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Gastkommentar Die Doppelspitze kann eine Chance für SAP sein

Die Doppelspitze aus Jennifer Morgan und Christian Klein muss bei SAP nun früher übernehmen als geplant – und könnte mit alten Mythen aufräumen.
  • Heiner Thorborg
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Der Autor ist Personalberater.
Heiner Thorborg

Der Autor ist Personalberater.

Bill McDermott hat seinen Vertrag mit dem Softwarehersteller SAP vorzeitig aufgelöst. Er sollte nach seinem Rücktritt im Oktober bis Jahresende in Walldorf weiter beratend tätig sein, doch nun ist sein Vertrag nach Informationen des Handelsblatts mit sofortiger Wirkung beendet worden.

Die geplante Doppelspitze aus Jennifer Morgan und Christian Klein muss nun noch schneller ran. Das macht so manch einem Magenschmerzen, steht der Begriff „Doppelspitze“ doch schon fast als Synonym für Unheil. In Wirtschaft und Verbänden haben einige mit Co-Vorstandsvorsitzenden experimentiert, darunter Airbus, der DFB und die Deutsche Bank.

Die Kombi Anshu Jain und Jürgen Fitschen war im Rückblick keine gute Idee, genauso wenig wie der Versuch von SAP, das Erfolgsmodell Hasso Plattner und Henning Kagermann mit Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe zu verlängern.

Nicht viel besser sieht es in der Politik aus. Die SPD versucht, ausgerechnet mit Duos Einheit zu signalisieren. Das zeugt von Geschichtsvergessenheit, schließlich war die Doppelspitze aus Gerhard Schröder und Oscar Lafontaine einst so hilfreich für die Stabilität der Partei wie eine Handgranate mit gezogenem Pin.

Wird es in dem Softwarekonzern nun zugehen wie bei den diskussionsfreudigen Grünen, die seit jeher Doppelkopf spielen? Wohl kaum. Den Anlegern hat die neue Doppelspitze schon mal Einigkeit demonstriert: Konsens in der Frage, wie es mit den Shareholdern zu halten sei. SAP verspricht für 2020 eine Sonderausschüttung über 1,5 Milliarden Euro.

Diese kann über Aktienrückkäufe oder als Sonderdividende ausgekehrt werden. McDermott werden dennoch einige nachweinen. Mit ihm wurde SAP zum wertvollsten Konzern im Dax, und auch die Ergebnisse des dritten Quartals überzeugten. Nicht zuletzt deswegen werden auch McDermotts unlängst verkündete Pläne zur Effizienzsteigerung beibehalten werden.

Angst stört beim Denken

Richtungskämpfe, die von einem Duo als Pluralismus verkauft werden müssen, sehen anders aus. Dennoch hat sich SAP bei der Politik etwas abgeschaut: den Proporz. Mann und Frau führen jetzt gemeinsam. Fragt sich nur, warum Doppelspitzen in der deutschen Wirtschaft so gut wie nie aus zwei Frauen bestehen, sondern fast immer aus zwei Männern oder einem gemischten Doppel.

Zufall? Oder wird den Frauen eine Alleinherrschaft nicht so recht zugetraut, und deswegen wird ihnen ein Mann an die Seite gestellt? Jennifer Morgan ist keine gestresste Amsel, die einen Beschützer braucht. Seit 2004 im Konzern, ist sie verantwortlich für das Geschäft mit der Cloud, das inzwischen mehr einbringt als die Softwarelizenzen.

Sie leitete die Regionen Amerika und Asia-Pazifik, was ihr vergangenes Jahr bei „Forbes“ einen Platz auf der Liste der einflussreichsten Frauen der Welt eintrug. Angst, findet sie, hat im Job nichts zu suchen, denn sie behindere die Kreativität und störe beim Denken.

Auch sonst hält Morgan nicht viel von Schleiertänzchen: „Ich glaube daran, Kunden und Mitarbeitern sofort offenes und ehrliches Feedback zu geben. Wenn man sich bei der Führung eines Teams auf die Menschen konzentriert, dann stimmen bald auch die Zahlen.“

Nach eigenen Angaben schießt Morgan also scharf. Und vielleicht braucht sie gerade deswegen einen Mann an ihrer Seite. Laut einer Untersuchung des Ökonomen Martin Abel vom Institute of Labor Economics werden weibliche Bosse von ihren Untergebenen diskriminiert. Abel hat über das Internet 2 700 Leute angeheuert und sie für ein fiktives Unternehmen Jobs erledigen lassen.

Ihre ebenfalls fiktiven Vorgesetzten, mal männliche, mal weibliche, gaben dabei Feedback, mal positiv, mal negativ. Ergebnis: Kam eine negative Bewertung von einer Frau, konnten die Mitarbeiter damit viel schlechter umgehen als mit Gemecker von einem Mann. Ihre Zufriedenheit fiel stolze 70 Prozent niedriger aus, kam die Kritik von einer Frau.

Es handelte sich, so Abel, um reine Geschlechterdiskriminierung, denn das Feedback war identisch formuliert. Wenn da was dran ist, wird Jennifer Morgan bei SAP für jeden Veränderungsvorschlag hauptsächlich Kritik ernten, während Christian Klein für genau die gleichen Entscheidungen positive Noten erhält. Kann sie also nur verlieren? Nicht unbedingt.

Da sie sowieso im Feuer stehen wird, könnte Frau Morgan die Rolle der dynamischen Antreiberin übernehmen und Herr Klein die des Teamworkers und Kümmerers – entgegen all den Klischees von weichen weiblichen Führungskräften und harten männlichen Zuchtmeistern.

Dann wäre mit einer Doppelspitze endlich mal was gewonnen – die Erkenntnis nämlich, dass unsere Mythen über das Führungsverhalten endgültig auf den Müllhaufen der Geschichte gehören.

Mehr: Der scheidende SAP-Chef sollte seine Nachfolger Christian Klein und Jennifer Morgan bis zum Jahresende unterstützen – nun ist er doch schon weg.

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