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Gastkommentar Die Corona-Zukunftsszenarien müssen nicht negativ sein

Auf die Coronakrise muss nicht unbedingt ein Negativszenario folgen – kein Ende der Globalisierung. Die Krise könnte auch etwas Neues, Positives schaffen.
20.03.2020 - 10:16 Uhr 1 Kommentar
Der Autor ist Politikwissenschaftler und leitet das Berliner Büro des Zukunftsinstituts.
Daniel Dettling

Der Autor ist Politikwissenschaftler und leitet das Berliner Büro des Zukunftsinstituts.

Wir erleben einen globalen Shutdown: Schulen werden geschlossen, das öffentliche und soziale Leben wird weitgehend eingestellt, die Aktienmärkte stürzen ab. Das Coronavirus hält die Welt in Atem und produziert existenzielle Unsicherheit, individuell wie kollektiv, überall und gleichzeitig.

Zukunftsforscher nennen solche Katastrophen einen „Schwarzen Schwan“, ein nicht vorhergesehenes Ereignis. Die sozialen und ökonomischen Folgen sind kaum absehbar. Covid-19 verändert unsere Zukunft.

Die Welt, die wir bisher kannten, löst sich vor unseren Augen auf. Erleben wir das Ende der Globalisierung? Folgt auf sie die totale Isolation, eine Welt „alle gegen alle“? Oder entsteht gerade eine neue, sogar bessere Welt?

Im Negativszenario beschleunigt die Coronakrise den Trend zur Deglobalisierung. Während die USA versuchen, deutsche Wissenschaftler abzuwerben und potenzielle Impfstoffe aufzukaufen, droht China mit dem Lieferstopp von Schutzkleidung und Medikamenten.

Das Vertrauen in die globalen Lieferstrukturen ist nachhaltig erschüttert. Folge ist ein wachsender Neo-Nationalismus. Die Abschottung nationaler Märkte, die Schließung von Grenzen und das Verhängen von Ausgangssperren werden vor allem aus Gesundheitsgründen betrieben.

Gesundheitsdaten als Staatsangelegenheit

Die Nachfrage nach Keim- und Virenfreiheit führt zu einem Verbot von Produkten, deren Herkunft sich nicht eindeutig nachvollziehen lässt. Lebensmittel werden vor dem Verkehr desinfiziert. Das soziale, kulturelle und öffentliche Leben bricht ein und wird in den virtuellen Raum verlagert.

Gesundheitsdaten werden zur Staatsangelegenheit, der Datenschutz wird aus Gründen des Virenschutzes abgeschafft. Individuelle Bewegungsprofile erlauben ein ständiges Tracking, das Verfolgen von infizierten Personen und ihre Isolierung in dafür vorgesehenen Regionen.

Die Welt treibt ökonomisch und sozial in eine Abwärtsspirale, ohne dass die Epidemie gestoppt wird. Weil Lebenserwartung und Wohlstand historisch zusammenhängen, führt die anhaltende Wirtschaftskrise zu höheren Sterblichkeitsraten vor allem in den ärmeren Ländern. Aufgrund schlecht ausgestatteter Gesundheitssysteme und eines unzureichenden Versicherungsschutzes können viele Patienten nicht mehr ausreichend behandelt werden.

Auf nationaler Ebene führt die Deglobalisierung zu einer De-Urbanisierung und neuen Landflucht. Die Städte werden zu den nervösesten Plätzen der Welt. Der Trend zum Single-Leben und zu immer kleineren Wohnungen hat die Stadtbevölkerung unselbstständig gemacht.

Wer kann, zieht raus aufs Land und versorgt sich selbst. Während sich ökonomisch auf nationaler Ebene eine rigorose staatliche Planwirtschaft durchsetzt, erfahren auf lokaler Ebene Selbstversorgermodelle und Tauschwirtschaft eine Renaissance.

