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Gastkommentar Der programmierte Finanz-Kollaps

Mit ihren Finanzspritzen für die Banken überschreitet die EZB ihre Befugnisse, die Krise beendet sie damit nicht. Nur noch der Kollaps des gesamten Euro-Systems kann die anhaltende fiskalpolitische Unvernunft beenden.
13 Kommentare
Das Euro-Zeichen vor der Europaeischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. Quelle: dapd

Das Euro-Zeichen vor der Europaeischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.

(Foto: dapd)

Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit hat die EZB den Banken ein langfristiges Refinanzierungsgeschäft zu Geldmarktkonditionen angeboten. Im Rahmen der Vollzuteilung wurden am 29. Februar 2012  nahezu 530 Milliarden Euro an insgesamt 800 Banken – also 277 mehr als bei der ersten Zuteilung am 8. Dezember 2011 – zugeteilt. Ein großer Teil der bietenden Banken kommt aus problembehafteten, aktuellen oder potentiellen Finanznotstandsländern. 

Schon im Vorlauf zu diesem Dreijahrestender war darauf hingewiesen worden, wie die Banken, insbesondere in Problemländern mit diesen Finanzspritzen zu Sonderkonditionen umgehen. Spanische Banken hatten innerhalb kürzester Zeit – in einem Monat – ihren Bestand an Staatsanleihen um 23,1 Milliarden Euro auf 229,6 Milliarden erhöht. Über das Engagement französischer Banken und französischen Staatsanleihen liegen bislang keine verlässlichen Angaben vor, obwohl im Händlerjargon seit dem ersten langfristigen Refinanzierungsgeschäft im Dezember 2011 sich die Bezeichnung „Sarkotrade“ eingebürgert hat.

Der Wirtschaftsjurist Markus C. Kerber. Quelle: dapd

Der Wirtschaftsjurist Markus C. Kerber.

(Foto: dapd)

Ob auch mit dem zweiten Tender die Banken vor allen Dingen Staatsanleihen in ihr Portfolio nehmen werden, wird unterschiedlich beurteilt. Nach einer Analyse der Commerzbank vom 29.2.2012 wird die Ansicht vertreten, dass die Banken die abgerufenen Gelder im Wesentlichen für die Ablösung bereits eingegangener Engagements bei der Zentralbank werden nutzen müssen. In demselben Bericht wird darauf hingewiesen, dass die Liquidität, die die EZB zur Verfügung stellt und zwar in Höhe von 1,2 Billionen Euro dreimal so hoch sei wie der theoretische Liquiditätsbedarf des europäischen Bankensystems.

Obwohl die Gesamtzunahme der Zentralbankgelder aufgrund der 530-Milliarden-Euro-Zuteilung nur 311 Milliarden beträgt, weil drei parallele Refinanzierungsgeschäfte in Höhe von 255 Milliarden ausgelaufen sind, dürfte das Refinanzierungsgeschäft der EZB auch bei jenen letzte Zweifel beseitigt haben, die noch der Meinung anhängen, die EZB nähme hier ein geldpolitisches Mandat wahr. Vielmehr ist die EZB zum fiskalpolitischen Scharnier zwischen Finanznotstandsstaaten und ihren Banken geworden.

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13 Kommentare zu "Gastkommentar: Der programmierte Finanz-Kollaps"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Schöner Artikel und Klasse Kommentare. Leider sehr spät - das hätte man 2008 (oder früher)schon prognostizieren können. Papier-/Schuldgeldsysteme enden immer so.


    Der Zinseszins hat eine mathematische Expotentialfunktion als Grundlage. Die reale Wirtschaft kann so nicht wachsen, aber die Geldmenge (Digitalgeld)kann es. Die Realwirtschaft braucht dieses Schuldgeld nicht mehr, da es real keine Wachstumsmöglichkeiten mehr gibt. Die gesamte Zinsbelastung ist zu hoch.

    Also wann stellt sich das System auf Null (Kollaps)?

