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Gastkommentar Der Brexit wird Fluglinien und Flugreisende in ganz Europa treffen

Mit dem Brexit wird auch die europäische Luftfahrt in die Ära staatlicher Überregulierung zurückfallen. Den Schaden werden alle Europäer haben.
  • Philipp Goedeking
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Im globalen Luftverkehr gibt es nur wenige Märkte, die echten Wettbewerb erlauben. Quelle: Reuters
Flughafen Heathrow

Im globalen Luftverkehr gibt es nur wenige Märkte, die echten Wettbewerb erlauben.

(Foto: Reuters)

Noch glauben zu viele Kontinentaleuropäer selbstgefällig, dass der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU vor allem den dortigen Inseleuropäern schadet. Das Beispiel Luftverkehr zeigt aber deutlich, dass der Brexit Fluglinien und Flugreisende in ganz Europa treffen wird.

Im globalen Luftverkehr gibt es nur wenige Märkte, die echten Wettbewerb erlauben: Innerhalb der Vereinigten Staaten können US-Fluggesellschaften fliegen, wohin sie wollen; innerhalb der EU haben EU-Carrier die gleiche Freiheit; zwischen den USA und der EU gilt Ähnliches. Der restliche Luftverkehr weltweit basiert – mit wenigen Ausnahmen – auf staatlichen Abkommen.

Dieses Geflecht von bilateralen Verträgen verdanken wir der Chicago Convention aus dem Jahr 1944. Sie legt im Kern fest, dass die Regierungen der einzelnen Staaten untereinander vereinbaren, welche Fluggesellschaften von welchen Städten zwischen ihren Ländern hin- und herfliegen dürfen.

Damals – vor 74 Jahren! – betrachteten Regierungen „ihre“ nationalen Fluggesellschaften als Instrumente öffentlicher Daseinsvorsorge, nicht als Wirtschaftsunternehmen. Es gehört zu den großen Verdiensten Brüssels, dass sich die EU von diesem Korsett befreit hat.

Die Liberalisierung des innereuropäischen Flugverkehrs 1997 und die 2007 vereinbarte transatlantische „Open Sky“-Regelung mit den USA sind unschätzbar wertvolle Fortschritte im Sinne von Wettbewerb und einem besseren Angebot für Verbraucher. Nun aber muss das Vereinigte Königreich aus beiden deregulierten Märkten raus und wieder neue, zumeist bilaterale Abkommen nach Chicagoer Muster aushandeln.

Philipp Goedeking ist Unternehmensberater für die Luftfahrtbranche. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com.
Der Autor

Philipp Goedeking ist Unternehmensberater für die Luftfahrtbranche. Sie erreichen ihn unter: [email protected]

Der Brexit wird den verbraucher- und wettbewerbsorientierten offenen Luftraum wieder verdüstern und den Protektionismus auf wichtigen Strecken in Europa und über den Atlantik wiederbeleben. Infolge der Regeln von 1944 werden britische Fluglinien Aktionärsstrukturen umbauen, werden EU-Tochterfirmen mit EU-Eigentümern aufbauen, werden Strecken stilllegen müssen. Und EU-Fluglinien werden nicht mehr frei Richtung Themse fliegen können, sondern nur im Rahmen neuer, erst noch zu verhandelnder Verträge.

Warum lassen die Beteiligten den Direktflug ins ordnungspolitische Absurdistan sehenden Auges zu? Stattdessen sollten sie die überalterte Chicago Convention endlich durch WTO- oder WTO-ähnliche Regeln ersetzen. Das Anzweifeln verlässlicher Regeln für den Welthandel passt leider in die Zeit. Aber das sollte die Kontinentaleuropäer nicht dazu verführen, die Briten mit einem hämischen „selbst schuld“ zu verabschieden. Denn den Schaden werden alle Europäer haben – die Briten und wir.

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