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Gastkommentar Die Deutschen müssen sich jederzeit über ihre Rente informieren können

Zu jeder Zeit wissen, welche Ansprüche man im staatlichen Rentensystem und privat erworben hat – das wäre mit einem Informationssystem möglich.
  • Wolfgang Steiger
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Der Autor ist Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU e.V. Quelle: dpa
Wolfgang Steiger

Der Autor ist Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU e.V.

(Foto: dpa)

Es ist alarmierend: Viele Bürger wissen nicht, ob sie im Alter genügend Geld zum Leben haben werden. Das ist kein Wunder, denn sie müssten sich diese Informationen mühsam zusammensuchen und selbst ausrechnen. Dass es auch einfacher geht, machen die Dänen, Norweger und Schweden vor.

Dort kann sich jeder Bürger einen tagesaktuellen Überblick über seine Rentenansprüche aus staatlicher und privater Vorsorge verschaffen. Ein solches säulenübergreifendes Renteninformationssystem schafft mehr Transparenz in der Altersvorsorge.
Zudem muss ein Renteninformationssystem jedem Wahlgeschenk ein individuelles Preisschild für die Beitragszahler verpassen. Es ist dringend nötig, hier das Problembewusstsein der Bürger zu stärken.

Denn in Deutschland hat die Spendierpolitik der letzten Großen Koalition der jüngeren Generation gewaltige Lasten aufgebürdet, ohne dass sich dagegen nennenswerter Protest geregt hätte. Allein das 2014 verabschiedete Paket mit Mütterrente und Rente mit 63 kostet 10 Milliarden Euro – pro Jahr.

Zudem werden sich die jährlichen Rentenausgaben nach Berechnungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bis 2045 fast verdreifachen: Von derzeit rund 283 Milliarden Euro auf dann 784 Milliarden Euro. Der Steuerzuschuss aus dem Bundeshaushalt wächst unaufhörlich und wird voraussichtlich schon 2020 die Schallmauer von 100 Milliarden Euro durchbrechen.

Umso wichtiger wäre es, auch hierzulande endlich mehr Transparenz in der Altersvorsorge zu schaffen. Die Bundesregierung muss deshalb bei der geplanten Einführung ihres „Renten-Checks“ deutlich aufs Tempo drücken. Ein säulenübergreifendes Renteninformationssystem wurde im Koalitionsvertrag vereinbart. Der angedachte Zeitplan erster Umsetzungsschritte frühestens 2020 ist allerdings viel zu zaghaft.

Mehr Transparenz in der Altersvorsorge ist der Schlüssel zu auskömmlichen Einkommen im Ruhestand für ältere Menschen ohne Überlastung der Jungen. Älteren Bürgern würde dadurch die von Populisten geschürte, oft unbegründete Furcht vor drohender Altersarmut genommen.

Das Risiko, im Alter zu verarmen, wird stark überschätzt, wie der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums festgestellt hat. Es steigt demnach bis 2030 auch im ungünstigsten Szenario lediglich auf fünf Prozent. Aktuell sind sogar gerade einmal drei Prozent der Senioren auf die Grundsicherung im Alter angewiesen, von den Beziehern gesetzlicher Renten sind es nur 2,6 Prozent.

Jüngere Menschen könnten in einer transparenten Renteninformation Versorgungslücken frühzeitig erkennen und durch private Vorsorge schließen. Aus Datenschutzgründen und damit ein solches System unabhängig von politischer Einflussnahme ist, muss die Renteninformation allerdings von einem neutralen Anbieter bereitgestellt werden. Sie darf in keinem Fall abhängig von Institutionen oder Trägern sein.

Für einen unkomplizierten Zugang muss der Abruf zudem nutzerfreundlich, beispielsweise per App, möglich sein. Davon abgesehen sind weitere tiefgreifende Reformen nötig, damit das Rentensystem nicht in Kürze an seine Grenzen stößt. Denn selbst ohne weitere Wahlgeschenke würde der Rentenbeitrag laut Rentenversicherungsbericht und Sachverständigenrat von heute 18,7 Prozent auf 21,5 Prozent in 2029 und mehr als 25 Prozent in 2050 ansteigen. Für weitere Rentengeschenke fehlt damit jeder Spielraum.

Stattdessen müssen wir uns ehrlich machen: Bei immer weniger Beitragszahlern und steigender Rentenbezugsdauer führt kein Weg daran vorbei, dass die Menschen in Zukunft auch über das 67. Lebensjahr hinaus arbeiten. Umso wichtiger ist neben mehr Transparenz in der Altersvorsorge auch eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung.

Und vielleicht möchte sich die Große Koalition ja einmal die Frage stellen, warum sie trotz permanenter Wählergeschenke in Milliardenhöhe dermaßen unbeliebt ist.

Der Autor ist Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU e.V.

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