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Gastkommentar Der Klimaschutz schafft viele Jobs

Klimaskeptiker glauben, dass der Klimaschutz Arbeitsplätze vernichtet. Sie täuschen sich. Er bietet die Chance zu einer nachhaltigen Wirtschaft
16.12.2018 - 14:40 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Präsident der Europäischen Investitionsbank.
Werner Hoyer

Der Autor ist Präsident der Europäischen Investitionsbank.

Behauptungen wie „der Klimaschutz vernichtet Arbeitsplätze und bremst das Wirtschaftswachstum“ waren leider auch auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz zu hören. Doch sie widersprechen dem einhelligen Konsens der Wissenschaft. Sie sind schädlich, gefährlich und falsch.

Die sogenannten Klimaskeptiker täuschen sich – ganz besonders im Hinblick auf die Jobs. Klimaschutz bietet die Chance zu einer nachhaltigen Wirtschaft, die Arbeitsplätze schafft und sichert und auch die Umwelt schont.
Für die Menschen in Europa ist das die Wirtschaft der Zukunft.

Die erste EIB-Umfrage zum Klimawandel ergab, dass 78 Prozent der Europäer wegen des Klimawandels besorgt sind. Nur ein Prozent leugnet ihn. In den Vereinigten Staaten ist ebenfalls eine klare Mehrheit von 63 Prozent besorgt, immerhin 14 Prozent bestreiten aber, dass der Klimawandel stattfindet.

Bei den Themen Beschäftigung und Wachstum sieht es anders aus: Nur 21 Prozent der EU-Bürger glauben, dass Klimaschutz gut für die Wirtschaft ist. In den USA sind es 26 Prozent. Wenn Europa nachhaltig wachsen soll, müssen wir gemeinsam unsere Volkswirtschaften grüner, widerstandsfähiger und gerechter machen.

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    Dafür brauchen wir eine Kreislaufwirtschaft, die unsere Umweltbilanz verbessert und Europa auch im Wettbewerb stärkt. Europa muss seine Produktivität steigern, wettbewerbsfähiger werden und Ungleichheiten abbauen, aber auch die Emissionen senken. Das kann und muss Hand in Hand gehen.

    Vor drei Jahren einigte man sich auf der 21. UN-Klimakonferenz in Paris, den Temperaturanstieg weltweit zu begrenzen – ein historischer Erfolg. Die Klimakonferenz findet alljährlich statt. Am Samstag ist die 24. Konferenz in Kattowitz zu Ende gegangen. Seit Paris tickt die Uhr. Wir dürfen die Hände nicht in den Schoß legen.

    Was sagen wir denen, die den Klimaschutz für eine Wette auf die Zukunft halten – auf wirtschaftliche Vorteile und unbekannte Klimaereignisse? Erstens: Was die Wissenschaft sagt, ist nicht von der Hand zu weisen. Der Klimawandel ist belegt, die Katastrophe rückt näher.

    Jobs und Gewinne von umweltschädlichen Branchen stagnieren

    Zweitens: Gewinne und Beschäftigung in umweltbelastenden Branchen stagnieren seit Jahrzehnten oder sind rückläufig. Die grüne Wirtschaft hat dagegen in den letzten Jahren nachweislich neue Stellen geschaffen.

    Seit 2012 ist die Zahl der Arbeitsplätze bei den erneuerbaren Energien weltweit um 45 Prozent gestiegen. In allen Bereichen zusammen ist die Beschäftigung nur um fünf Prozent gewachsen.

    Noch augenfälliger ist der Effekt in der EU, wo die Verdoppelung der Stellen bei den erneuerbaren Energien seit 2.000 einem gesamten Jobwachstum von sieben Prozent gegenübersteht. Der Übergang zu einer kohlenstoffarmen, nachhaltigen Wirtschaft könnte bis 2030 insgesamt 23 Billionen Euro an Wert schaffen.

    Für viele steht aber noch immer das Risiko im Vordergrund. In gewisser Hinsicht haben sie recht, denn Investitionen in neue Sektoren sind natürlich riskanter. Deshalb wird die EIB in den fünf Jahren von 2016 bis 2020 insgesamt rund 100 Milliarden Euro für den Klimaschutz vergeben.

    Denn wenn wir uns als Bank der EU an Projekten beteiligen, sinkt das Risiko für private Investoren so weit, dass sie bei grünen Investitionen mit einsteigen. Weltweit stehen wir über 1000 Städten und Gemeinden zur Seite, die in nachhaltige Infrastruktur investieren.

    Die Uhr tickt unbarmherzig

    Hier kommt unsere wichtige Rolle als Partner der Bürgerinnen und Bürger ins Spiel. Die EU hat im vergangenen Jahr 29 Gesetze zum Klimaschutz erlassen. In den USA waren es acht, in China nur vier. Diese Gesetze können Investitionen in Richtung des Gemeinwohls lenken.

    Sie stärken internationale Finanzinstitutionen wie die Europäische Investitionsbank (EIB), die mit ihren Krediten wirtschaftliche und politische Ziele fördern. Wir haben das Ergebnis unserer Aktivitäten im Blick, aber wir wollen es mit grüner Tinte schreiben.

    Die Uhr tickt unbarmherzig. Wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen und laufen nun Gefahr, an Schwung zu verlieren. Lassen wir uns nicht zu dem Irrglauben verführen, der Klimawandel sei erfunden, und wir könnten weitermachen wie bisher.

    Wir sind auf dem richtigen Weg, aber viel zu langsam – und jeden Tag fallen wir weiter zurück.

    Als Bürgerinnen und Bürger kämpfen wir, indem wir unsere Stimme erheben. Dabei können wir uns auf die EU-Bank und andere multilaterale Banken und Einrichtungen verlassen: Sie stehen uns in diesem Kampf zur Seite.

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