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Gastkommentar Der Klimaschutz kann nur global gedacht werden

Vorreiter in der Umweltpolitik zu sein heißt auch, in Entwicklungs- und Schwellenländer zu investieren. Nur gemeinsam kann der Wandel gelingen.
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Der Bundesentwicklungsminister will das Engagement für den Klimaschutz global ausbauen. Quelle: imago/Camera 4
Gerd Müller

Der Bundesentwicklungsminister will das Engagement für den Klimaschutz global ausbauen.

(Foto: imago/Camera 4)

Unsere Kinder demonstrieren jede Woche für besseren Klimaschutz und haben das Thema so an die Spitze der politischen Agenda getragen. Zu Recht: In den letzten 30 Jahren ist der weltweite CO2-Ausstoß um 60 Prozent gestiegen. Noch nie war so viel CO2 in der Atmosphäre. Das verstärkt Wetterextreme wie Orkane oder Hitzewellen. 

Vor Kurzem war ich an der äthiopisch-somalischen Grenze. Dort hat es drei Jahre lang nicht geregnet. 20 Millionen Menschen mussten aus Dürreregionen fliehen, weil sie ihre Lebensgrundlage verloren haben. Der Klimawandel ist längst die Überlebensfrage der Menschheit.

Aber nur fünf Staaten sind auf dem Weg, die Ziele des Pariser Abkommens zu erfüllen. Auch Deutschland liegt zurück. So werden wir es nie schaffen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Deutschland muss seine nationalen Ziele deutlich ambitionierter verfolgen. Doch selbst wenn wir alle Kohlekraftwerke stilllegen und den CO2-Ausstoß massiv mindern, wäre dies global betrachtet nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn 98 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes findet außerhalb Deutschlands statt. 

Vorreiter in der Klimapolitik zu sein heißt daher, auch in Entwicklungs- und Schwellenländer zu investieren. Wir werden das Klima nicht allein in Deutschland retten. China, Indien, Brasilien, Afrika: Der Klimaschutz entscheidet sich maßgeblich dort. 

Afrika und Indien werden in 30 Jahren auf vier Milliarden Menschen anwachsen. Wenn künftig jeder Haushalt eine Steckdose auf der Basis von Kohle bekäme, müssten 1.000 Kohlekraftwerke gebaut werden. Das hält der Planet nicht aus. 

Deswegen müssen wir in eine globale Energiewende investieren. Allen voran muss Afrika der grüne Kontinent der erneuerbaren Energien werden. Bis 2050 könnten fast 90 Prozent des weltweiten Energiebedarfs mit Erneuerbaren gedeckt werden. Mit Technologie „made in Germany“ können wir Entwicklungssprünge auslösen. 

Wirtschaftsmodell verursacht Billionen-Schäden

In der marokkanischen Wüste investiert Deutschland beispielsweise 800 Millionen Euro in den Ausbau des modernsten Solarkraftwerks der Welt. 1,3 Millionen Menschen werden so mit sauberem Strom versorgt. Mit Indien haben wir eine Solarpartnerschaft über eine Milliarde Euro geschlossen.

Und Deutschland wird seinen Beitrag für den Grünen Klimafonds der Uno auf 1,5 Milliarden Euro verdoppeln. Denn das ist das wichtigste Instrument, um Entwicklungs- und Schwellenländer bei der CO2-Minderung und dem Aufbau erneuerbarer Energien zu unterstützen. 

Gleichzeitig müssen wir mehr in Zukunftstechnologien investieren. Methanol und Wasserstoff könnten die klimaneutralen, transportfähigen Treibstoffe der Zukunft sein – angetrieben von der unendlichen Sonnenenergie Afrikas.  

Globaler Klimaschutz heißt auch: die Lunge des Planeten schützen. Elf Prozent der CO2-Emissionen gehen auf die Waldzerstörung zurück. Das müssen wir sofort stoppen. Alle vier Sekunden wird die Größe eines Fußballfelds abgeholzt – vor allem für riesige Soja- und Palmölplantagen. Die EU sollte nur noch nachhaltiges Soja und Palmöl importieren.

Wir haben zudem mehr als 100 Millionen Hektar Wald weltweit unter Schutz gestellt – mehr als die dreifache Fläche Deutschlands. Dieses Engagement verstärken wir, etwa zum Schutz des Amazonas. Und wir vergrößern bis 2030 den Bestand an Mangroven, die besonders viel CO2 speichern, um 20 Prozent. 

Das weltweite Wirtschaftsmodell verursacht Umweltschäden in Billionenhöhe: Verlust von Wäldern, fruchtbaren Böden, lebendigen Meeren. Das taucht auf keinem Preisschild auf. Nicht zuletzt wegen des Klimawandels sind eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Deswegen müssen wir jetzt den Einstieg in eine CO2-neutrale Wirtschaft schaffen. 

Dazu haben wir die „Allianz für Entwicklung und Klima“ gestartet. 330 Verbände und Firmen machen bereits mit, von der Sparkasse bis zum Dax-Konzern. Sie alle arbeiten daran, klimaneutral zu werden. Emissionen, die sich nicht vermeiden lassen, kompensieren sie mit qualitätsgeprüften Klimaschutzprojekten in Entwicklungs- und Schwellenländern, etwa zur Aufforstung oder dem Aufbau erneuerbarer Energien. Jede und jeder kann hier mitmachen. Denn es liegt an uns, nicht nur auf andere zu zeigen, sondern bei sich selbst anzufangen und sich klimaneutral zu stellen. Deswegen wird auch das Entwicklungsministerium im nächsten Jahr klimaneutral.

Klimaschutz ernst nehmen heißt: Wir müssen nicht nur im eigenen Land handeln, sondern vor allem unser Engagement für den globalen Klimaschutz massiv ausbauen. Denn Klimaschutz ist die Überlebensfrage der Menschheit.

Mehr: Bundesumweltministerin Schulze bringt einen Vorschlag zum Klimaschutz ins Kabinett. Doch der provoziert neuen Streit in der GroKo.

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1 Kommentar zu "Gastkommentar: Der Klimaschutz kann nur global gedacht werden"

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  • Gerd Müller scheint der einzige unter den Unionsministern (m/w) zu sein, dem wirklich klar ist, was die Uhr geschlagen hat und was zu tun ist.

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