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Gastkommentar Deutschland braucht mehr Tech-Firmen von Weltformat

Die USA und China liegen bei der Anzahl wertvoller Tech-Unternehmen weit vor Deutschland. Um aufzuholen, ist deutlich mehr Wagniskapital nötig, findet Cornelius Baur.
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Kommentar: Deutschland braucht mehr Tech-Firmen von Weltformat Quelle: Nils Bröer für Handelsblatt
Der Autor

Cornelius Baur ist Deutschlandchef der Unternehmensberatung McKinsey & Company.

(Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)

Nichts ist gefährlicher als der Erfolg von gestern. Deutschlands wirtschaftliche Kraft an den Weltmärkten beruht im Kern darauf, Erfindungen und Ingenieurleistungen vergangener Jahrzehnte immer wieder perfektioniert und immer weiter modernisiert zu haben.

Aus gutem Grund lud Wirtschaftsminister Altmaier zum Digitalgipfel. Mittlerweile sind sechs der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt sogenannte Tech-Titanen, also Technologieunternehmen mit einem Börsenwert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Sie sind Wachstumstreiber der globalen Wirtschaft. SAP ist der einzige Tech-Konzern in Deutschland oberhalb dieser Bewertungsgrenze.

Daneben gibt es hierzulande drei technologische Decacorns (mehr als zehn Milliarden Dollar Börsenwert) und zehn Unicorns (mehr als eine Milliarde Dollar). Zum Vergleich: Die USA haben elf Titanen, 52 Decacorns und 184 Unicorns. China zwei Titanen, 23 Decacorns und 173 Unicorns.

Natürlich, Deutschland hat sehr gut etablierte Technologiekonzerne, eine einzigartige Vielzahl erfolgreicher Tech-Mittelständler und spannende Start-ups. Warum also sind neue deutsche Tech-Titanen so wichtig? Weil bei Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, lernende Roboter und Internet of Things (etwa vernetzte Fabriken) Größe ein entscheidender Vorteil ist. Immer öfter gilt: „The winner takes it all“.

Daher braucht Deutschland ein zukunftsfähiges Ökosystem, in dem neue große Tech-Unternehmen gedeihen können. Die Digitalisierung des Konsumsektors und des privaten Lebens ging vom Silicon Valley aus, die der Industrie sollte auch von Deutschland ausgehen. Entscheidend sind zwei Schlüsselfaktoren, die sich wechselseitig verstärken: mehr Kapital und mehr Talent.

Deutschland benötigt deutlich mehr Wagniskapital aus dem In- und Ausland. Um zu den USA aufzuschließen und auf ein vergleichbares Pro-Kopf-Niveau an Investitionen zu kommen, wären pro Jahr zusätzliche 20 Milliarden US-Dollar notwendig. Wie lässt sich das erreichen?

Eine investitionsfördernde Regulierung, verbesserte Beziehungen zu hiesigen und ausländischen Venture-Capital-Fonds und entsprechende finanzielle Anreize wären ein erster Schritt. Länder wie die USA, Großbritannien und China sind rein steuerlich attraktiver für Investoren als Deutschland.

Derzeit wird der Kapitalbedarf der Start-ups zwar gedeckt – doch Angebot und Nachfrage nach Risikokapital sind viel zu klein für die Wachstumsphasen neuer Titanen. Auch ein staatlich geförderter deutscher Investmentfonds für Technologieunternehmen wäre ein sinnvoller Beitrag.

Zweiter zentraler Faktor beim Aufbau eines Ökosystems ist die Gewinnung und Bindung von Talenten. Deutschland kann auf eine große Anzahl gut ausgebildeter Kräfte in vielen Technologiebereichen bauen. Aber: Hierzulande scheuen zu viele Ingenieure und Informatiker den Schritt in die Eigenständigkeit. Zudem: Auffallend viele erfolgreiche Gründer steigen schneller aus als in den USA.

Ihr Ziel ist es nicht, eine Branche zu revolutionieren, sie sind öfter mit einem auskömmlichen Exit zufrieden. Während 70 Prozent der Gründer globaler Tech-Titanen Ingenieurwissenschaften oder Informatik studiert haben, haben nur 30 Prozent aller deutschen Gründer von Unicorns und Decacorns einen technischen Bildungshintergrund.

Daher ist es wichtig, internationale Toptalente systematisch anzuwerben und Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Auch hier handeln deutsche Gründer verhaltener als die in anderen Ländern. Zu selten legen Start-ups hierzulande Aktienpakete für Mitarbeiter und Manager auf. Die öffentliche Hand kann hier flankieren. So gibt es in Deutschland anders als an anderen Tech-Standorten keine speziellen Steueranreize für Mitarbeiteraktien bei jungen Wagnisunternehmen.

Unterm Strich: Ein fruchtbarer Nährboden für ein Ökosystem mit schnell und nachhaltig wachsenden Tech-Unternehmen in Deutschland braucht

– den Abbau von Steuernachteilen für Investitionen,
– einen stärkeren Austausch mit VC-Fonds,
– mehr Durchhaltewille der Gründer und
– attraktivere Angebote für internationale Talente.

Deutschland braucht dringend ein solches Ökosystem, um seine Wettbewerbsfähigkeit, seinen Wohlstand und seine soziale Sicherung zukunftsfest zu machen.

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