Gastkommentar Die Bürger fühlen sich getäuscht

Die Kreditaffäre um Christian Wulff beschädigt das Amt des Bundespräsidenten, weil sie Vertrauen zerstört. Schlimmer jedoch wäre der Schaden, wenn Wulff deshalb zurücktreten müsste. Ein Gastkommentar.
  • Manfred Güllner
23 Kommentare
Prof. Dr. Manfred Güllner ist Geschäftsführer der Forsa-Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen. Quelle: EduardN F i e g e l

Prof. Dr. Manfred Güllner ist Geschäftsführer der Forsa-Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen.

(Foto: EduardN F i e g e l)

Das Amt des Bundespräsidenten ist die politische Institution in Deutschland, der die Bürger das höchste Vertrauen entgegenbringen. Im von Forsa für den „Stern“ durchgeführten Institutionen-Vertrauens-Barometer erhält der Bundespräsident Vertrauenswerte zwischen 75 und 80 Prozent – so viel wie sonst nur noch die Sicherheitsorgane (Polizei), die Wissenschaft (Universitäten) oder die Medizin (Ärzte). Zum Vergleich: Zur Regierung, zu den Parlamenten oder zu den politischen Parteien haben nur 40 oder gar noch weniger Prozent Vertrauen. Nach dem Rücktritt von Horst Köhler droht jetzt Christian Wulff das Vertrauen der Deutschen ein zweites Mal zu enttäuschen.

Das hohe Vertrauen zum Bundespräsidenten rührt nicht zuletzt daher, dass er der Alltags-Politik entrückt sein soll. Die Bürger haben nämlich das verinnerlicht, was die vielen Väter und wenigen Mütter des Grundgesetzes nach den leidvollen Erfahrungen der Weimarer Republik wollten: die Konzentration der Staatsmacht auf das Kanzleramt und einen Präsidenten, der nur repräsentative Aufgaben zu erfüllen hat. Der Präsident soll sich folgerichtig nicht in die Niederungen der Parteipolitik begeben, sondern als eine Art „Ersatz-Monarch“ über den Parteien stehen, das Land gut vertreten und hin und wieder ein paar bedeutsame Worte sagen.

So wie das Amt des Außenministers noch jedem Amtsinhaber – außer Guido Westerwelle – seit 1955 zu hohem Ansehen verholfen hat, so hat das hohe Vertrauen zur Institution des Bundespräsidenten bisher auch jedem Präsidenten schnell große Reputation gebracht. Wurde wie Johannes Rau ein politisch zuvor sehr exponierter Anwärter Präsident, dauerte es etwas länger, bis sich die Akzeptanz des Amts auch auf den Inhaber übertrug. Bei Rau waren es die Anhänger der Union, die gegen ihn als „Sozen“ zunächst Vorbehalte hatten; doch nach kurzer Zeit war auch er ein von allen Schichten des Volkes akzeptierter Präsident. Horst Köhler hatte den Vorteil, dass er von außerhalb des „Politik-Zirkus“ kam und deshalb bald geachtet wurde.

Köhlers Rücktritt allerdings hat dem Ansehen des Amtes schweren Schaden zugefügt; denn einfach die Brocken hinwerfen, das darf der Präsident nach Meinung der Bürger nicht. Der Vertrauenswert des Präsidentenamts sank zum ersten Mal deutlich unter die 50-Prozent-Marke. Mit Christian Wulff, der es ja schon in seiner aktiven Politikerzeit verstanden hatte, sich parteipolitisch nicht zu sehr zu exponieren, kehrte das Vertrauen zum Amt aber langsam wieder zurück. Die eher mühsame Kandidatenkür und Wahl von Wulff hat das auch nicht sonderlich erschwert. Das wieder vorhandene Vertrauen in die Institution des Bundespräsidenten schützte dann den Amtsinhaber Wulff zunächst, als gegen ihn Vorwürfe wegen seiner „Kreditaffäre“ oder eher zweifelhafter Urlaubsreisen erhoben wurden.

Vertrauen in die Medien hat gelitten
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gastkommentar - Die Bürger fühlen sich getäuscht

23 Kommentare zu "Gastkommentar: Die Bürger fühlen sich getäuscht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Anonymer Benutzer: gardengirl
    Mir stößt am meisten die Schlammschlacht der Medien - diese sind zur Zeit mehr als verkommen- auf. Da kann ich die Unglaublichkeiten des Bundespräsidenten beinahe nicht mehr sehen. Jeden Tag gräbt einer dieser "Totengräber" eine neue miese Story aus, um wieder jemanden zu demontieren. Das sehe ich nicht als Berichterstattung an, sondern díes ist ganz mieser Stil. Über diese neue Form der Medien könnte mal jeder einzelne "Gerechte" nachdenken. Die Menschen sind anscheinend so etwas von ehrlich und gut, ich kann es nicht mehr lesen. Das nächste Mal würde ich einen Engel als Präsidenten vorschlagen, ohne Vorgeschichte, ohne irgendwelche Mängel, eben ein Engel !!!

  • Anonymer Benutzer: gardengirl
    Mir stößt am meisten die Schlammschlacht der Medien - diese sind zur Zeit mehr als verkommen- auf. Da kann ich die Unglaublichkeiten des Bundespräsidenten beinahe nicht mehr sehen. Jeden Tag gräbt einer dieser "Totengräber" eine neue miese Story aus, um wieder jemanden zu demontieren. Das sehe ich nicht als Berichterstattung an, sondern díes ist ganz mieser Stil. Über diese neue Form der Medien könnte mal jeder einzelne "Gerechte" nachdenken. Die Menschen sind anscheinend so etwas von ehrlich und gut, ich kann es nicht mehr lesen. Das nächste Mal würde ich einen Engel als Präsidenten vorschlagen, ohne Vorgeschichte, ohne irgendwelche Mängel, eben ein Engel !!!

