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Gastkommentar Dax-Konzerne suchen zurecht den Austausch mit ihren Kritikern

Viele Vorstände agieren in einer Umgebung, die mit der Welt der Normalbürger wenig gemein hat. Daher ist es gut, Außenseiter in Aufsichtsräte zu holen – unter einer Bedingung.
05.02.2020 - 01:24 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Personalberater.
Heiner Thorborg

Der Autor ist Personalberater.

Konzernchef zu sein macht keinen Spaß mehr. Früher teilte sich die Menge ehrfürchtig wie die See vor Moses, wenn die Chefs von der Deutschen Bank, Mercedes oder Allianz auftraten. Heute hagelt es harte Fragen und gelegentlich auch Tomaten. Erst mussten sich die Top Dogs daran gewöhnen, dass ihre Vergütung transparent gemacht wurde. Dann sollten sie mehr Frauen in ihren Reihen dulden. Schließlich kamen aktivistische Aktionäre und forderten bessere Renditen. Und nun wollen auch noch die Klimakämpfer mitreden!

Als ob es die Unternehmen nicht schon schwer genug hätten. Lufthansa, Deutsche Bank, Continental oder Covestro haben in den vergangenen Monaten jeweils mehr als die Hälfte ihres Börsenwerts eingebüßt. Andere sind in Skandale verwickelt und verfügen über die Glaubwürdigkeit eines Lügen-Diesels. Viele Traditionsfirmen sehen sich mit Start-ups konfrontiert, die meinen, alles besser zu können. Und die Arbeitnehmer der Generation X wollen nur noch richtig rödeln, wenn es ihnen Spaß macht. Die Institution „Dax-Konzern“ kämpft an allen Fronten.

Die Unternehmen sind nicht allein, anderen Institutionen, die einst als Säulen der Gesellschaft galten, ergeht es ähnlich. Viele Bürger lachen nur noch über die Parteien, den Kirchen laufen die Gläubigen davon. Ja, nicht einmal das ehemalige Heiligtum „Familie“ wird mehr ernst genommen.

Die Scheidungsraten steigen unaufhörlich, immer mehr Kinder werden unehelich geboren. Angesichts des eigenen Bedeutungsverfalls wirken die Institutionen hilflos. In den Konzernen sollen es nun offenbar Aufsichtsräte mit Signalwirkung richten.

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    Die Deutsche Bank beruft Ex-Außenminister Sigmar Gabriel ins Kontrollgremium, und Siemens-Chef Joe Kaeser bietet der Klimaaktivistin Luisa Neubauer einen Posten als Aufsichtsrätin an. Die Hoffnung in beiden Fällen: Durch die Außenseiter soll sich die gesellschaftliche Akzeptanz der Unternehmen verbessern.

    Deutsche Bank braucht sicherlich frischen Wind

    Man darf allerdings bezweifeln, dass reine PR-Aktionen funktionieren. Wo, bitte, bleibt die sonst so ernsthaft eingeforderte und in der Regel über lange Dienstjahre erworbene Qualifikation für dieses Amt? Eminente Wirtschaftsführer verwiesen darauf, dass dieser Umgang mit den „anspruchsvollen und haftungsbewehrten Aufgaben und Pflichten“ das Kontrollorgan beschädige. Diese Zweifel gelten übrigens nicht nur für die symbolhafte Berufung einer jungen Frau, die zeitgemäße Fragen stellt, sondern auch der Benennung eines Ex-Politikers für Deutschlands größte Bank.

    Dennoch – in der Sache haben die Dax-Konzerne recht, wenn sie den Austausch mit ihren Kritikern suchen. Beispiel Klimaschutz: Larry Fink, als Chef von Blackrock der mächtigste Mann der globalen Finanzindustrie, hat von den Konzernchefs dieser Welt gerade in einem Brief mehr Nachhaltigkeit gefordert.

    Blackrock verwaltet fast sieben Billionen Dollar Anlegergelder – das ist das Doppelte von Deutschlands Wirtschaftsleistung – und Fink glaubt: „Das Bewusstsein ändert sich rasant.“ Er glaubt, dass wir vor einer „fundamentalen Umgestaltung“ stehen. Vor diesem Hintergrund ist das Siemens-Management auf der richtigen Spur: Es wäre gut beraten mit einem Experten für Nachhaltigkeit im Aufsichtsrat. Doch bitte mit einer Persönlichkeit, deren Erfahrung und Qualifikation für mehr reicht als für einen PR-Gag.

    Beispiel gesellschaftliche Anerkennung: Die Deutsche Bank braucht sicherlich frischen Wind in den heiligen Hallen, will sie einem Image entkommen, das irgendwo zwischen „Loser“ und „Gangster“ oszilliert. Inwieweit Gabriel, der ohne jede Fachkenntnis antritt, die Deutsche Bank aber oft kritisiert hat, für positive Impulse stehen wird, muss sich weisen. Ausgerechnet einen Politiker als Faktor der Imageverbesserung zu installieren ist jedenfalls ambitioniert.

    Wie bei anderen Institutionen klaffen auch in vielen Unternehmen Selbst- und Fremdwahrnehmung weit auseinander. Viele Vorstände agieren in einer Umgebung, die mit der Welt der Normalbürger nicht viel gemein hat. Denn in der zählen Klimaschutz und Glaubwürdigkeit zu den brennendsten Fragen unserer Tage.

    Wer es schafft, mit der Realität jenseits der Konferenzräume in Kontakt zu treten, wird als Unternehmensführer Erfolg haben. Die Aufsichtsräte für Andersdenkende zu öffnen ist ein Weg dahin. Topmanager, die rechtzeitig das Gespräch mit ihren Kritikern suchen, investieren nicht nur in die Außenwirkung ihrer Organisation, sondern auch in die eigene Karriere. Die Voraussetzung dafür allerdings ist, Leute in die Gremien zu holen, die über entsprechendes Format verfügen.

    Mehr: Ex-SPD-Chef und ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel kann der Deutschen Bank als neuer Aufsichtsrat helfen. Doch Gabriel sollte nicht den gleichen Fehler machen wie Friedrich Merz.

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