Positivszenario der Krise

Im Positivszenario führt die Coronakrise zu einer Stärkung der Systeme hin zu mehr Resilienz und Robustheit. Die neue Pandemie zeigt vor allem: Nicht die Abschottung durch das Schließen von Grenzen bremst die Ausbreitung des Virus, sondern konsequente lokale Maßnahmen. Die Gesundheitssysteme erkaufen sich wertvolle Zeit, indem sie sich nach innen abschotten und Schwache schützen.

Deglobalisierung hat sich als das falsche Rezept gegen Gesundheits- wie gegen Wirtschaftskrisen erwiesen. Abschottung bringt wenig, wenn die Pandemie längst unter uns ist. Protektionistische Maßnahmen haben nur dazu geführt, dass wichtige Medikamente und Schutzkleidung überall auf der Welt knapp und Wissenschaftler und Medizinunternehmen abgeworben wurden.

Das Coronavirus hat zu einer neuen Kooperation, einem neuen Gleichgewicht der Staaten und ihrer Bundesländer und Kommunen, geführt.

Das Szenario einer resilienten globalen Gesellschaft setzt auf eine neue Synthese. Aus der Globalisierung wird die Glokalisierung: die Dezentralisierung von Märkten und Wertschöpfungsketten bei gleichzeitiger Intensivierung kooperativer Systeme.

Für viele Unternehmen und Initiativen mit digitalen Geschäftsmodellen wird die Krise zur Chance. Statt sich zu fragen, was sich in der Krise alles zurückfahren lässt, stellen sie die Weichen für die Zukunft.

Digitale Vernetzung als Bindemittel

Ein digitaler Ruck geht durch die gesamte Gesellschaft. Die technischen Instrumente dazu sind längst vorhanden: Versammlungen und Sitzungen im Internet, Homeoffice, Telemedizin, neue Formen der Mobilität. So hat Frankreich damit begonnen, Sprechstunden von Ärzten per WhatsApp abzuhalten. In China ist die Nachfrage nach selbstfahrenden Autos in der Krise rapide gewachsen. Immer mehr Restaurants setzen auf Onlinebestellungen.

Die digitale Vernetzung hält die Verbindung der Bürgerinnen und Bürger weltweit aufrecht. Auf lokalen Plattformen organisieren sich Nutzer und Nachbarn für Einkaufsdienste. Verzicht auf soziale Nähe muss nicht zum Verlust von Solidarität führen. Menschen kommen sich näher, die sich noch nie gesehen haben.

Wir lernen uns in dieser Krise besser kennen – als Nachbarn, Arbeitnehmer und Unternehmer. Dietmar Hopp, den viele Tausende vor wenigen Wochen noch als „Hurensohn“ in den Fußballstadien schmähten, wird zum nationalen Helden, weil eine seiner Firmen an einem Impfstoff gegen das Virus arbeitet.

Die Coronakrise führt zu einem neuen, ganzheitlichen Gesundheitsverständnis. Gesundheit ist nicht nur eine individuelle, sondern auch eine öffentliche, gemeinsame Angelegenheit. Individuelle Gesundheit und Weltgesundheit sind zwei Seiten einer Medaille. Und die zunehmende Digitalisierung beschleunigt die Entwicklung.

Die Zahl der Opfer bisheriger Pandemien war auch deshalb so hoch, weil die Gesellschaften und Nationen nur anlog miteinander kommunizieren und nur langsam reagieren konnten. Das öffentliche und kooperative Nutzen von Big Data und Tracking von Personendaten hilft, Frühwarnsysteme zu entwickeln.

Mithilfe von Predictive Health können genaue Vorhersagen über wahrscheinliche künftige Epidemien getroffen werden. Das ständige Lernen voneinander in supranationalen Netzwerken kann zu einem neuen, robusteren Gesundheitssystem führen, wenn Ärzte, Virologen und Pharmaunternehmen bei der Entwicklung von Impfstoffen weltweit zusammenarbeiten und sich ein gemeinsames Denken auf Ebene der Regierungen im Kampf gegen das Virus durchsetzt.