    Mir wäre ein Ende mit Schrecken lieber als anders herum. Ich glaube den meisten wissenden und unwissenden Bürgern auch.

    Zu hoffen bleibt, dass die Verantwortlichen und Nutznießer zur Rechenschaft gezogen werden.
    ... und eine Demokratie auf der Basis von unwissenden Wäh
    lern brauchen wir auch nicht mehr.

  • Thomas Fricke ist die Speerspitz des institutionalisierten Schmarotzens, um es noch deutlicher auszudrücken wie oekonomicus. Nach Fricke sollen die Deutschen ohne Ende blechen, was letztlich nur den Banken hilft, die die faulen Papiere in den Bücheren haben. Statt Strukturreformen gepaart mit einer effizienten Haushaltspolitik (die Betonung liegt aus effizient), wird in der FTD "Solidarität" eingefordert, nichts anderes als das Schmarotzen der Banken an den Nationalstaaten. Und wenn man denen noch nicht genug geholfen hat, ist der deutsche Steuerzahler mit Target 2 d`ran. Fricke ist mit seiner Kriecherei beim "Großkapital" dermaßen unsozial, wie es nicht-einmal die übelsten "Neoliberalen" zustande bringen würden. Letztere erkennen wenigstens, wo der Kern des Übels ist. Und von Staatsversagen hat der "gute" Mann auch noch nie etwas gehört so staatsgläubig der auch ist.
    Und da geht es über Schuldenhörigkeit noch weit hinaus. Fricke redet jedweder Verschuldungsorgie das Wort und wirft meine Beiträge aus dem Netz, weil er in seiner Kolumne nicht diskutieren will. Er tritt als großer Moderator auf, mit purer Löschfunktion.
    Strukturprobleme der Eurozone: Staatsversagen
    mangelnde Bankenregulierung: Staatsversagen
    Schulden bis zum Bankrott: Staatsversagen/Frickeforderung
    Immobilienblasen: Staatversagen (falsche Anreize)...
    Massenarbeitslosigkeit in der EU: Staatsversagen

    Und wo sind die bösen "Neoliberalen", was immer das auch sein soll?? Wir haben eine Soziale Marktwirtschaft.

  • werter Herr Dr. Leineweber,

    in Ihrem Kommentar haben Sie deutlich dargelegt, was von bestimmten Lohnschreibern zu halten ist.

    Erlauben Sie mir dazu noch eine kleine Anmerkung:

    Wenn ein Ökonom ernsthaft behauptet, hinter der aktuellen Krise stecke auch ein Scheitern der Finanzglobalisierung, so mag man in dieser Aussage eine partielle Logik erahnen.

    Betrachtet man allerdings die dann folgende "Analyse und Priorisierung von globalen Strukturproblemen" etwas genauer, wird man über so manche Empfehlung bestenfalls staunen.

    www.tristan-abromeit.de/pdf/76.0%20Tagungsprogramm.pdf

    Immer wieder auf's Neue wird die schlichte Tatsache ausgeblendet, dass wir in Wahrheit eine breite Diskussion über grobes Politik- und Staatsversagen zu führen hätten!

    Wer soll den politischen Sonntagsreden in denen lautstark das Primat der Politik über die Finanzmafia gefordert wird noch ernsthaft Glauben schenken, wenn ausserhalb der politischen Parallelwelten genau das Gegenteil getan wird?

    Als Beleg dafür mag man im Zusammenhang mit der "privaten Gläubigerbeteiligung" am griechischen haircut den Beschluss des EU-Rates heranziehen, der für künftige Fälle genau solche Maßnahmen auszuschließt [!]

    Dank solcher Freibriefe, die explizit entstehende Verluste der Zocker sozialisieren, kann die Party noch lange fortgesetzt werden ... bis [hoffentlich sehr bald] das Orchester die musikalische Untermalung beendet.

    beste Grüsse

    Oeconomicus




  • Der programmierte Finanz-Kollaps--
    Zitat.--
    Nur noch der Kollaps des gesamten Euro-Systems kann die anhaltende fiskalpolitische Unvernunft beenden. Dies wird für alle Beteiligten sehr teuer aber es soll niemand sagen, hiervor wäre nicht zu gegebenem Zeitpunkt gewarnt worden.
    ------
    Sehr gut erkannt. Genauso ist es. Er wird recht behalten.
    Und- "niemand" kann sagen, er habe von nichts gewusst.



