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Gastkommentar Die abkühlende US-Wirtschaft ist Trumps größtes Problem

Gerne rühmt sich Trump mit der florierenden US-Wirtschaft – doch 2019 wird der Boom enden. Einer möglichen Wiederwahl legt das Steine in den Weg.
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Die Wachstumswelle war bereits im achten Jahr, als Donald Trump im Januar 2016 sein Amt antrat, so Robert Shapiro.
Shapiro Robert

Die Wachstumswelle war bereits im achten Jahr, als Donald Trump im Januar 2016 sein Amt antrat, so Robert Shapiro.

Bei aller Sorge wegen der Ermittlungen von Robert Mueller hat US-Präsident Trump bei seinen Planungen für eine Wiederwahl im November 2020 noch mit einem ganz anderen Faktor zu kämpfen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich die US-Volkswirtschaft im Laufe dieses Jahres ernsthaft abschwächen.

Eine solche Entwicklung läuft Trumps permanent aufgestellter Behauptung, ein meisterlicher Manager der US-Wirtschaft zu sein, zuwider. Die bisher längste volkswirtschaftliche Expansion in der Geschichte der USA dauerte zehn Jahre und erstreckte sich von März 1991 bis zum März 2001. Die derzeitige US-Expansion wird diesen stolzen Meilenstein Mitte 2019 erreichen.

Allerdings war diese Wachstumswelle bereits in ihrem achten Jahr, als Donald Trump im Januar 2016 sein Amt antrat. Alle Konjunkturzyklen gehen irgendwann zu Ende. Daher ist ein wirtschaftlicher Abschwung in absehbarer Zeit eine Frage des „Wann“, also des genauen Zeitpunkts, aber nicht des „Ob“.

So lässt sich im aktuellen US-Konjunkturzyklus beobachten, dass die Verbraucher den Kauf neuer Wohnungen und kostenträchtiger Gebrauchsgüter weiter einschränken. Trendverstärkend kommt hinzu, dass das Durchschnittseinkommen der US-Haushalte in den letzten 20 Monaten der Inflationsrate hinterherhinkte.

Da sich die Nachfrage der Verbraucher weiter abkühlt, werden sich auch die Neuinvestitionen und die Einstellung von neuen Mitarbeitern aufseiten der Unternehmen verlangsamen. Das US-Wirtschaftswachstum dürfte 2019 auf Gesamtjahresbasis insgesamt auf zwei Prozent oder leicht unter diese Schwelle fallen. Perspektivisch zeichnet sich dabei der Beginn der nächsten Rezession in den USA für Ende 2019 oder Anfang 2020 ab.

Die absehbare Entwicklung der US- Wirtschaft 2019 und 2020 lässt sich schlecht mit Trumps Selbstverständnis als ein Top-Performer in allen Lagen vereinbaren. Robert J. Shapiro – ehemaliger Staatssekretär im US-Wirtschaftsministerium

Zwar haben Trump und der republikanische Kongress versucht, die derzeitige wirtschaftliche Expansion in ihrem späten Stadium mit erheblichen Steuersenkungen neu zu beleben. Ihre Steuerreformen waren aber zu sehr auf die Spitze der Einkommensskala fokussiert, um volkswirtschaftlich einen nützlichen Effekt zu haben.

Die beschlossenen Maßnahmen führten 2018 zwar kurzfristig zu einem Anstieg der amerikanischen Unternehmensinvestitionen und des allgemeinen Wachstums. Aber trotz des starken steuerlichen Impulses blieben diese Investitionen und das Wachstum hinter den Werten zurück, die zuvor in den lang anhaltenden Wachstumsphasen der 1980er- und 1990er-Jahre an vergleichbaren Punkten des jeweiligen Zyklus erreicht wurden.

Die Renditekurve sinkt

Vor allem wandten die US-Unternehmen diesmal einen Großteil ihrer Steuerersparnisse nicht für produktive Investitionen auf, sondern für Aktienrückkäufe. Diese beliefen sich im Jahr 2018 auf rund 1,1 Billionen Dollar. Ohne Abschreibungen gerechnet, erreichten die US-Unternehmensinvestitionen 2018 voraussichtlich eine Summe von 550 Milliarden Dollar.

Das ist nur die Hälfte dessen, was die Unternehmen 2018 für den Rückkauf ihrer eigenen Aktien ausgegeben haben! Die sich verschlechternden Aussichten für die US-Wirtschaft sind von den Anlegern weltweit aufmerksam registriert worden. Der beste Beleg dafür, dass ihr Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft abgenommen hat, ist nicht so sehr der Rückgang der Aktienkurse, sondern es sind die Entwicklungen an den Anleihemärkten.

Die schlechte Nachricht für Trump ist, dass sich die Renditekurve bereits dramatisch abgeflacht hat. Bei seinem Amtsantritt lag die Rendite von einjährigen Treasury-Wertpapieren bei 0,82 Prozent, das heißt 148 Basispunkte unter dem Wert von 2,48 Prozent für zehnjährige Anleihen war. Ende 2018 hat sich diese Renditedifferenz auf nur 20 Basispunkte verringert.

Die Umkehrung der Zinsstrukturkurve ist das verlässlichste Maß, das Ökonomen haben, um den Eintritt einer Rezession vorherzusagen. Nach Analysen der Federal Reserve Bank von San Francisco ist eine solche Verschiebung der Zinsstrukturkurve seit 1960 jeder Rezession in den USA um jeweils etwa ein Jahr vorausgegangen. Von dieser Regel gibt es nur eine einzige Ausnahme (1966).

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die US-Wirtschaft Trump bei seiner möglichen Wiederwahl gar nicht oder kaum helfen wird. Eine solche Entwicklung lässt sich schlecht mit seinem Selbstverständnis als ein Top-Performer in allen Lagen vereinbaren. Wir Ökonomen können weder mit Sicherheit sagen, wann genau die nächste Rezession eintreten wird, noch können wir deren Tiefe oder Dauer vorherbestimmen.

Was wir aber aufgrund der vorliegenden Daten verlässlich sagen können, ist, dass sich die US-Wirtschaft im Jahr 2019 abschwächen wird, bevor sie dann in die Endphase des aktuellen Konjunkturzyklus eintritt.

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