Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastkommentar Deutschland hat zu viel Angst

Die Bilanz der Europäischen Zentralbank macht den Deutschen große Sorgen. Lorenzo Bini Smaghi hält die Risiken allerdings für beherrschbar. Dafür muss vor allem der Geldmarkt wiederbelebt werden.
  • Lorenzo Bini Smaghi
33 Kommentare
Lorenzo Bini Smaghi ist Gastprofessor in Harvard und war Mitglied des EZB-Direktoriums. Quelle: Reuters

Lorenzo Bini Smaghi ist Gastprofessor in Harvard und war Mitglied des EZB-Direktoriums.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Deutschen machen sich Sorgen um die Zukunft des Euros. Sie sehen vor allem das exponentielle Wachstum der Bilanz der Europäischen Zentralbank (EZB) und fürchten, dass sie als größte Anteilseigner den höchsten Preis zahlen müssen, wenn etwas schiefgeht. Doch trotz aller Risiken, die durchaus beachtet werden müssen, darf man auch nicht die Sicherungsmechanismen übersehen.

Schauen wir also die verschiedenen Risiken für die Bilanz des Euro-Systems an. Das größte Risiko stellen die Banken der Euro-Zone dar. Wenn eine von ihnen zusammenbricht und die Sicherheiten für ihre Kredite zu stark an Wert verloren haben, reißt das ein Loch in die EZB-Bilanz. Das ist seit dem Start des Euros noch nie passiert – mit einer Ausnahme: Als am 15. September 2008 Lehman Brothers zusammenbrach und die deutsche Finanzaufsicht „vergaß“, die deutsche Tochter zu schützen. Damals waren die Sicherheiten bei der Bundesbank nicht ausreichend. Die Verluste mussten mit allen anderen Zentralbanken – also den Steuerzahlern der anderen Länder – geteilt werden.

Am besten verhindert man das, indem die Finanzaufsicht substanziell gestärkt und so eng wie möglich an die EZB gebunden wird. Das würde für gleichmäßige Bedingungen sorgen und dem Euro-System ermöglichen, gezielt die Banken zu finanzieren, die es wirklich für überlebensfähig hält, statt auf das Urteil der nationalen Aufseher angewiesen zu sein. Aber gerade die deutsche Regierung wollte die nationale Finanzaufsicht, die Bafin, unter ihrer Kontrolle behalten, statt sie unabhängig agieren zu lassen, wie es den internationalen Standards entspricht, die das Baseler Komitee aufgestellt hat.

Ein weiteres Risiko entsteht, wenn die Sicherheiten nicht gut genug sind. Die Sicherheiten werden kontinuierlich bewertet und mit einem Abschlag hereingenommen. Wenn die Märkte fallen, muss die Zentralbank also mehr Sicherheiten verlangen. Zu einem Verlust kommt es dann nur, wenn im Schadensfall die Sicherheiten trotz Abschlag nicht ausreichen. Die Liste möglicher Sicherheiten wurde kürzlich ausgeweitet. Sie umfasst jetzt auch einzelne Bankkredite, allerdings mit einem höheren Abschlag. Das folgt der alten deutschen Tradition, dass private Wertpapiere bei der Refinanzierung des Bankensystems gegenüber Staatsanleihen nicht benachteiligt werden sollten. Und hier gilt auch: Wenn man Klarheit über den Wert der Sicherheiten bekommen will, sollte die EZB möglichst tief in die Finanzaufsicht eingeschaltet werden.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Der Geldmarkt muss wiederbelebt werden
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gastkommentar - Deutschland hat zu viel Angst

33 Kommentare zu "Gastkommentar: Deutschland hat zu viel Angst"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und Währungen sind niemals statische also unveränderliche Größen.

    Das mehr an Europa das zur Zeit in DE als Strategie angeführt wird ist ohne Fiskalunion hyperaktive Augenwischerei.

    Wie wäre es mal mit: Zum Wohle des deutschen Volkes.

