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Gastkommentar Der Handel wird zum unnötigen Kollateralschaden der Pandemiebekämpfung

Der Lockdown ist bis zum 7. März verlängert worden. Für den stationären Handel ist die Belastung enorm. Differenziertes Vorgehen und eine klare Öffnungsperspektive fordert daher Christian Haub.
12.02.2021 - 12:45 Uhr Kommentieren
Quelle: Lars Heidrich / FUNKE Foto Servi
Tengelmann-Chef Christian Haub
(Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Servi)

Die Konferenz der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten hat entschieden. Und herausgekommen ist, was man erwarten musste. Für den Handel bedeutet das einen Nicht-Öffnungsplan mindestens bis zum 7. März. Klarheit über das, was danach passiert? Fehlanzeige. Anhaltspunkte, wann und unter welchen Voraussetzungen geöffnet werden kann? So gut wie nicht vorhanden.

Das war ein schwarzer Tag für den Handel. Viele Händler haben sich bis jetzt mehr schlecht als recht über Wasser gehalten – immer mit der Hoffnung auf Februar. Zugleich sinken die Inzidenzen, die Sicherheitskonzepte stehen, medizinische Masken werden zum Standard.

Aber wieder werden die Anforderungen höhergeschraubt und wieder werden Unternehmen vertröstet. Wie viele Händler werden die nächsten Wochen noch meistern können? Tengelmann ist noch gut aufgestellt.

Aber andere, kleinere und weniger gut kapitalisierte Unternehmen werden das nicht überleben. Das wird kein großer Knall, das wird langsam und qualvoll. Der Handel wird zum Kollateralschaden einer Nicht-Öffnungsstrategie und sein Sterben sehenden Auges in Kauf genommen.

Stattdessen dürfen Friseure öffnen, was ich ihnen von Herzen gönne. Aber ein schaler Nachgeschmack bleibt. Das wirkt wie ein einfaches Zugeständnis, ein Goodie für die Bevölkerung mit Blick auf anstehende Wahlen. Und es wirft die Frage auf, wie Prioritäten gesetzt werden.

Die aktuelle Situation ist für die drei Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im stationären Handel in höchstem Maße belastend. Weil sie nicht wissen, wann sie wieder aus der Kurzarbeit herauskommen und wie sie planen sollen. Weil sie es als ungerecht empfinden, nicht arbeiten zu dürfen und Gehaltseinbußen hinnehmen zu müssen, obwohl sie ihre Tätigkeit genauso verantwortungsvoll organisieren wie Beschäftigte in Läden, die geöffnet sein dürfen. Und es ist für die Händler selbst unerträglich, weil sie nicht wissen, was sie wann bestellen sollen, auf welche Öffnung sie sich vorbereiten sollen – immer vorausgesetzt, sie halten überhaupt noch durch.

Die Nachfrage wandert währenddessen zu den Onlineriesen oder wird in den Non-Food-Bereichen des Lebensmitteleinzelhandels gedeckt. Werden die Kunden jemals zurückkehren? Natürlich entstehen ein paar neue Arbeitsplätze auch im Onlinehandel oder dort, wo die Sortimente des Lebensmitteleinzelhandels wundersam erweitert werden. Aber das kann den unnötigen Verlust von Arbeitsplätzen bei Weitem nicht kompensieren. Es findet eine Konzentration von Marktmacht statt, die auf Kosten der Vielfalt der Handelsformen und damit der Konsumenten geht.

Der Wettbewerb sollte fair und auf Augenhöhe sein

Die Politik darf nicht zukunftsfähige Geschäftsmodelle nicht künstlich am Leben erhalten. Aber sie darf auch erfolgreichen Geschäftsmodellen nicht im Wege stehen, nur weil sie selbst deren Sortiment in Pandemiezeiten nicht für relevant hält. Wir stellen uns dem Wettbewerb, aber bitte fair und auf Augenhöhe.

Dabei hat der Handel massive Anstrengungen unternommen, um für ein sicheres Einkaufserlebnis zu sorgen. Ausgefeilte Hygienekonzepte und ständige Sensibilisierung der Mitarbeiter haben für niedrige Infektionszahlen in Zeiten der Öffnung gesorgt. Alle Zahlen von Obi, Kik und Tedi belegen das bei uns.

Ich hatte viel Verständnis für ein hartes und nicht differenziertes Vorgehen im ersten Lockdown. Es lagen damals keine anderen Erkenntnisse vor. Aber heute haben wir eine Informationsbasis, die es erlaubt, differenziert vorzugehen und dabei unterschiedliche Ausgangssituationen in Regionen und Teilen der Wirtschaft zu berücksichtigen.

Undifferenzierter Lockdown ist nicht nachvollziehbar

Die Fortsetzung der undifferenzierten Lockdowns ohne jegliche Perspektive ist nicht nachvollziehbar und alles andere als gerecht. Die Forderung unseres Beiratsmitglieds Astrid Hamker, Präsidentin des Wirtschaftsrats der CDU, nach einem klaren Öffnungskonzept für die deutsche Wirtschaft bis zum 3. März kann ich nur ausdrücklich unterstreichen.
Von der Politik können wir erwarten, dass sie ihre Entscheidungen nachvollziehbar und nicht willkürlich trifft. Dass sie nicht mit dem Rasenmäher vorgeht, sondern sich genau anschaut, welche Vorkehrungen einzelne Branchen treffen, um ihre Kunden und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Und dass sie bei ihren Entscheidungen über Öffnungen oder Nicht-Öffnungen an alle denkt.

Die Pandemie ist längst nicht nur ein virologisches oder medizinisches Thema, sondern ein wirtschaftliches und gesellschaftliches. Und daher nicht nur mit medizinischen oder virologischen Mitteln zu bekämpfen.

Der Autor ist persönlich haftender Gesellschafter und CEO der Unternehmensgruppe Tengelmann.

Mehr: Die Langzeitarbeitslosen sind die vergessenen Verlierer der Pandemie

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