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Gastkommentar Deutschland und die USA müssen ihre Kooperation erneuern

Die USA und Europa stehen im Wettbewerb mit autoritären Systemen. Daher muss die Partnerschaft auf beiden Seiten des Atlantiks neu belebt werden, fordert Deutschlands USA-Botschafterin Emily Haber.
21.01.2021 - 16:32 Uhr Kommentieren
Emily Haber ist Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in den USA. Quelle: Matthias Luedecke / ullstein bild [M]
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Emily Haber ist Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in den USA.

(Foto: Matthias Luedecke / ullstein bild [M])

Gelegentlich suche ich in Washington einen Ort auf, den viele vielleicht nicht kennen: An prominenter Stelle, an der Constitution Avenue, zwischen dem Weißen Haus und dem Washington Monument, liegt der German-American Friendship Garden. Dort, auf der Achse zweier herausragender Symbole Amerikas, dort, wo jede Schulklasse, jeder Amerikaner zu Besuch in der Hauptstadt vorbeikommt, erinnern die USA an die Freundschaft zu uns.

Eingeweiht wurde der Garten 1988, vor dem Fall der Mauer und vor der Wiedervereinigung. Wenig später erklärte Präsident Bush senior, Deutschland und die USA würden „Partners in Leadership“ werden.

Wenn ich nun im Januar vor dem Garten stehe, sehen manche Pflanzen etwas trostlos aus. Zwischen den verwelkten Blüten ist etwas Unkraut zu erkennen. Etliche Pflanzen müssen ersetzt werden.

„Partners in Leadership“ – dieser Ausdruck wurde und wird oftmals missverstanden. Es geht nicht darum, dass Deutschland eine „Führungsrolle“ übernimmt, wie das manchmal, missverständlich ins Deutsche übersetzt, verstanden wird. Der Begriff „leadership“ hat in Amerika einen anderen, einen rundherum positiven Klang. „Leadership“ wird in den Schulen als erstrebenswertes Ziel, als Übernahme von Verantwortung angesehen.

„Service is leadership“ liest man zurzeit auf manchen Schildern in Vorgärten, mit denen für den unermüdlichen Einsatz der „essential workers“, vor allem im Gesundheitswesen, gedankt wird. Darum geht es: Verantwortung übernehmen.

Als Präsident Bush senior den Deutschen zur Wiedervereinigung gratulierte, sagte er zutreffend voraus, dass die Zukunft neue Herausforderungen bringen würde. Er war überzeugt, dass man diese auf der Basis gemeinsamer Werte gemeinsam bewältigen werde. Wer heute kritisch auf Meinungsverschiedenheiten oder Fehlentwicklungen in vergangenen Jahren oder Jahrzehnten verweist, hat nicht per se unrecht.

Es gibt eben keinen Automatismus in der Zusammenarbeit; stets müssen die transatlantischen Beziehungen mit Leben gefüllt werden. Der Kern bleibt aber richtig: Wir teilen Werte wie Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, und wir sind erfolgreich, wenn wir zusammenarbeiten. Nichts hat sich an dieser Grundanalyse geändert.

Wettbewerb der Systeme

Geändert haben sich die Rahmenbedingungen: Westlich-liberale Demokratien werden autoritär-illiberal herausgefordert, China ist zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Erde aufgestiegen und wird weiter wachsen. Pandemie und Klimawandel bedrohen weltweit das Leben, wie wir es kennen. Auf diese Herausforderungen kann es keine nationalen Antworten geben.

Europa und Amerika müssen nun „Partners in Leadership“ werden. Wirtschaftlich stehen wir im Wettbewerb, aber wir dürfen uns nicht als Rivalen verstehen. Wir teilen Vorstellungen über die Rechtsstaatlichkeit unserer Gesellschaften. Wir teilen Vorstellungen darüber, welche Wertvorstellungen, Normen und Standards die Technologien von morgen definieren müssen. Welche Normen und Standards sich dort durchsetzen, wird immense Rückwirkungen auf unsere Gesellschaften haben.

Denn Technologie ist die Arena für den Wettbewerb der Systeme von heute: Können rechtsstaatliche und demokratische Staaten dort die Führung behalten oder sind es autoritäre Systeme, die Wettbewerbsvorteile für die Datenökonomien und Kommunikationssysteme von morgen nutzen können?

Diese Frage wird am Ende mit darüber entscheiden, ob sich unsere demokratischen Gesellschaften behaupten können. Da, wo wir von unterschiedlichen Traditionen kommen oder durchaus unterschiedliche Interessen haben – etwa bei der digitalen Besteuerung oder beim Datenschutz, müssen beide Seiten Brücken bauen – oder lernen, mit Unterschieden noch besser umzugehen. Entscheidend ist, worüber wir uns einig sind: weil dies existenziell ist.

In Amerika gibt es ein geflügeltes Wort, das in jedem Wahlkampf, aber nicht nur dann, zu hören ist: „The best is yet to come“. Mit dieser optimistischen Grundhaltung lässt sich vieles besser bewältigen. Warum sollte dies nicht für die transatlantischen Beziehungen gelten?

Mehr: Biden-Berater Nicholas Burns: „Es hat mich abgestoßen, wie Trump Kanzlerin Angela Merkel behandelt hat“

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