  • Interessanter Beitrag - nur leider ...
    Wer sich die Gesetze und Regeln und Behörden anschaut, die fast ebenso zunehmen wie die Schulden, kann verstehen, dass der Bürger das nicth mehr blickt. Zu blicken gäbe es, wenn man hier denn Transparenz schaffen könnte, dass Gesetzgeber unausgegorenen Mist beschließen und neuen Behörden mit Bänkern besetzen - weil es ja sonst keiner blickt. Zu verstehen gäbe es die ERkenntnis des schwäbischen Sparkassen"bankiers": nämlich, dass die Aufsicht aus Dilettanten besteht, die ominöse Ratingsysteme ihrem Verstand vorziehen.

  • Weil hinter diesen eine gewaltige Presse steht. Nur die FAZ und das Handelsblatt "sind so frei" diese Autoren zuzulassen. Und die Rundfunkanstalten sind noch 10 Mal schlimmer! Lesen Sie ein paar Kommentaare von Frick (FTD) und vergleichen das mit Sinn, Sperber, Hankel, Starbatty usw. Ihnen wird übel.

  • Kerbers brillante Analyse zerlegt den Chefökonomen Thomas Fricke der FTD.
    Wenn man sich die Qualität von Kerber, Sinn ansieht und nunmehr endlich auch Weidmann in die Offensive geht, müsste jedem Steuerbürger klar werden, was hier gespielt wird. Man es es besser kaum erklären. Und Fricke schreibt bei jeder Gelegneheit, dass die bösen Deutschen mit Ihrem Sparhaushalt die Peripherieländer in die Depression stürzen. Da soll wohl zusätzlich zu der von Kerber beschriebenen Liquditätsschwemme auch noch eine Staatsschuldenschwemme in Deutschland dazu kommen. Dabei hat, wie gestern gemeldet, nicht einmal Deutschland seine Sparziele erreicht. Man kann im Vergleich zu Kerber nur sagen: Das Gehirn von Fricke kann man sich sparen, so wie jeder Abonnnent der FTD "in die Irre geführt wird", um es einmal vorsichtig auszudrücken. Es müssen noch ein paar Staatsrechtler her, die die Ökonomische Charade verstehen.

  • Herr Professor Kerber ich habe eine direkte Frage an Sie: Wieso werden die politisch dafür Verantwortlichen nicht wegen Amtsmissbrauch angezeigt ?

  • @swiss


    Sie möchten auch "Scheinwachstum durch Schuldenexplosion"?

    Dann schauen Sie sich mal an, was u.a. Rogoff oder Otte
    dazu sagen, liegt auf der Linie dieses Artikels,

    lief auf ARD, natürlich wieder nachts, damit das breite Publikum dumm bleibt und ist jetzt in der VÍDEOTHEK zu sehen.

    Thema: DIE WELT AUF PUMP.

    http://mediathek.daserste.de/sendung-verpasst/9791218_reportage-dokumentation/9798848_die-story-im-ersten-die-welt-auf-pump?datum=20120312


    Nachtrag:

    Umfrage: Nur knapp 23% der Bundesbürger verfolgen die Nachrichten zur Schuldenkrise regelmäßig - im August 2010 waren es noch 49%. Der Grund: Die meisten interessieren sich nicht mehr für das Thema, weil sie den Überblick längst verloren haben.

  • Ähhm...es gab da doch erst kürzlich eine Nachricht, dass eine zweite Erde im Weltall herumfliegt! Also, gleich dorthin rauschen um das Wachstum DORT zu generieren. Für die hirngewaschenen Systemergebenen unserer Tage!

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