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Gastkommentar Deutschland kann mehr fürs Klima tun

Energieversorger müssen schneller aus der Kohle aussteigen. Finanzinvestoren werden verstärkt den Fokus auf alternative Energieversorgung legen.
  • Sverre Thornes
3 Kommentare
Der Autor ist CEO von Norwegens größtem Rentenfonds KLP.
Sverre Thornes

Der Autor ist CEO von Norwegens größtem Rentenfonds KLP.

Vor Kurzem habe ich als CEO von KLP, dem größten norwegischen Rentenfonds mit einem verwalteten Vermögen von 80 Milliarden US-Dollar, bekanntgegeben, dass wir weitere 46 Unternehmen aus unserem Portfolio ausgegliedert haben, darunter auch RWE, und als erster großer Fonds weltweit aus der Kohle aussteigen.

Storebrand – ein norwegischer Fonds von ähnlicher Größe – hat sich bereits von seinen RWE-Aktien getrennt, und auch der billionenschwere norwegische Staatsfonds wird RWE wahrscheinlich aus seinem Portfolio streichen, wenn das Parlament die Empfehlung des Finanzministeriums kommende Woche ratifiziert.

Dieser Schritt gründet sich darauf, dass Kohlestrom stets höchst umweltschädigend ist. Die Wissenschaft sagt, dass in einer Welt mit einem sich wandelnden Klima kein Platz für neue Kohlekraftwerke ist – seien sie auch noch so effizient – und dass wir so schnell wie möglich aus bestehenden Kohlekapazitäten und der Kohleförderung aussteigen müssen.

Als CEO eines bedeutenden Unternehmens hoffe ich, mit dieser Entscheidung eine Botschaft an Regierungen, Investoren und die Wirtschaft zu senden, dass wir die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft selbst in die Hand nehmen können. Wir können uns gemeinsam dafür einsetzen, dass der Kohleverbrauch Schritt für Schritt zurückgefahren und das globale Energiesystem verantwortungsvoll umgebaut wird.

Es ist positiv zu bewerten, dass viele Länder mit Kohle in ihrem Energiemix Pläne zum Kohleausstieg bekanntgegeben haben, wie beispielsweise Großbritannien, wo man derzeit bereits seit mehr als zwei Wochen ohne Kohlestrom auskommt, und dass andere große Industrieländer wie die USA aufgrund der Marktentwicklung ihre Kohlekraftwerke ebenfalls zurückfahren.

Deutschlands Ja zum Kohleausstieg bis 2038 – oder 2035, wenn sich der Ausbau der Erneuerbaren beschleunigt – ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber wir fragen uns, ob dieses Ziel ambitioniert genug ist. Laut Bundesumweltministerin Svenja Schulze wird der Kohleausstieg voraussichtlich „viel schneller“ als 2038 gelingen. Wir sind optimistisch, dass Deutschland das schafft.

Verantwortungsvolle Unternehmen und Regierungen kalkulieren die eindringliche Warnung des Weltklimarats IPCC ein, dass die bestehende weltweite Flotte an Kohlekraftwerken bis 2030 um zwei Drittel reduziert werden muss, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das bedeutet, dass auch Kohlebergwerke und -tagebaue so schnell wie möglich geschlossen und renaturiert werden müssen.

Wir sind zuversichtlich, dass der Wandel gelingt und KLP rasch wieder in deutsche Energieunternehmen investieren und seine Rolle als verantwortungsbewusster langfristiger Anteilseigner im deutschen Energiesektor erfüllen kann. Der Schritt weg von der Kohle ist Teil eines dualen globalen Engagements, bei dem wir gleichzeitig unsere klimafreundlichen Investitionen erhöhen.

Die Kohle sieht ihrem Ende entgegen, und Investoren werden nach alternativen Investitionsmöglichkeiten suchen. Das bedeutet, dass Investitionen in erneuerbare Energien, Netze und Speicher rasant steigen werden.

Wenn RWE den Übergang zu sauberer Energieerzeugung nicht schneller hinbekommt, hat das Unternehmen allen Grund zur Sorge. Bereits mehr als hundert weltweit agierende Finanzinstitute haben die Kohle aus ihrem Portfolio ausgegliedert, und es werden vermutlich bald weitere wichtige Akteure folgen. Der Weg zum Ausstieg wird immer mehr zum Sprint.

Wenn eine kleinere Inselwirtschaft wie Großbritannien es schafft, seine Stromerzeugung vollkommen kohlefrei zu gestalten, dann gibt es keinen Grund, warum Deutschland seine erneuerbaren Energien nicht so weit ausbauen kann, dass dies hier ebenso gelingt. Norwegische Unternehmen beobachten die Entwicklung in Deutschland sehr genau. Erdgas aus Norwegen ist bestenfalls eine Übergangslösung, jedoch keine nachhaltige finale Lösung für eine klimafreundliche Gesellschaft.

Die Bundesregierung und die deutschen Energieversorger verfügen über die Ressourcen und den Einfluss, um die europäische Energiefinanzierung mitzugestalten, und das in erheblichem Maße. Jetzt bietet sich für sie die Chance, Europa von fossilen Brennstoffen zu befreien. Das würde auch ein starkes Signal an Länder wie China und Japan senden, beim Kohleausstieg mitzuziehen, um unseren Planeten zu retten.

