Gastkommentar „Deutschland braucht eine neue FDP“

Die FDP ist - selbstverschuldet - vom Tod nicht weit entfernt. Und doch wäre es ein Verlust, wenn sie stürbe. Angesichts neuer Staatsverehrung können wir auf ein liberales Gegengewicht nicht verzichten.
19 Kommentare
Josef Joffe ist Herausgeber der Wochenzeitung „Zeit“. Quelle: picture-alliance / ZB

Josef Joffe ist Herausgeber der Wochenzeitung „Zeit“.

(Foto: picture-alliance / ZB)

Die FDP ist keine liebenswerte Partei. Zu viele Alt-Nazis hat sie nach dem Krieg gekeilt. An ihrer Spitze hatte sie Karrieristen wie Erich Mende oder dubiose Figuren wie Jürgen Möllemann. Mal war die FDP linksliberal, mal altnational; mal Klientelpartei, mal ein Mehrheitsbeschaffer, die es mit den Schwarzen und den Roten trieb.

Doch hatte die Partei auch Theodor „Papa“ Heuss, den Vorbild-Präsidenten. Die FDP hatte Otto Graf Lambsdorff, eine knorrige Gestalt von Witz, Eigenständigkeit und rhetorischer Brillanz. Sie hatte die Grande Dame Hildegard Hamm-Brücher, den Meistersinger Walter Scheel und als Generalsekretärin die untadelige Cornelia Schmalz-Jacobsen. Und den ewigen Außenminister Hans-Dietrich Genscher.

Nun siecht die Partei mit zwei Prozent in den Umfragen ihrem Ende entgegen. Oder doch nicht? Sie war schon mal, 1969, bei 5,8 Prozent – und kurz vor dem Rausschmiss aus dem Bundestag. Richtig draußen ist sie zurzeit in sechs Landtagen.

Ein zähes Geschöpf ist diese FDP; rechnen wir ihr die Deutsche Fortschrittspartei an, die 1861 gegründet wurde, ist sie sogar die älteste Partei Deutschlands. Doch diese Geschichte lässt nicht das Totenglöckchen verstimmen, das lauter als je zuvor klingelt. Die vordergründigen Ursachen sind bekannt: Guido Westerwelle, das zu junge Nachfolge-Trio Rösler, Bahr und Lindner. Patrick Döring, der Generalsekretär, ist zwar etwas älter, muss aber noch Interviewtechnik lernen; sonst hätte er seinen Parteichef nicht öffentlich angerempelt.

Doch verstecken sich hinter den Personen die weitaus tieferen Probleme. Einmal die strategischen: Im alten Dreiparteien-System der Bundesrepublik wurde die FDP als Mehrheitsbeschaffer gebraucht, sogar als Verstärker: Adenauer holte die Gelben 1957 trotz absoluter Mehrheit ins Kabinett. Heute ist Grün der Dritte, bald wird die Linke der Vierte sein.

Zum Zweiten das ideologische Problem. Die FDP war stets ein Gemisch von Strömungen: Links- und Wirtschaftsliberale, Klientelisten und Kulturliberale. Nun haben die Grünen den linken Nebenarm abgezweigt und dann den breiteren Strom des Kulturliberalismus auf ihre Mühle gelenkt. Das sind die freien Berufe, die Ärzte, Anwälte, Apotheker und „Kreativen“, die sich im Kapitalismus gut eingerichtet, aber den alten Moralkodex ihrer Klasse (Familie und Sexualität) nicht mitgenommen haben. Pikanterweise gehörten die drei A-Gruppen einst zur klassischen Klientel der FDP.

Jetzt sind wir fast alle schwarz-rot-grün-sozial
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gastkommentar - „Deutschland braucht eine neue FDP“

19 Kommentare zu "Gastkommentar: „Deutschland braucht eine neue FDP“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hallo Michaela ich weiß ja nicht woher du Deine weisheiten hast. Fluktation gibt es in jeder Partei und Wahlen werden mal gewonnen und mal verloren . Von einem Fiasko kann man übrigens nicht sprechen den welche Partei hat es bisher geschaft sofort in ein Parlament ein zu ziehen ? Und der Vorsitzende ist Demokratisch ohne gegen Stimme auf einem Ordentlichem Bundesparteitag gewählt worden.Aber wenn das deine einzigen Probleme sind und unser Programm dann top ist dann kannst du uns ja gerne Unterstützen. Lg André Flato

  • Peter: ddp - ist das nicht die Links-Liberale Partei, die aus der Rentnerpartei hevorgegangen ist?
    Der aktuelle Vorsitzende wollte doch die Partei verlassen, da er lieber im Sinne der Bergpredikt leben möchte.
    Zudem hat die ddp ein totales Fiasko bei der Berlin-Wahl 2011 erlitten, auch aufgrund des katastrophalen Auftritts des Spitzenkandidaten.
    U.a. aus diesem Gründen, munkelt man, treten so viele aus dieser "demokratischen" Partei aus. Programm top - ausführende Personen flop.