  • Werter Herr Smaghi,

    natürlich sehen wir die "Sicherheitsmechanismen", nur mit anderen Augen. Wir hatten (haben) mal den ultimativen Sicherheitsmechanismis gehabt. Der war nicht in Juristen- oder Beamtensprache, sondern sehr klar und eindeutig mit
    NO BAIL OUT
    gefaßt. Ich zumindestens habe gesehen, was dieser Sicherheitsmechanismus wert war, nämlich wie der Euro nur ein Stück Papier.
    Ich habe auch gesehen, wie abhängig die EZB von der Politik ist. Darf sie eigentlich nicht.
    Ich habe auch gesehen, wie die EZB Staatsanleihen kauft. Darf sie eigentlich nicht.
    Ich habe auch gesehen, wie die EZB die Sicherheiten für Kredite auf Ramschniveau absenkt. Darf sie eigentlich nicht.
    Ich habe auch gesehen, daß die EZB trotz einer Inflationsrate über mehrere Quartale von mehr als 2% die Zinsen senkt. Darf sie eigentlich nicht.
    Ich habe auch gesehen, wie die EZB die Bilanzsumme aufpustet, so daß ein Verhältnis zwischen Risiko / Eigenmittel von über 36 entsteht. Bei einen derartigen Verhältnis bekommen selbst Zockerbanken kalte Füße. Aufgrund der Sicherung der Stabilität darf sie das eigentlich nicht.
    Ich habe auch gesehen, wie rückwirkend Recht "umgewandelt" wird, und die EZB in einer Nacht und Nebel Aktion ihre griechischen Staatsanleihen in Neue umgetauscht hat, da sie sonst pleite wäre. Darf sie eigentlich nicht.

    Ja, Herr Smaghi ich habe genug gesehen von den Sicherungsmechanismen.

  • Was kann denn passieren?
    Dass Deutschland pleite geht. Dann muss sich eben die EU neue Geldgeber suchen. Muss sie eben noch ein bisschen mehr pokern. Alles beherrschbar.

  • @Denker
    Wie schön, dass Smaghis Beruhigungspille bei Ihnen wenigstens wirkt. Wie kommt es nur, dass diejenigen, die sich in Geschichte und Währungsreformen auskennen, so furchtbar kalte Füße kriegen? NachDENKEN hilft.

  • @ Juma + digiteach:
    Was können wir tun, um das zu ereichen?

  • ... und dann muß man sich von den Lebemännern ( und -frauen) auch noch beschimpfen lassen, anstatt sich über sein eigenes Schmarotzerverhalten einmal nachzudenken.

  • .... allerdings sollte man nicht übersehen:

    Für einen erheblichen Teil der Gesellschaft(n) ist es ja wirklich eine tolle Entwicklung! Milliarden Grichischer Gelder in der Schweiz, Millionen (monatlich) an die Wirtschaftsfürsten, Milliarden für die maroden Banken, Milliarden für Rentner, Untätige und Unwillige, Milliardentransfer in den Süden (da freut man sich) und abermals Milliardenförderungen ins Nirwarna als sogenannte Wirtschaftsförderung.

    Toll (nur eben nicht, wenn man der Zahlmeier ist.

  • "Der Geldmarkt musss wieder belebt werden" ..... damit ale Beteiligten, besonders die Gesunden, ihr Geld wieder an die Kranken nverleihen und nur Teilweise zurück kriegen, oder wie?

    Die gesunden Banken schwimmen (!) in Liquidität. Die kranken auch, im EZB-Geld. Klar, da will die EZB raus. Aber sie hat die Risiken in die Bilanz geholt. Keine vernünftige und gesunde Bank springt nun ein und macht auf "Belebung des Geldmarktes" durch Ausleihung an Kranke.

    Ich halte es für sehr klug, eben nicht in weitere Risiken zu gehen. Wer "bürgt", hier die EZB, der zahlt. So ist das seit ewig!

  • Interessant, ihre Erklärung zur Traumatherapie. Man wird mit dem Trauma konfrontiert...aber nicht so wie Sie sich das vorstellen. Es bedeutet nicht, dass man sich dann z.B. nochmals vergewaltigen lässt und in der Zwischenzeit seine zu recht aufgebauten Ängste minimalisiert werden, so wie es hier der Fall ist.

  • Target2 ist die ultimative Ausplünderung aller noch solventen Eurostaaten. Aber der Euro ist alternativlos, für unsere politische Elite.

    Mehr Infos:
    http://www.querschuesse.de/target2-zeigt-die-zahlungsbilanzkrise-in-der-eurozone/
    http://www.querschuesse.de/stellungnahme-target2-bund-der-steuerzahler-in-bayern-e-v/

    Aber fürchtet euch nicht, Gollum van Rompoy arbeitet schon an einer Änderung des Lissabonner Vertrags mit dem eine dauerhafte Transferunion eingerichtet werden kann.

    To the Euro:
    One Currency to rule them all,
    One Currency to find them,
    One Currency to bring them all
    and in the darkness bind them
    In the Land of Brüssel where the Shadows lie.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%