Corona kann die Zukunftsintelligenz erhöhen

Covid-19 disruptiert unser bisheriges Denken von Wirtschaft und Gesellschaft. Das Virus kann die Zukunftsintelligenz der Systeme erhöhen und technologischen und sozialen Innovationen zum Durchbruch verhelfen. Es geht um Innovationen wie digitale Infrastrukturen, kollaborative Plattformen und soziale Netzwerke, die unser Leben insgesamt robuster machen.

Es geht um den Ausbau und die bessere Kooperation lokaler wie supranationaler Institutionen. Auch nach Corona wird es weitere Seuchen und Epidemien geben, die wir als Nebenfolgen der real existierenden Globalisierung nicht hinnehmen müssen, sondern präventiv durch einen globalen Seuchen- und Infektionsschutz gestalten können. Europa kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Covid-19 bedeutet nicht das Ende der Globalisierung, sondern etwas Neues. Die globale Vernetzung macht uns anfälliger für Krisen. Die Trends sprechen für den Beginn einer neuen Epoche der Glokalisierung. Die globale und lokale Zivilgesellschaft organisiert sich in diesen Tagen neu.

Abschottung und Isolation führen nicht zu einer besseren Zukunft. Es geht vielmehr um beides: die Stärkung lokaler und regionaler Strukturen sowie globaler Systeme und ihrer Institutionen. Auf die schnelle Hyperglobalisierung folgt eine nachhaltige, achtsame Glokalisierung. Ihre Wirtschaft und Gesellschaft wird resilienter und robuster sein als die heutige.

Mehr: Ein Impfstoff, ein Schnelltest oder der Frühling – viele Faktoren beeinflussen die Ausbreitung des Virus. Vieles kann helfen, das Gesundheitssystem zu entlasten.

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  • Und wichtig in dieser Zeit - wir haben alle mehr Zeit zu Studieren, so dass endlich auch neueste Forschungsergebnisse in die Gesellschaft vordringen wie beispielsweise die kostengünstigere Energienutzung von Neutrino-Energy. Ein Überblick über fortschrittliche und wettbewerbsfähige Energieerzeugungstechnologien zeigt, dass sich nur die Neutrinovoltaik-Technologie - eine Methode zur Erzeugung von elektrischem Gleichstrom unter dem Einfluss von Teilchen des unsichtbaren Strahlungsspektrums - derzeit in der letzten Phase der Umsetzung befindet. Basierend auf dieser Technologie plant die Berliner Neutrino Energy Group, in spätestens 2 Jahren mit der Lieferung von eigenständigen kompakten DC-Stromquellen Neutrino Power Cube® zu beginnen, die kostengünstige und öffentlich zugängliche Materialien verwenden und damit interessante Preisparameter des erzeugten elektrischen Stroms bieten. Vorläufige Berechnungen, die von der Firma bekannt gegeben wurden, erklären den Preis um mindestens 50% günstiger als den Preis, den man für Solarzellenplatten erhält. Darüber hinaus gibt das Unternehmen bekannt, dass die Betriebskosten solcher Quellen gleich Null sind. Die Kompaktheit der Neutrino-Gleichstromquellen erlaubt es auch, sie leicht in die Gehäuse von Elektroautos einzubauen, was nach dem bestehenden Schema des Elektroautos mit Batterie die Laufleistung zwischen den Ladevorgängen deutlich erhöhen wird. Wenn der Besitzer eines Elektroautos dieses auf relativ kurzen Strecken, z.B. von zu Hause zur Arbeit und zurück, benutzt, können Sie dank der eingebauten Neutrinostromquellen das Aufladen des Elektroautos aus dem gemeinsamen Stromversorgungsnetz generell ablehnen, da die Stromerzeugung aus der Neutrinostromquelle 24 Stunden am Tag/365 Tage im Jahr erfolgt. JETZT werden Unternehmen endlich darauf aufmerksam. Die Neutrinovoltaic wird die Fotovoltaik ablösen und ergänzen.

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