angemeldet, auch nicht ok, dreist möchte man auch Steurgelder vom Bürger erhalten, dies steht nicht in der Verfassung, die Firmen zahlen hier keine Steuern, haben bereits Milliarden für den a380 erhalten, mit dem noch kein cent verdient wurde und nun verschrottet wird, anstatt eine Frachtversion, stretch, Militärversion, update etc pp anzubieten, denn dieses Flieger hat auf asiatischen Märkten noch Zukunft, nur Manager bei Airbus haben keine Ahnung.
      Dort kommt auch bald Herr Obermannm der ebenfalls von Flugzeugbau null Ahnung hat und lediglich Lobbyarbeit übernehmen wird um weiterhin das Geld des deutschen Bürgers anzuzapfen, Steuern möchte man hier selbstverständlich keine zahlen! Somit darf es nur noch Steuergelder für Grosskonzerne geben, wenn erstmal beim eigenen Personal gespart wird, Gehälter insbesondere für überbezahlte Manager u.a. gekürzt werden, Boni und Tantieme gekürzt werden, dividende gekürzt werden, die effizienz erhöht wird und die Produktivitöt erhöht wird und der steuerliche Sitz der Unternehmung zurück nach Deutschland verlagert wird. Alles andere ist eine absolute Frechheit und Ungerechtigkeit gegenüber Klein - Mittelst. Betrieben u. STEUERZAHLER!
      Die Gehälter in Grosskonzernen sind im Vergleich zu Mittelständlern 30 bis 40% höher, und es ist keinesfalls einzusehen das diese Ungerechtigkeiten auch noch mit Steuergeldern gefördert werden, die grösstenteils von Angestellten von mittelständischen Betrieben erbracht und von deren Firmen geleistet werden sollen.

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