  • Wie geht der Herr Wulff mit eigenen Mitarbeitern um? Wurde hier bereits einmal recherchiert??? Nach Erkenntnis der letzten Tage, lässt er keine großen Chance zu, oder? Man (so sein Wortlaut) sollte die Mitarbeiter anonym befragen und dann das Ergebnis walten lassen. Ist oder war er je ein guter Vorgesetzter, der anderen Mitarbeitern immer und immer wieder eine Chance gewährt hat und verständnisvoll behandelt hat? Wäre dem so, so hätte auch er sich die Chance erdient ! Aber keiner fragt nach, warum nur nicht, es würde ein klares Bild geben......

  • Wenn das Amt des Bundespräsidenten dasjenige ist, dem die Bürger das größte Vertrauen entgegen bringen, dann darf es nicht von einem derart dreistbiederen Vertreter der politischen Kaste ausgefüllt werden.

    Wenn ein Land seinem Präsidenten ein fürstliches Salär inklusive abschließender Versorgung bis ans Lebensende, repräsentative Behausungen, Langstreckenflüge und mediale Aufmerksamkeit zukommen lässt, so darf es im Gegenzug ein Minimum an Respekt vor Amt und Bürger sowie eine gewisse moralische Grundausstattung erwarten. Beides fehlt Wulff.

    Der Mann will einfach nichts weiter, als dort bleiben, wo er ist: Oben. Ein typischer Emporkömling, dem jegliches Gespür für die - geliehene - Grundlage seines Erfolges fehlt. Jemand wie Wulff kann kein Amt beschädigen, indem er es aufgibt. Er beschädigt es, indem er sich hilflos daran klammert.

    So sieht Elite im Jahr 2012 in Deutschland also aus: Ein schmerzfreies Rudel von Geistern minderer Qualität, die ihren nach sozialer Auslese erworbenen Platz am Fleischtrog mit Zähnen und Klauen verteidigen. Exponierte Exemplare wie der Duisburger Bürgermeister Sauerland und der Bundespräsidenten Wulff können als Brüder im Geiste gelten.

  • Ich glaube der Kommentator lebt in einer anderen Welt! Habe ich da etwas nicht mitbekommen? Hat er sich das Gehabe und die Lügerei des Herrn Wulf schöngetrunken oder nimmt er Drogen?

  • Nach der Fernsehbefragung wurde der Mensch Wulff erkennbar. Der Druck lastet auf ihm, wenn die wirklich verbliebenen Vorteile ausgeräumt sind, sollte man ihm Besuche bei alten Freunden doch zugestehen.
    Vielleicht wird er doch noch für die Rechte des deutschen Volkes gegen die Krake EU gebraucht, denn da sieht es ganz finster aus.

  • Eine Jämmerliche Erklärung des Bundespräsidenten Wulff.Kein Wort darüber wie das Deutsche Volk geteuscht wurde.Stattdessen will er weiter bei Freunden Urlaub machen dieses Weichei.Es ist beschämend und beängstigend von solchen
    Personen im Ausland vertreten zu werden.

  • Die Überschrift ist falsch, denn dieser Präsident war nie einer der Bürger, deshalb kann man die in diesem falle auch nicht täuschen. Er ist der Suppenkasper der Schwarz-Gelben Regierung und wenn der Bürger getäuscht wird, dann eben eben dieser.

    Viel interessanter als die Frage wann Wulff rücktrittsreif geschossen ist, ist vielmehr wer den Startschuss dafür gegeben hat und besonders bemerkenswert in welcher Geschlossenheit die Medien ihn seit 3 Wochen diesbezüglich täglich mehrfach auf dem Titel halten. So medienpräsent war noch nie ein Präsident in der Deutschen Geschichte und das für einen Noname? Zur Anregung vielleicht mal diese Betrachtung, damit sich der Bürger am Ende nicht von den Medien getäuscht fühlt:

    „Deutschland rennt sich einen Wulff - Winternachtsalbtraum“

    http://qpress.de/2012/01/04/deutschland-rennt-sich-einen-wulff-winternachtsalbtraum/

  • Wulff go home!

    Es reicht! Die Nummer ist zu groß für Dich

  • ... Wulff sollte bleiben, dann aber konsequenterweise die Unterschrift unter den ESF ablehnen. So hätte er eine Chance und seine Kronzeugin das Nachsehen. Mal sehen, was sich so tutet, ob der im Spiel befindlichen, demonstrativen Machtansprüchen einer Klientel, die weniger an den eigenen Profit denken sollte, als an das Amt, das man denen anvertraute. vom Gemeinderat, über, über, über und über die Bundeskanzlerin zum Bundespräsidenten. Ja wenn, wenn er weiß, was er für richtig hält auch tut. Dann haben ganz andere, die wahrscheinlich die Lunte gelegt haben, das Nachsehen und die Bürger einen "ständigen" Vertreter auf ihrer Seite. Folgerichtig müßte dann die Bundeskanzlerin das Handtuch nich mehr aus den Hand geben, um den eigenen Schweiß zu trocknen. Mir schwant jedoch, Wulff hat das kürzere Hemd an.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%