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Gastkommentar Die Digitalisierung ist da – wie wollen wir sie gestalten?

Die Coronakrise bringt auch dem Gesundheitssystem einen Digitalisierungsschub. Um den zu nutzen, müssen wir jetzt die entscheidenden Weichen stellen.
06.08.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Jens Baas

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Seit Beginn des Jahres hat sich unser Leben stark verändert. Covid-19 stellte das Gesundheitssystem vor die größte Herausforderung seit Jahrzehnten. Viele Technologien, die bisher an Bedenken, mangelnder Überzeugung und fehlendem digitalem Enthusiasmus scheiterten, wurden plötzlich über Nacht zur neuen Normalität.

Die Zugriffszahlen von digitalen Angeboten sind durch Corona stark gestiegen. Logopädie per App, Hebammenberatung über Chat, das E-Rezept, elektronische Krankschreibungen oder die elektronische Patientenakte haben deutlich an Nutzern gewonnen.

Ohne das Internet und digitale Kommunikation wären die Folgen von Corona vermutlich noch drastischer gewesen als ohnehin schon. Seit Beginn der Pandemie ist Digitalisierung nicht mehr allein die Kür für Fortschrittsbewusste, sondern zur notwendigen Pflicht für die Allgemeinheit geworden, um in der Ausnahmesituation bestehen zu können.

Das Bewusstsein für die Wichtigkeit digitaler Transformation steht nun erstmals auf breiter gesellschaftlicher Basis. Wir diskutieren nicht mehr darüber, ob wir digitalisieren, sondern, wie wir diesen Prozess beschleunigen können.

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    Die Menschen tendieren dazu, in Krisen auf Bekanntes zu setzen – gewohnte Routinen und Muster sind Taktgeber für ein Gefühl der Normalität, wenn der gewohnte Alltag wegbricht. Während der Hochphase von Corona konnten wir uns diesen Rückzug in die Komfortzone nicht leisten, sondern mussten Neues ausprobieren. Statt sich persönlich zu treffen, sind viele Menschen auf Videochat-Tools wie Skype, Facetime, Teams oder Zoom ausgewichen. Die Apps waren in Schulen genauso im Einsatz wie in Altenheimen.

    Das Mindset der Gesellschaft hat sich hier innerhalb weniger Wochen gewandelt. Videochats gelten nicht mehr als unpersönlicher Kontakt zweiter Klasse, sondern im Gegenteil – während des Lockdowns waren sie die einzige Möglichkeit, sich nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen.

    Dies zeigt, die Coronakrise hat die Digitalisierung beschleunigt, weil digitale Tools ein notwendiges Hilfsmittel zur Aufrechterhaltung des Alltags für die breite Masse geworden sind. Viele Kritiker lehnen digitale Innovationen ab, weil sie Mehraufwand scheuen und sich nicht vorstellen können, welchen Nutzen ihnen die neue Technik bringt. Das Bedenkenträgertum hat während Corona aber merklich nachgelassen. Die Erfahrung, dass Technologie in der Krise zu Normalität verholfen hat, sollte Bedenken und Ängste gegenüber der Digitalisierung abbauen.

    Digitalisierung sorgt für Stabilität

    Digitalisierung und Automatisierung werden häufig mit der Bedrohung von Arbeitsplätzen oder der totalen Überwachung durch Big Data assoziiert. Die Menschen haben nun eine ganz andere Erfahrung gemacht: Digitalisierung sorgte für Stabilität in unsicheren Zeiten. Es besteht Hoffnung, dass der erlebte Mehrwert digitaler Technologien unser Bewusstsein für Innovationen nachhaltig verändert. Die Zeit der Krise hat hier die Tür für einen Wandel in der Wahrnehmung aufgestoßen, und die Köpfe sind nun geöffnet für ein digitales Mindset.

    Ich beobachte, dass die Bereitschaft zum Diskurs während der Pandemie gestiegen ist. In einer Situation der Unsicherheit, die nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt betrifft, ist es wichtig, darüber zu diskutieren, welche Maßnahmen die richtigen sind, um die Bedürfnisse möglichst vieler Gruppen zu berücksichtigen. Die Bereitschaft, sich mit komplexen Zusammenhängen zu beschäftigen, ist merklich gestiegen. Das zeigen auch die beachtlichen Hörerzahlen wissenschaftlicher Podcasts über das Virus. Die Menschen verstehen, dass es für ein komplexes Problem keine einfache Lösung geben kann. Eine Diskurskultur ist essenziell für die weitere Etablierung digitaler Technologien in der Gesellschaft.

    Daran knüpfen sich grundsätzliche – ebenfalls komplexe – Fragen, die alle Bürger betreffen: Wie wollen wir mit Daten umgehen? Wie halten wir die Balance zwischen Datenschutz und der sinnvollen Nutzung der Möglichkeiten, die Daten für die Gesundheit bieten? Das sind Wertediskussionen, die jetzt geführt werden müssen.

    Es ist inzwischen ein Grad an Digitalisierung erreicht, der es notwendig macht, dass wir uns im Umgang mit Daten positionieren. Ich glaube, dass für Deutschland, für ganz Europa weder der marktorientierte Umgang der Vereinigten Staaten mit Daten noch das staatlich dominierte Vorgehen von China ein Vorbild sein darf. Wir müssen einen eigenen Weg finden, der den europäischen Werten folgt. Dass es möglich ist, neue Technologien datenschutzkonform zu gestalten, hat die Corona-Warn-App bewiesen.

    Es gilt jetzt, in der dynamischen Durchsetzung digitaler Technologien die entscheidenden Weichen zu stellen, wie wir in einer digitalen Welt leben wollen. Offenheit gegenüber Innovationen auf der einen Seite und die Gestaltung und Bewahrung unserer Werte auf der anderen Seite sind die wichtigen Brückenpfeiler, auf die es jetzt ankommt. Ich sehe nur einen logischen Schluss aus der Digitalisierung der letzten Wochen: Wir müssen den Schwung nutzen und uns noch stärker auf die digitale Transformation fokussieren.

    Mehr: Das Corona-Gespenst geht auch in Deutschland wieder um. Doch viel wahrscheinlicher ist eine dauerhafte Welle auf niedrigem bis mittlerem Niveau.

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