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Gastkommentar Der Profifußball ist nicht krisenresistent

Der FC Schalke 04 kann seine wirtschaftlichen Ansprüche mit der aktuellen Struktur nicht mehr erfüllen. Und das nicht wegen der Krise, schreibt der Marketingvorstand des Fußballvereins.
13.08.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
FC Schalke 04: Vorstand Marketing, Vertrieb & Organisation Alexander Jobst Quelle: Jann Höfer für Handelsblatt
Der Autor

Alexander Jobst ist Vorstand Marketing, Vertrieb & Organisation des FC Schalke 04.

(Foto: Jann Höfer für Handelsblatt)

Kein Fußballverein ist vor einer Krise im aktuellen Ausmaß wirtschaftlich gefeit, genauso wie viele andere Branchen. Der Profifußball in Deutschland beansprucht keine gesellschaftliche und politische Sonderstellung. Zur Glaubwürdigkeit unseres Geschäfts ist es aber unabdingbar, den Fußball nach dem gleichen Prinzip wie andere Branchen zu betrachten und dieselben Maßstäbe anzulegen.

Dazu gehört, dass es legitim ist, wenn Schalke 04 sich der Möglichkeit einer Landesbürgschaft bedient – wie Unternehmen anderer Branchen auch, wenn sie die grundsätzlich erforderlichen Kriterien erfüllen.

Es geht nicht, den Fußball allein in den Fokus zu stellen und von einem Missmanagement der Klubs zu sprechen, weil sie so schnell in eine Schieflage geraten. Entscheidend ist etwas anderes: Unser Geschäftsprinzip ist schlichtweg nicht krisenresistent. Im Spezialfall von Schalke 04 kommen dann noch einige, zum Teil chronische Vorerkrankungen hinzu.

Der Verlust im Geschäftsjahr 2019, der geringe sportliche Erfolg der letzten Jahre, die Restriktionen der Vereinsstruktur und damit verbunden vergleichsweise beschränkte Finanzierungsmöglichkeiten. All dies führt dazu, dass wir schneller in eine auch existenziell bedrohliche Schieflage geraten können als andere Klubs.

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    Für einen Fußballklub ist natürlich der Personalaufwand entscheidend, wobei wir dort aufgrund bestehender Verträge aber nur mit einiger Zeitverzögerung reagieren können. Es gibt nun intern eine Richtlinie für ein maximales Gehaltsgefüge, wenn wir Spieler neu verpflichten. Zudem müssen wir die Verbindlichkeiten von knapp 200 Millionen Euro (Ende 2019) im Auge behalten. Hier bin ich bei einem Thema, das ich gern so nenne: Überinvestition in die Zukunft.

    Fremdfinanzierungen führen nicht mehr weiter

    Wir haben in den letzten Jahren immer so investiert, dass wir auf einem gewissen Niveau sportlich erfolgreich sind. Das war jedoch eine sportliche Kalkulation, die in den letzten Jahren nicht aufgegangen ist. Den Berg an Verbindlichkeiten, den wir vor uns herschieben, müssen wir daher jetzt noch mal vergrößern. Bleibt der sportliche Erfolg aus, sinken zwangsläufig irgendwann auch die Vermarktungsumsätze und die medialen Erlöse. Das ist eine relativ einfach zu erkennende Negativspirale.

    Dabei müssen wir als Vorstand feststellen: Wir können uns mit neuen Fremdfinanzierungen nicht von dem Schuldenberg befreien.

    Für Schalke 04 ist deshalb das Thema Eigenkapital wichtig – und zwar nicht nur bezogen auf die aktuelle Krise. Die Coronakrise hat das Thema Strukturveränderung für Schalke 04 nur dynamisiert, ist aber nicht die Ursache. Denn ein Jahresfehlbetrag wie im Geschäftsjahr 2019 bei erheblich noch existierenden Verbindlichkeiten ist natürlich kein risikofreundliches Konzern-Volumina, wenn eine Pandemie ausbricht.

    Unser gesamter Geschäftsbetrieb ist auf die Teilnahme im internationalen Wettbewerb ausgelegt. Das emotionale Umfeld, die Erwartungen vieler Fans, der Anspruch von Partnern und Sponsoren sind natürlich international. Wir verfügen auch nach wie vor über eine sehr große Ertragskraft in den Vermarktungserlösen sowie klassischen Geschäftsbetrieben auf internationalem Niveau, die das Produkt Fußball umfassen.

    Nicht mehr auf die Zukunft wetten

    Doch wenn kein Geld aus den internationalen Töpfen fließt, müssen wir zukünftig das wirtschaftliche Niveau spürbar runterskalieren. Wenn wir das jedoch tun, können wir nicht mehr realistisch den Anspruch vertreten, weiterhin wirtschaftlich und sportlich zu den Top-15-Klubs in Europa oder dem besten Drittel in der Bundesliga zu gehören. Dies gilt im Übrigen auch, falls wir weiter an den traditionellen Vereinsstrukturen festhalten.

    Als FC Schalke 04 müssen wir uns nun noch solider und zukunftsgerichteter aufstellen. Dazu gehört, konservativer zu planen und dann hoch zu skalieren, wenn wir international mitspielen. Wir können nicht mehr auf die Zukunft wetten. Und wieder auf eine Fremdfinanzierung hoffen, wenn der sportliche Erfolg dann ausbleibt. Das hat viele Jahre funktioniert. Es funktioniert aber jetzt nicht mehr, weil wir uns damit mehr und mehr strangulieren.

    Ich sehe für Schalke 04 nun die Aufgabe, an einer einzigartigen, zukunftsfähigen Struktur zu arbeiten, die perfekt zu Schalke passt und alle Mitglieder überzeugt. Darüber müssen wir eine intensive Diskussion führen. Unsere Fans wollen Schalke 04 in einer erfolgreichen sportlichen Zukunft mit internationaler Perspektive sehen. In der aktuellen Struktur wird das wirtschaftlich aber kaum mehr möglich sein.

    Mehr: Wendezeit auf Schalke: Fünf radikale Änderungen nach dem Tönnies-Abgang

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