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Gastkommentar Deutschland macht sich zu abhängig von sterbenden Industrien

Deutschland braucht dringend neue wirtschaftliche Standbeine, bevor die alten weggezogen werden. Doch es fehlen die Macher. Bestes Beispiel: die Autoindustrie.
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Eine der wichtigsten deutschen Branchen macht 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, setzt jedoch kaum auf Digitalisierung. Quelle: obs
Autoindustrie

Eine der wichtigsten deutschen Branchen macht 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, setzt jedoch kaum auf Digitalisierung.

(Foto: obs)

Ich hasse Meckern. Aber eines muss ich nun doch sagen: Deutschland macht sich viel zu abhängig von sterbenden Industrien. Anstatt neue Industrien und Technologien mit aller Kraft zu fördern, debattieren wir. Als Start-up-Investor erlebe ich es beinahe jeden Tag: Deutschland mag das Land der Dichter und Denker sein. Das Land der Macher ist es nicht.

Mein aktuelles Lieblingsbeispiel ist die Automobilindustrie. Der Umsatz der gesamten deutschen Automobilindustrie entspricht 13 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Knapp 1,8 Millionen Arbeitsplätze sind von der hiesigen Autoproduktion abhängig. Die Branche allerdings ist in Gefahr, denn von den Vorzügen der Digitalisierung macht sie nur zögerlich Gebrauch, während die Welt sich rasant verändert.

Christian Miele ist Start-up-Investor und Partner des Venture-Capital-Fonds Eventures. Quelle: e.ventures
Der Autor

Christian Miele ist Start-up-Investor und Partner des Venture-Capital-Fonds Eventures.

Ein Beispiel: Ein normales Auto wird heute nur durchschnittlich fünf Prozent seiner Lebensdauer gefahren. Im Umkehrschluss steht es zu 95 Prozent ungenutzt herum. Durch die Vorteile des autonomen Fahrens und die Freiheiten, die sich für die Fahrer ergeben, wird sich diese Zahl jedoch verringern. Das Auto steht weitaus weniger herum, wird plötzlich zehn Prozent seines Lebens gefahren, so konservative Schätzungen.

Von dieser Entwicklung profitieren allerdings nur jene Hersteller, die sich auf Automation eingestellt haben. Die restlichen Anbieter, und das wird mindestens die Hälfte der gesamten Branche sein, werden verschwinden. Denn wir brauchen einfach weniger Autos. Dazu kommt, dass Verbraucher künftig kaum noch Wert auf deutsche Automarken legen werden, sondern viel mehr auf Verfügbarkeit: Es ist egal, welches Auto sie befördert, egal ob BMW, Audi oder Mercedes. Hauptsache, es ist möglichst immer und schnell verfügbar.

Nicht ohne Grund sind Fahrdienstleister wie Uber, Didi oder Grab so erfolgreich. Und deren Flotten werden von japanischen Herstellern geprägt sein. Zusammen mit dem Umstieg auf umweltfreundlichere Elektromotoren, die Deutschland nur zaghaft vorantreibt, werden laut Schätzungen des britischen Magazins „The Economist“ sogar schon bald 90 Prozent der gesamten Autoindustrie aufgeben müssen.

Hunderttausende Arbeitsplätze sind in Gefahr

In Gefahr: Hunderttausende Arbeitsplätze, Standorte und ganze Marken, vor allem in Deutschland. Für mich ist es eindeutig, dass wir umdenken müssen.

Wir brauchen neue Standbeine, bevor uns die alten weggezogen werden. Wir könnten Vorreiter in den Bereichen Blockchain, künstliche Intelligenz, Quantum Computing, Virtual Reality und Augmented Reality werden. In diesen wichtigen Innovationsbereichen werden die Karten weltweit neu gemischt. Wenn wir uns zu den unternehmerischen Wurzeln bekennen, die unser Land groß gemacht haben, können wir hier Weltspitze werden.

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