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Gastkommentar Das Einwanderungsgesetz für Fachkräfte schließt eine große Lücke

Schon jetzt ist Deutschland bei der Ausbildung ausländischer Akademiker erfolgreich. Das neue Einwanderungsgesetz könnte nun bei der beruflichen Ausbildung helfen. Ein Gastbeitrag.
  • Thomas K. Bauer
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Mit dem neuen Gesetz soll es für Ausländer einfacher werden, hierzulande eine betriebliche Ausbildung zu beginnen. Quelle: dpa
Fachkräftemangel

Mit dem neuen Gesetz soll es für Ausländer einfacher werden, hierzulande eine betriebliche Ausbildung zu beginnen.

(Foto: dpa)

Ein guter Slogan prägt sich ein. Die Werbeagenturen der großen deutschen Baumarktketten haben ziemlich erfolgreich kurze, aussagekräftige Slogans entwickelt, die leicht zu merken sind. Die Slogans kommen den Kundinnen und Kunden im besten Fall immer wieder und bei sehr unterschiedlichen Anlässen in den Sinn. Wer das unmittelbar vor der Weihnachtspause vom Bundeskabinett verabschiedete Fachkräfteeinwanderungsgesetz liest, könnte denken: „Respekt, wer´s selber macht.“

Ein Schwerpunkt des Gesetzesentwurfs folgt dem Baumarktkonzept des Selbermachens: Die in Deutschland fehlenden Fachkräfte sollen hierzulande „gebaut“ werden. Schon seit langem ist Deutschland ein erfolgreicher Heimwerker, wenn es darum geht, akademisch qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland auszubilden.

Deutsche Universitäten gehören zu den beliebtesten Hochschulen weltweit, und viele ausländische Studienabsolventinnen und -absolventen bleiben nach ihrem Studienabschluss im Land. Bei ihnen bestehen keine Probleme der Anerkennung ausländischer Zertifikate, die meisten von ihnen sprechen gut Deutsch und sind auch darüber hinaus mit den wichtigsten kulturellen Praktiken in Deutschland vertraut. Sie sind somit die Idealzuwanderinnen und -zuwanderer schlechthin.

Ein zentrales Merkmal des geplanten Fachkräfteeinwanderungsgesetzes ist, dass die Heimwerker-Strategie, die sich im Bereich akademisch qualifizierter Fachkräfte bewährt hat, nun auch bei Fachkräften mit beruflicher Qualifizierung angewandt werden soll.

Denn das Gesetz würde die Rahmenbedingungen für die Ausbildung verbessern – sowohl für Drittstaatsangehörige, die eine Berufsausbildung in Deutschland absolvieren wollen, als auch für Ausbildungsbetriebe, die angesichts eines an manchen Orten leergefegten Lehrstellenmarktes die Option der Azubi-Anwerbung aus dem Ausland in Betracht ziehen.

Der Autor ist Vorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Quelle: SVR-Borrs
Thomas K. Bauer

Der Autor ist Vorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration.

So soll es beispielsweise möglich werden, vor der Berufsausbildung in Deutschland einen Sprachkurs zu besuchen oder einzuwandern, um einen Ausbildungsplatz zu suchen. Möglichkeiten, die für „in Heimarbeit hergestellte“ Drittstaatsangehörige mit akademischer Ausbildung schon seit einiger Zeit bestehen, sollen damit bald auch auf Fachkräfte in spe ausgeweitet werden, die in Deutschland eine berufliche Qualifikation erwerben wollen.

Da der Fachkräftemangel längst nicht mehr auf einige Berufe mit akademischer Ausbildung beschränkt ist, sondern zunehmend nicht-akademische Ausbildungsberufe erfasst, ist dies zu begrüßen.

Zudem könnte die Heimwerker-Strategie des Selbstausbildens bei beruflich qualifizierten Fachkräften noch viel stärker als bei im Ausland ausgebildeten Akademikerinnen und Akademikern ein zentrales Problem lösen, mit dem alle Einwanderungsländer konfrontiert sind: prüfen zu müssen, ob eine im Ausland absolvierte Ausbildung zumindest grundlegend den inländischen Ausbildungsstandards entspricht.

Bei akademischen Berufen hat sich diese Problematik zumindest teilweise entschärft, da Abschlüsse wie Bachelor oder Master universalisiert worden sind. Bei beruflich qualifizierten Fachkräften hingegen besteht sie fort, denn das deutsche System der dualen Ausbildung existiert in den meisten Herkunftsländern nicht einmal ansatzweise. Das „Selbermachen“ kann also die schwierige Aufgabe, vollkommen unterschiedliche Ausbildungssysteme vergleichen zu müssen, ein Stück weit umgehen.

Eine gestärkte fachkräftespezifische Do-it-yourself-Strategie lässt sich auch im Bereich der Nachqualifizierung erkennen. Zwar gibt es schon seit einigen Jahren einen speziellen Aufenthaltstitel zur Nachqualifizierung, aber genutzt wurde dieser bislang kaum. Durch das Gesetz werden stärker als bisher Personen angesprochen, die im Ausland eine Ausbildung durchlaufen haben, die aber nicht als gleichwertig zu deutschen Standards anerkannt ist.

Nachqualifizierung ist hier die Lösung – und genau diese erleichtert das Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Zum einen soll der Zeitraum, innerhalb dessen die Nachqualifikation in Deutschland abgeschlossen werden muss, von anderthalb auf zwei Jahre erhöht werden. Bei bestimmten Berufen soll zum anderen noch während der Nachqualifikationsphase eine Beschäftigung in dem Beruf, für den später die Anerkennung stattfinden soll, möglich sein.

Dazu muss der Arbeitgeber arbeitsvertraglich zusichern, dass innerhalb von zwei Jahren die für eine Vollanerkennung fehlenden Qualifikationen nachgeholt werden können. Schließlich sollen auch Vermittlungsabsprachen zwischen der Bundesagentur für Arbeit und den Arbeitsverwaltungen der Herkunftsländer stärker genutzt werden, um Arbeitskräften die Einwanderung und Nachqualifizierung zu erleichtern.

Das ermöglicht es, gezielt Arbeitskräfte aus Ländern anzuwerben, deren Ausbildungsstrukturen sich besonders für eine Nachqualifikation in Deutschland eignen.

Indem das geplante Gesetz den zum Teil stark nachgefragten beruflich qualifizierten Fachkräften die Einwanderung nach Deutschland erleichtert, schließt es eine Lücke. Wenn es in Kraft getreten ist, dürfte für alle, die als Fachkraft oder zur Ausbildung nach Deutschland einreisen wollen, ein anderer, nicht minder bekannter Baumarktslogan gelten: „Geht nicht, gibt’s nicht!“

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