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Gastkommentar Deutschland muss jetzt den Mut haben, Digitalisierung radikal zu Ende zu denken

Die Pandemie ist eine Chance für Deutschland. In der Folge sollte es einen Digitalisierungsschub geben – und in Unternehmen dauerhaft digitale Hauptversammlungen.
05.07.2020 - 17:31 Uhr Kommentieren
Johannes Teyssen ist Vorstandsvorsitzender des Versorgers Eon SE. Quelle: Hermann Bredehorst / Polaris/laif
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Johannes Teyssen ist Vorstandsvorsitzender des Versorgers Eon SE.

(Foto: Hermann Bredehorst / Polaris/laif)

Covid-19 kann zur Zeitenwende werden. Für Deutschland ist das Virus eine Chance, der Innovationsmacht der amerikanischen und chinesischen Digitalwirtschaft nach mehr als einer Dekade des internationalen Bedeutungsverlusts endlich etwas entgegenzusetzen. Die Pandemie zwingt uns mit Macht, innovativ und mutig zu sein.

Geschichte wiederholt sich zwar nicht. Doch nach großen Pandemien setzte schon häufig ein Innovationsschub ein. Nach der spätmittelalterlichen Pest begann mit der Renaissance eine Epoche der Erneuerung. Nicht zufällig fällt die Erfindung des Buchdrucks als Teil einer aus der Krise notwendig gewordenen Hinwendung zur Automatisierung in die Zeit nach der großen Pandemie.

Dieser Tage steht erneut ein disruptives Medium im Mittelpunkt einer Zeitenwende. Eine neue, digitale Kultur bricht sich ihren Weg durch Mauern, die zuvor als unerschütterlich galten. Inmitten der Coronakrise entsteht neues Vertrauen in teils gar nicht neue Instrumente. Instrumente, die wir bislang nur nicht radikal genug genutzt haben.

Mutet es heute nicht fast schon „mittelalterlich“ an, dass Arbeit ein fester Ort ist? Oder dass wir um die Welt reisen müssen, um unser Geschäft zu betreiben? Und ist es nicht ebenso mittelalterlich, dass in Deutschland im Jahr 2020 Betriebsräte qua Gesetz nur dann beschlussfähig sind, wenn sie sich gemeinsam in einem Raum versammeln?

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    Oder dass die Eigentümer einer Aktiengesellschaft zur Hauptversammlung zwingend in einer Halle zusammenkommen müssen? Dass Behörden und Verwaltungseinrichtungen nur dann entscheiden können, wenn alle Betroffenen zusammensitzen?

    Das prominente Beispiel Tesla zeigt, dass Investitionen in Schlüsseltechnologien am Standort Deutschland zum Stillstand kommen, weil es bislang keine Alternativen zur Präsenzanhörung gibt. Doch warum müssen Betroffene zur Anhörung reisen und Lkw-Ladungen an kopierten Papieren ausgelegt werden? Die Post kommt ja schließlich auch nicht mehr mit dem berittenen Kurier.

    Digitale Anhörungsverfahren würden die Behörden entlasten und zu beschleunigten Genehmigungsentscheidungen und zügiger Rechtssicherheit führen.

    Corona muss nicht nur der deutschen Wirtschaft, sondern auch der Verwaltungs- und Rechtspraxis einen deutlichen, digitalen Schub verleihen. Doch zu viele Verbesserungen sind bisher nur befristet ermöglicht worden.

    Mehr Leistungsfähigkeit möglich

    Ein Beispiel dafür sind virtuelle Hauptversammlungen deutscher Unternehmen: Sie sind ein toller Fortschritt! Denn die Präsenz bei den digitalen HVs ging merklich nach oben. Auch viele ausländische Aktionäre und Kleinsparer konnten zum erste Mal teilnehmen.

    Weitere Verbesserungen sind aber möglich: mit vorlaufenden virtuellen Diskussionsräumen, gern auch mit einer Chat-Funktion für Nachfragen. So würden offenere Diskussionen ohne rigide rechtliche Grenzen und seelenlose Hallen ermöglicht.

    Wäre es im Sinne gelebter Aktionärsdemokratie nicht konsequent, wenn der Gesetzgeber diese Option jetzt auch dauerhaft öffnet und die Anteilseigner künftig selbst abstimmen lässt, ob ihre Hauptversammlung online oder vor Ort stattfinden soll? Voraussetzung ist, dass es nicht bei der Vorläufigkeit der geänderten Rechtsvorschriften bleibt.

    Ähnliches gilt für das Betriebsverfassungsgesetz. Wäre es nicht temporär gelockert worden, wäre die betriebliche Mitbestimmung wegen der Präsenzpflicht gerade während des Lockdowns – als die enge Verständigung besonders wichtig war – nahezu lahmgelegt worden.

    Eine Beschleunigung betrieblicher Verfahren kann die Leistungsfähigkeit deutscher Unternehmen erhöhen und partizipatorische Elemente noch stärken. In Zeiten, in denen Arbeitgebergremien längst virtuell tagen und entscheiden, sollte es auch selbstverständlich sein, dass Betriebsräte diese Möglichkeit bekommen.

    Ohne die nötige Infrastruktur geht es nicht. Die versprochene Ausbau-Offensive bei Breitband- und Mobilfunkabdeckung muss daher rasch Realität werden. Parallel dazu arbeiten wir an der grünen Elektrifizierung des Lebens und Arbeitens.

    Angetrieben durch sauberen Strom und kluge Algorithmen wird sie uns leistungsfähiger machen und das Fenster aufstoßen zu einer neuen Epoche der Innovation.

    Der Gesetzgeber hat jetzt die historische Chance, die Erfahrungen aus den Experimenten der letzten Monate zu nutzen. Die Digitalisierung hat uns massiv geholfen, die Krise bislang so gut zu überstehen.

    Umso mehr sollte Deutschland den Mut haben, Digitalisierung jetzt radikal zu Ende zu denken, überkommene Gesetze und Verordnungen konsequent abzuschaffen und Ernst zu machen in Schulen, Verwaltung, Wirtschaft und öffentlichem Leben mit einer digitalen Kultur des 21. Jahrhunderts.

    Mehr: Stromkonzerne wittern das große Geschäft mit Wasserstoff.

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