Mehr: Die Grünen treiben die GroKo beim Kohleaussteig vor sich her. Ein Plan listet auf, welche Meiler bis 2022 entschädigungsfrei vom Netz gehen könnten.

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3 Kommentare zu "Gastkommentar: Deutschland kann mehr fürs Klima tun"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Bundesregierung und die deutschen Energieversorger verfügen über die Ressourcen und den Einfluss, um die europäische Energiefinanzierung mitzugestalten, und das in erheblichem Maße. Jetzt bietet sich für sie die Chance, Europa von fossilen Brennstoffen zu befreien.... und es gibt bereits revolutionäre Alternativen der Energienutzung.Holger Thorsten Schubart, CEO des deutsch-amerikanische Forschungsunternehmen NEUTRINO ENERGY Group hat die Entwicklung eines innovativen High-Tech-Materials auf Basis einer Vielzahl von dotiertem Kohlenstoff und Silizium zum Abschluss gebracht, mit dem ein Teil der kinetischen Energie von Partikeln des unsichtbaren Strahlungsspektrums in Elektrizität umgewandelt wird. Derzeit werden die ersten industriellen Muster des sogenannten NEUTRINO POWER CUBE, eines Geräts, das saubere Energie liefert, in Deutschland unter Laborbedingungen getestet. Hier werden wir noch viele Innovationen erwarten.https://www.berliner-zeitung.de/ratgeber/sote/sauberer-strom-holger-thorsten-schubart-und-neutrino-energy-group--32650742#

  • Alle sprechen über Klima und übersehen das wichtigste dabei.
    Aus CHINA wird das meiste Importiert und in China kümmert sich weder Staat noch die Bevölkerung um das Klimawandel.
    Die Europäische Union führt regelungen für alles ein, also warum nicht auch KENNZEICHNUNGSPFLICHT in ALLE WERBUNGEN & Flyers innerhalb der EU um sofort erkennen zu können woher die Ware " MADE IN " ist ?
    Bei Gemüse funktioniert es, also warum nicht auch bei allem anderen ?
    Dabei kann dann der Verbraucher sich für oder gegen Umweltschutz einsetzen und ein paar Euro dafür als auch für die bewahrung von Arbeitsplätzen in Europa.

    Und wer in Frankfurt wohnt kauft Umweltbewußter wenn man auch aus Frankfurt nicht nur Gemüse sondern auch alles andere kauft.
    TRANSPORTWEGE SIND GIFT FÜR DEN KLIMA !!!

    Doch nun hat man in Europa die Grünen gewählt und die machen alles nur Grüner durch Lackieren von Autobahnen in grüne Farbe ( natürlich Wasserlösende Farben :-))) ), aber in den kommenden 10 Jahren wird in ganz Europa rein keinerlei Partei etwas Positives für den Umweltschutz machen können weil diese EU sogar EIN DRITTEL MEHR AUS CHINA IMPORTIERT als daß die EU nach CHINA exportiert.

    Freitags die Schule schwänzen für die Zukunft ist nicht logisch da die Hauptschüler heutzutage einen durchschnitt von 4,5 als Abschlusszeugnisnoten haben oder es abgebrochen haben in Deutschland.
    Einen Impotverbot für Chinesische Waren wäre das richtige !!!
    Zumindestens solange bis tatsächlich chinesische bewegungen erkennen lassen in richtung klimaschutz.
    Gegen Globalisierung ist so etwas nicht sondern nur einen der Wege um China zu erzwingen sich dem Klimawandel und dessen Klimaschutz zu unterordnen und zum mitmachen zu erzwingen.

    UND ES WAR DANN DER WILLE DES VOLKES DASS DURCH SEINE WAHLEN DIE WELT ZUM MITMACHEN ERZWINGT.

    Denn CHINA IST AUF KOSTEN DES KLIMASCHUTZES BILLIGERER HERSTELLER ALS ETWA DIE EUROPÄER.

    KLIMASCHUTZ BEDEUTET DANN AUCH KLIMASCHÄDLICHE HERSTELLUNGEN NICHT ZU KAUFEN !

    Was wollen wir also ?



  • Wie auch in dem Kommentar von Herrn Thomes angedeutet ist Erdgas keine entscheidend bessere Alternative als Kohle; zwar mit geringeren CO2-Emissionen, aber nicht CO2-emissionsfrei. Wir benötigen aber eine Energiequelle für Zeiten, an denen die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, was übrigens häufig genug im Jahr vorkommt. Es bleibt nur die Kernenergie, die Deutschland abschaffen will, in dem zitierten Großbritannien sogar noch ausgebaut wird. Wir können mittelfristig nur dann zu einer CO2-freien Energieerzeugung kommen, wenn wir die Kernenergie beibehalten und ausbauen, andernfalls geht es sinnvoll nicht ohne Kohle. Ehe wird entsprechende Speicher zur Überbrückung der wind- und sonnenarmen Zeiten haben, wird noch viel Zeit vergehen.

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