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Gastkommentar Die Chancen der Globalisierung werden nicht genutzt

Der globale Handel fördert den wirtschaftlichen Wohlstand. Wollen wir diese Erfolgsgeschichte fortführen, müssen Handelsbarrieren abgebaut werden, meint John Pearson, CEO von DHL Express.
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Der Autor ist CEO des Logistikkonzerns DHL Express. Quelle: Reuters
John Pearson

Der Autor ist CEO des Logistikkonzerns DHL Express.

(Foto: Reuters)

Nach 33 Jahren in der globalen Logistikbranche bin ich weiterhin erstaunt darüber, wie wenig globalisiert die Weltwirtschaft in Wirklichkeit noch immer ist. Manch einer mag diese These in Anbetracht der Befürchtungen, die mit dem Thema Globalisierung oft verbunden werden, für geradezu frivol halten.

Aber in einer Zeit, in der der Populismus und Nationalismus immer stärker in den Vordergrund dringen, während der Multilateralismus zunehmend bedroht ist, ist es äußerst wichtig, sich auf Fakten zu stützen. Zum Beispiel werden gerade einmal 20 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung exportiert. Und weltweit machen Investitionen von Unternehmen in den Kauf, Ausbau oder die Erweiterung von internationalen Geschäftsfeldern weniger als zehn Prozent aller Anlageinvestitionen aus.

Nur drei Prozent der Menschen leben außerhalb der Länder, in denen sie geboren wurden. Und der Prozentsatz der grenzüberschreitend versandten Pakete erreicht laut Weltpostverein weltweit nur 1,3 Prozent aller im jeweiligen Inland verschickten Sendungen. Auch sollten wir uns angesichts der Diskussion über globale Lieferketten bewusst machen, dass die meisten dieser Lieferketten in Wirklichkeit auf regionaler Basis verlaufen.

Insofern ist es nicht so sehr die Globalisierung, sondern die Regionalisierung der Weltwirtschaft, die das Wachstum in vielen Teilen der Welt beschleunigt hat. Egal ob regional oder global – der grenzüberschreitende Handel fördert den wirtschaftlichen Wohlstand. In diesem Zusammenhang werden sich die über 4,5 Milliarden Menschen, die in Asien leben, als unaufhaltsame wirtschaftliche Kraft erweisen.

Fortschritte bei der weiteren Erschließung der Weltwirtschaft werden zunehmend auch an eher unerwarteten Orten erreicht. Kambodscha, Malaysia, Mosambik, Singapur und Vietnam sind weltweit die Topländer, deren tatsächliche internationale Vernetzung größer ist, als dies aufgrund von Faktoren wie ihrer Geografie, ihrem Wohlstand und ihrer Sprache her zu erwarten wäre. Vier dieser fünf Länder befinden sich in Asien, eines in Afrika. Dies sagt einiges über die künftigen Konturen der Dynamik der Weltwirtschaft aus.

Ich kann mich noch an eine Welt erinnern, in der es keinen Onlinehandel gab. Damals mussten die Vertriebsmitarbeiter von Unternehmen auf der ganzen Welt herumreisen, um ihre Kataloge auszuhändigen. Dann kehrten sie nach Hause zurück, um auf den Eingang von Bestellungen per Post zu warten. All das kann jetzt mehr oder weniger per Knopfdruck erledigt werden.

Der Handel schafft eine echte Teilhabe an der Weltwirtschaft und kann Ländern helfen, die Qualifikationen ihrer Bevölkerung sowie die Qualität ihrer Infrastruktur zu verbessern. Das kommt aktuell insbesondere den Schwellen- und Entwicklungsländern und den dort lebenden, immer produktiveren Mittelschichten zugute.

So sind die Zeiten vorbei, in denen vielen Menschen in Entwicklungsländern keinen Übernachtzugang zu den Waren- und Dienstleistungsströmen der Weltwirtschaft hatten – oder dies allenfalls das ausschließliche Privileg der absoluten Oberklasse dieser Länder war. Von besonderer Bedeutung ist auch, dass E-Commerce keineswegs nur in einer Richtung verläuft. Onlineshops ermöglichen Handel und Chancen in alle Richtungen.

Dies gilt auch für kleine handwerkliche Produzenten in den entfernteren Regionen der Welt. Sie können sich jetzt mit Kunden weltweit verbinden. Auf diese Weise trägt der weltumspannende Handel in vielen Regionen dazu bei, Länder zusammenzubringen und Wohlstand zu ermöglichen. Die globale Logistikbranche ist dabei sowohl Nutznießer als auch Katalysator dieser größeren Vernetzung.

Wahr ist gewiss auch, dass im Zuge wirtschaftlicher Veränderungen in einigen Branchen, Ländern und Regionen Arbeitsplätze verloren gehen. Dafür entstehen aber in anderen Branchen, Ländern und Regionen neue Arbeitsplätze. Dabei dürfen wir auch nicht aus dem Auge verlieren, dass die Globalisierung ein entscheidender Faktor zur Reduzierung der Zahl der extrem Armen auf der Welt gewesen ist.

Deren Zahl ist seit 1990 von 1,9 Milliarden auf 736 Millionen gesunken – und dies trotz eines deutlichen Anstiegs der Weltbevölkerung. Wenn wir an diese Erfolgsgeschichte anknüpfen wollen, sollten wir uns noch aktiver auf die Beseitigung der verbleibenden Handelsbarrieren konzentrieren. Auf diese Weise können wir einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass auch Menschen, die in fernen Gegenden der Welt leben, am globalen Wohlstand teilhaben können.

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