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Gastkommentar Das EU-Hilfspaket rettet nicht nur Spanien und Italien – es nützt auch Deutschland

Deutschland hilft es am meisten, wenn wir europäisch denken und handeln. Deshalb ist auch das Ergebnis des EU-Gipfels in unserem ureigensten Interesse.
28.07.2020 - 04:16 Uhr 3 Kommentare
Michael Diederich ist Chef der Hypo-Vereinsbank. Quelle:  Uta Wagner, Montage Handelsblatt
Der Autor

Michael Diederich ist Chef der Hypo-Vereinsbank.

(Foto:  Uta Wagner, Montage Handelsblatt)

Manchmal braucht es den Blick von außen, um sich selbst zu verstehen. Dass ich Deutscher bin, ist mir bewusst, seit ich als Kind vor dem Fernseher für die heimische Fußball-Nationalmannschaft mitfieberte. Dass ich Europäer bin, lernte ich erst Ende der 90er-Jahre, ausgerechnet in den USA. Als ich in Chicago meinen MBA machte, wurde ich immer wieder als „European“ wahrgenommen und begrüßt.

Die Wertschätzung galt vor allem dem Bildungsniveau des alten Kontinents und den demokratischen Werten Europas. Vielleicht sollte der nächste EU-Gipfel mal nicht in Brüssel, sondern in Boston, in Bangalore oder in Bengasi stattfinden. Aus der Ferne dürfte mancher Konflikt der Europäischen Nationen unnötig überhitzt erscheinen.

Im Klein-Klein der Debatten geht es oft weniger um echte Argumente als um lokalpolitische Abgrenzungsversuche. Keine der selbst ernannten sparsamen Nationen könnte autark in der global vernetzten Welt wirtschaftlich oder politisch überleben. Wie nah Groß und Klein beieinanderliegen, erlebe ich auch als Nichtpolitiker jeden Tag.

Ich bin Vorstandsvorsitzender einer deutschen Bank mit 151-jähriger Tradition. In Deutschland sind wir groß, aber wirklich groß sind wir erst im Verbund der paneuropäischen Unicredit-Gruppe.

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    Das winzig kleine Coronavirus hat allen Giganten aus Wirtschaft und Politik das Fürchten gelehrt. Besiegt wird es weder mit großspurigem Gehabe noch mit irgendeinem „Profi-Deal“ für das eigene Land. Innerhalb von Deutschland hat die Geschlossenheit aller Bundesländer zum Erfolg des Lockdowns geführt.

    Gezeigt hat sich auch, dass die staatliche „Bazooka“ an Krisengeldern erst im Zusammenspiel unzähliger Einzelakteure ihre positive Wirkung entfaltete und immer noch davon getragen wird. Als Kreditgeber und Verwalter der Soforthilfen hat auch die Hypo-Vereinsbank für viele mittelständische Unternehmen Verantwortung übernommen.

    Das tun wir über die Grenzen Deutschlands hinaus. Denn ohne die Einbeziehung der internationalen Wertschöpfungsketten nach Süd- und Osteuropa wäre die deutsche Wirtschaft gar nicht handlungsfähig. Wie unsere Kunden sind auch wir selbst zwar in Deutschland verwurzelt, aber längst europäisch weit verzweigt gewachsen.

    Europa ist für Deutschland der wichtigste Markt

    Der deutschen Wirtschaft kann man in Corona-Zeiten nicht helfen, wenn man ausschließlich Firmen in Deutschland rettet. Wir sind Exportland. Europa ist unser wichtigster Markt. Deutschland hilft es am meisten, wenn wir europäisch denken und handeln.

    Das Hilfspaket auf EU-Ebene rettet nicht nur Spanien und Italien, es nützt auch Deutschland – und natürlich nützt es auch den Sparfüchsen unter den EU-Staaten. Jede Verweigerungshaltung gaukelt der Öffentlichkeit falsche Unabhängigkeiten vor und spielt populistischen EU-Feinden in die Karten. Ein proeuropäischer Kurs ist dagegen ein zukunftsweisendes Zeichen politischer und ökonomischer Vernunft.

    Dazu gehört es auch, entschlossen die Bankenunion zu vertiefen und zu vervollständigen. Da mögen Populisten den deutschen Sparern den Sand der Angst in die Augen streuen, wenn sie deren mögliche Haftung bei Problemen südeuropäischer Banken heraufbeschwören. Die Gefahr eines auseinanderbrechenden Europas für den deutschen Mittelstand ist weitaus größer.

    Zwar ging es oberflächlich betrachtet bei den Verhandlungen der letzten Tage um eine Art innereuropäische Umverteilung von Reich zu Arm. Natürlich braucht Italien das Geld aus Brüssel dringend, weil es von Corona besonders hart getroffen wurde. Doch Italien ist kein armes Land. Die italienische Volkswirtschaft ist die viertgrößte in Europa. Die Exportnationen Nordeuropas verlieren wichtige Absatzmärkte, wenn die Volkswirtschaften Frankreichs, Italiens und Spaniens sich nicht erholen.

    Schon in der Antike brachte Konsul Agrippa die zerstrittenen Stände der römischen Republik mit einer Parabel wieder zur Vernunft: Genauso wie die Glieder des Körpers ihre Arbeit nicht einstellen könnten, um nicht länger dem faulen Magen zu dienen, erledige auch jeder Teil im Staat eine für das Ganze sinnvolle Aufgabe. Damals zeigten sich die wütenden Plebejer einsichtig und beendeten ihren Protest.

    Das Brexit-Drama führt uns heute vor Augen, wie selbstzerstörerisch eine Sezession für die vormals führende Industrienation wirken kann. Das jetzt beschlossene wechselseitige Corona-Paket der EU nutzt nicht nur vereinzelt monetär, sondern kräftigt die gesamte Wirtschaft unseres kleinen Kontinents.

    Vor allem aber ist es mitten in der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte ein Zeichen ungebrochener Solidarität. Die bahnbrechenden Maßnahmen – so erfuhr, wer in den letzten Tagen die „New York Times“ las – gewährleisten die Legitimität, die Stabilität und den Wohlstand unserer Staatengemeinschaft.

    Mehr: Die Beschlüsse der Staats- und Regierungschefs zum EU-Finanzrahmen und zum Corona-Fonds sind umstritten. Dennoch setzen sie auf die Zustimmung vom Parlament schon im Herbst.

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    3 Kommentare zu "Gastkommentar: Das EU-Hilfspaket rettet nicht nur Spanien und Italien – es nützt auch Deutschland"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die EU-Hilfs-Pakete sind die richtige Antwort, eine Depression abzuwenden. Aber nun sollten Reformen starten. Auch Deutschland könnte reformieren. Wir sollten kleine Bundesländer zusammenlegen. Wir sollten von circa über 100 Krankenkasse eine, oder, Kompromiss, 5 Krankenkassen machen. Auch Deutschland hat Reformstau. Das sollte man von den Politkern fordern und immer wieder daran erinnern, so dass sie nicht auskommen, endlich tätig

    • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

    • Die Aufrechterhaltung ineffizienter und bankrotter Strukturen mit Fremdkapital kann nie volkswirtschaftlich sinnvoll sein. Das gilt auch dann, wenn diese Kredite aufgrund geänderter Bilanzierungsregeln nicht wertberichtigt werden müssen.

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