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Rafael Doménech

Ehrengast, Rafael Doménech is the Head of Economic Analysis of BBVA Research and Professor of Economics at the University of Valencia.

(Foto: BBVA)

Gastkommentar Die Coronakrise führt zu einem neuen Verständnis von Globalisierung

Die Versorgungssicherheit wird nach den Erfahrungen dieser Krise künftig eine größere Rolle spielen. Denn auch nach Covid-19 wird die Welt weiter neuen Viren ausgesetzt sein.
14.07.2020 - 16:09 Uhr Kommentieren
Rafael Doménech ist Head of Economic Analysis bei der spanischen Bank BBVA und Professor für Wirtschaft an der Universität Valencia.
Rafael Doménech

Rafael Doménech ist Head of Economic Analysis bei der spanischen Bank BBVA und Professor für Wirtschaft an der Universität Valencia.

Die Europäische Kommission hat kürzlich ihre aktualisierten Wirtschaftsprognosen für 2020 und 2021 veröffentlicht. Das Bruttoinlandsprodukt der EU wird 2020 um 8,7 Prozent sinken und 2021 um 5,8 Prozent wachsen. Doch die Zahlen verbergen wichtige Unterschiede zwischen den Ländern.

Die Wirtschaftsleistung von Ländern wie Deutschland wird um fast sechs Prozent sinken. Durch die bereits begonnene Erholung wird das Bruttoinlandsprodukt 2021 nur einen Prozentpunkt unter dem Niveau von 2019 liegen. Dagegen wird das spanische Bruttoinlandsprodukt dieses Jahr um rund elf Prozent sinken und 2021 fast fünf Prozentpunkte unter dem Niveau von 2019 liegen.

Selbst ohne weiteren großen Ausbruch wird die durch Covid-19 hervorgerufene Wirtschaftskrise große Narben hinterlassen, die wahrscheinlich noch einige Zeit in unseren Volkswirtschaften zu spüren sein werden.

Was können wir daraus lernen, und wie sehr wird sich die Wirtschaft nach dieser „neuen Normalität“ verändern? Was die Bewältigung der Krise anbelangt, so ist aufgrund der derzeit verfügbaren Informationen klar, dass grundsätzlich früher hätte gehandelt werden müssen – ohne die möglichen Auswirkungen der Epidemie kleinzureden, als in China noch der Lockdown galt.

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    Es stimmt, dass nicht alle Länder schnell und effizient reagierten. Einige Länder in Südostasien oder in Europa beschlossen, angemessene Präventivmaßnahmen zu ergreifen (Masken, soziale Distanz oder erweiterte Kapazitäten in Krankenhäusern), führten schnell Tests und Kontrollen durch und bekämpften die Pandemie mit der besten verfügbaren Technologie. Dadurch gab es große Unterschiede zwischen Ländern bei der Anzahl der Infektionsfälle, der Krankenhausaufenthalte oder der Toten.

    Welt wird weiter neuen Viren ausgesetzt sein

    Es bleiben viele Fragen offen hinsichtlich der wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Wir wissen nicht, wann ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Nach Covid-19 wird die Welt weiter neuen Viren ausgesetzt sein, die möglicherweise noch ansteckender und tödlicher sind. Obwohl die Krise nur vorübergehend ist, wird sie dauerhafte Auswirkungen auf das Produktionssystem und auf das Konsumverhalten haben.

    Die digitale Transformation wird sich auf allen Ebenen intensivieren und sich darauf auswirken, wie wir arbeiten (etwa mit mehr Telearbeit), wie Unternehmen ihre Produktionsprozesse organisieren, wie die Sicherheit für Arbeitnehmer und Verbraucher gewährleistet wird und wie viele Güter und Dienstleistungen konsumiert werden. Die soziale Distanz und die Maßnahmen zur Verhinderung künftiger Pandemien werden die Digitalisierung und Automatisierung beschleunigen.

    In dieser neuen Wirtschaft wird es entscheidend sein, mit dem Tempo der neuesten globalen technologischen Entwicklung Schritt zu halten und in Forschung, Entwicklung, Innovation und Humankapital zu investieren.

    Diese Herausforderungen werden bedeutende Auswirkungen auf viele Unternehmen, leistungsfähige Branchen (wie Tourismus oder Automobilindustrie) und Arbeitnehmer haben; je nachdem wie gut ihre Führungsqualität und ihre Wettbewerbsfähigkeit angesichts dieser disruptiven Veränderungen sind. Die Coronakrise hat auch gezeigt, wie wichtig eine größere Diversifizierung der Produktion, eine geringere Abhängigkeit von Lieferanten und die Aufrechterhaltung ausreichender Lagerbestände sind. All dies wird sicher zu einem neuen Verständnis der Globalisierung führen, in dem der Versorgungssicherheit mehr Bedeutung beigemessen wird.

    Staatsverschuldung wird steigen

    Wir erleben Veränderungen in der Industriepolitik, bei staatlichen Beihilfen für Unternehmen sowie in der Geld-, Steuer- und Einkommenspolitik. Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass die Zinssätze niedrig bleiben und die Staatsverschuldung steigt.

    Diese Krise lehrt uns auch, wie wichtig es ist, über ausreichende fiskalische Spielräume zu verfügen, um mit unvorhergesehenen Risiken umgehen zu können. So wie sie Deutschland hatte und Spanien fehlten. Die Herausforderung besteht darin, dass alle beschlossenen Maßnahmen zum Schutz der Produktion und der Arbeitsplätze wirken, und das Geld der Steuerzahler auf die bestmögliche Art und Weise zu nutzen, ohne Effizienz, Produktivität und Wettbewerb zu beeinträchtigen.

    Schließlich ist die internationale Zusammenarbeit, Hilfe und Koordination – insbesondere in der EU – entscheidend, um globale Herausforderungen wie neue Pandemien oder den Klimawandel zu bewältigen. Ein Block kleiner, offener Volkswirtschaften wie Europa kann im Hinblick auf globale Mächte wie China und die USA gemeinsam viel mehr erreichen als allein

    Vorerst hat die EU beschlossen, über die Europäische Zentralbank, den Rettungsschirm ESM, die Europäische Investitionsbank EIB und die europäische Arbeitslosenhilfe SURE rasch kraftvolle Maßnahmen einzuleiten. Aber der EU-Konjunkturplan der nächsten Generation muss noch verabschiedet werden. Er wird entscheidend dafür sein, dass Europa diese Krise überwindet und viele der oben genannten Herausforderungen erfolgreich bewältigen kann.

    Mehr: Die Folgen der Krise sowie der Wirtschaftskrieg zwischen China und den USA stellen die deutsche Wirtschaft vor Probleme.

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