  • Selbstverständlich brauchen wir in Deutschland eine Liberale Partei. Aber die FDP wird es in Zukunft nicht mehr sein. Es gibt eine Neue Sozial Liberale Partei. Die den Anspruch hat nicht mehr tritt Brettfahren von SPD und CDU zu sein. Sondern ein komplett neues Finanz und Wirtschaftssysthem auf die Beine stellt wozu Sie absolute Mehrheiten benötigt. Ich spreche von der ddp Deutschen Demokratischen Partei.Allerdings wird Sie es auch schwer haben in diesem geflecht von gefälligkeits Netzwerken ein zu brechen.Aber eines ist auch bewiesen steter Tropfen hölt den Stein. Aus diesem Grunde hat sich die FDP überlebt und wird in 10 Jahren Geschichte sein. Mit freundlichen Grüßen André Flato

  • Er schließt halt nur die Zahnärzte und Lobbyisten aus.




  • dazu müsste das Führungspersonal mit den Politpraktikanten ausgewechselt werden. Rö, WW, Bahr, Döring, Lindner usw. sollten auf Bezirksebene neu anfangen oder, noch besser, eine Berufslaufbahn einschlagen. Und dann müssten qualifizierte Quereinsteiger her. Und schafft die JULIs ab. Dort beginnen die Funktionärskarrieren des Nachwuchses.

  • Herr Joffe, wenn asozial mit liberal und korrupt mit marktwirtschaftlich verwechselt wird, ist das das alleinige Problem der FDP. Und wenn Entbürokratisierung mit Ämterpatronage auf Steuerzahlerkosten und leistungsloser Teilhabe und spätrömischer Dekadenz verwechselt wird, dann gibt es nur eine Lösung: Weg mit dieser FDP!

  • Die FDP hat in dieser Regierungs-Koalition mMn einen ganz entscheidenden Fehler gemacht.
    Sie ist von Anfang an wie blind auf den Merkel-Kurs eingeschwenkt. Man hatte so das Gefühl, Westerwelle wollte Merkel Dankbarkeit zeigen, dafür, dass Merkel mit ihnen koaliert hat.
    Dabei hat die FDP nicht gemerkt, dass Merkel nur ein Ziel hatte, nämlich die FDP klein zu halten, sie zu zerlegen, wie sie es zuvor mit dr SPD getan hat.
    Aber eine Partei die nur noch aus Kindergartenkinder besteht, hat natürlich nicht das Format, so etwas zu merken und dem etwas entgegen zu setzen.
    Und genau das ist der Punkt. Bei der FDP ist so offenkundig, dass dumme Kindergartenboys sich dort tummeln, bei den anderen Parteien wird dies in 1 bis 2 Jahren ebenfalls offener zu Tage treten als derzeit.
    Man denke in der CDU mal an so einen Mißfelder, Spahn etc.
    In der SPD Nahles, Heil etc.
    Alles Leute, die noch nie in ihrem Leben gearbeitet haben und somit keine Ahnung vom Volk und vom Leben haben.
    Wird das nicht geändert, machen Parteien sich selbst überflüssig
    Der Bundestag wird imemr mehr zur besten Gedk-Verdienst-Institution für Langzeitstudenten, Studienabbrechr und sonstige verkrachte Existenzen, die auf dem freien Arbeitsmarkt keinerlei Chancen hätten und das kann un darf nicht sein

  • Ihrem Beitrag kann ich zustimmen.
    Sie haben es sehr gut ausgedrückt.
    Wir haben nicht nur ein FDP-Problem, sondern ein Problem mit allen Parteien.
    Alle vertreten schon längst nicht mehr uns, die Bürger. Sie sind vom Bürger Lichtjahre entfernt

  • Wir brauchen eine liberale Partei. Die FDP ist das nicht. Eine Partei, die gegen den Willen der Bevölkerungen der europäischen Nationen die Vereinigten Staaten von Europa mit Tendenz zur EUSSR vorantreibt, ist illiberal.
    Die FDP wird sterben, weil die Liberalen Deutschlands diese Partei nicht mehr wählen werden. Deshalb Fast Drei Prozent.
    Aber sie wird Platz machen für eine neue liberale Partei, die das Subsidiaritätsprinzip auch in Europa hochhält und Abstand nimmt von größenwahnsinnigen, überheblichen "politischen Projekten". DIESE FDP ist entbehrlich. Sie wird nicht überleben; denn heute ist die Situation eine ganz andere.

  • Die FDP hat nur noch eine Chance, sie muss liefern und ihre Wahlversprechen der letzten Bundestagswahl einhalten. Aber das Zeitfenster schließt sich, im nächsten Jahr wird gewählt. Und den Lobbyismus sollte man schnell, umfassend und transparent beseitigen ("Mövenpick-Connection", "Ärtze/Pharma-Mafia" usw).

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%