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Gastkommentar Cyberspace und KI laden zum Missbrauch ein

Die neuen digitalen Technologien haben ihre Schwachstellen. Wie können wir sicher sein, dass sie nicht missbraucht werden? Die richtige Strategie ist gefragt.
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Julian King ist EU-Kommissar für die Sicherheitsunion. Er war britischer Botschafter in Irland und Frankreich. Quelle: dpa [M]
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Julian King ist EU-Kommissar für die Sicherheitsunion. Er war britischer Botschafter in Irland und Frankreich.

(Foto: dpa [M])

Heute, da sich die Welt in Sachen Konnektivität auf der Schwelle zu einer neuen Revolution befindet, müssen wir diese Revolution weit mehr als nur eine der Kommunikation begreifen. Vergessen Sie das Internet der Dinge! Hier geht es um das „Internet of Everything“: Eine stärker dezentralisierte digitale Zukunft, die Menschen, Daten und Dinge miteinander verbindet wie nie zuvor.

In Hinsicht auf die Sicherheit müssen wir unseren Blick unverstellt auf die strategischen Schwachstellen richten, die diese Technologien mit sich bringen, und antizipieren, wie böswillige Kräfte versuchen könnten, die neue digitale Infrastruktur zu ihrem eigenen finanziellen Vorteil oder sogar als Waffe zu nutzen.

Einige dieser Herausforderungen kennen wir bereits: Hierzu zählt beispielsweise der Missbrauch sozialer Medien zur Verbreitung von Desinformation unter Nutzung von Hightech wie manipulierten Videos („Deep Fake Videos“) oder Künstlicher Intelligenz.

Doch auch die Infrastruktur selbst ist hier betroffen. Die Verbreitung der fünften Mobilkommunikationsgeneration 5G stellt in diesem Zusammenhang eine besondere Herausforderung dar, denn sie wird das Rückgrat der globalen Konnektivität sein, was beispielsweise hinsichtlich der Sicherheit der Lieferkette und der Herkunft von Produkten strategische und sicherheitsrelevante Fragen aufwirft.

Wie können wir sicher sein, dass die Komponenten, die bei künftigen Generationen europäischer Technologie – und nicht nur der 5G – verwendet werden, auch tatsächlich sicher sind? Schon heute ist die digitale Lieferkette alles andere als sicher – was die jüngsten Berichte von Unternehmen, die auf ihren Hauptplatinen seltsame, offenbar schon bei der Herstellung eingebaute Chips entdeckt haben, beweisen.

Die britische Regierung hat die Telekommunikationsbranche dringend aufgefordert, ihre Zulieferer einer gründlichen Prüfung zu unterziehen, und die Vereinigten Staaten sind bestrebt, bestimmte Arten ausländischer Direktinvestitionen in Schlüsseltechnologien wie Halbleiter und Robotik zu beschränken.

Um die Lieferkette für digitale Infrastruktur sicher zu machen, müssen wir bei der Provenienz technologischer Komponenten für größere Transparenz sorgen. Auch ist es außerordentlich wichtig, nach wie vor auf mehrere Lieferanten zurückgreifen zu können.

Um bestimmen zu können, ob internationale Partner vertrauenswürdig sind, benötigen wir zudem gemeinsame Standards und Regeln. Überlegungen wie diese liegen auch dem im Pariser Appell für Vertrauen und Sicherheit im Cyberspace dargelegten jüngsten Vorschlag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zugrunde.

Nach Macrons Auffassung ist das Internet zu einem Austragungsort von Konflikten geworden, an dem böswillige Kräfte die Schwachstellen digitaler Produkte und Dienstleistungen ausnutzen. Er schlägt jetzt vor, in Europa ein Internet des Vertrauens zu schaffen, das auf Rechtmäßigkeit und Zusammenarbeit beruht. Dem stimme ich zu.

Die Menschen in Europa sollten ihren Online-Aktivitäten auch weiterhin sicher nachgehen und sich dabei darauf verlassen können, dass ihre Grundwerte und -rechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt sind.

Wir benötigen eine Strategie, die der Notwendigkeit Rechnung trägt, die Möglichkeiten der technologischen Innovation zur Sicherung unserer wirtschaftlichen Zukunft zu nutzen, ohne gleichzeitig massive Sicherheitsprobleme zu schaffen.

Es besteht dringender Handlungsbedarf, denn der Technologie-Zug hat bereits mächtig an Fahrt gewonnen. Wir müssen also über Risikominderung nachdenken, gleichzeitig aber die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich die Situation, in der wir uns heute befinden, nicht wiederholt.

Bei dieser zugegebenermaßen riesigen Herausforderung müssen wir kurzsichtige Reaktionen wie Protektionismus und innovationsschädliche Maßnahmen vermeiden. Wollen wir sie angehen, müssen wir Umfang und Höhe des Risikos erfassen und entscheiden, welche Aspekte wirklich strategisch sind.

Für Europa bedeutet dies, dass wir nicht nur die Lieferketten schützen, sondern auch groß angelegte koordinierte Investitionen in unsere eigene Technologiebranche tätigen müssen. Und wer wäre besser geeignet, diese sektorübergreifenden Arbeiten voranzutreiben, als die Europäische Kommission? Noch ist es nicht zu spät, die digitale Zukunft Europas zu sichern.

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