Gastkommentar Die Industrie 4.0 könnte ein neues Wirtschaftswunder ermöglichen

Themen wie künstliche Intelligenz und Robotik sind der Schlüssel zu einer goldenen Zukunft. Sogar die Vollbeschäftigung könnte erreichbar sein.
  • Nikolas Stihl
Kommentieren
Der Autor ist Beirats- und Aufsichtsratsvorsitzender der STIHL Unternehmensgruppe, Hersteller von Motorsägen und Motorgeräten. Quelle: obs
Der Autor

Der Autor ist Beirats- und Aufsichtsratsvorsitzender der STIHL Unternehmensgruppe, Hersteller von Motorsägen und Motorgeräten.

(Foto: obs)

Die erste Runde der Digitalisierung ist an die USA gegangen. Europa, und vor allem Deutschland, haben jedoch gute Voraussetzungen, die zweite Runde für sich zu entscheiden. Bei „Industrie 4.0“, der intelligenten Verknüpfung von Daten, Dingen und Dienstleistungen, sind deutsche Unternehmen noch Weltspitze. Das Ziel muss sein, die Spielregeln für Industrie 4.0 weltweit mitzudefinieren.

In einer sich zunehmend digitalisierenden Arbeitswelt geht es auch darum, den technologischen und gesellschaftlichen Wandel zu gestalten. Künstliche Intelligenz (KI), digitale Kollaboration und Robotik werden in Zukunft zu Schlüsseltechnologien.

Deutschland verfügt aufgrund seines industriellen Geschäftsmodells über ein großes Potenzial an Maschinendaten in hoher Qualität. Und es verfügt über gut ausgebildete Arbeitnehmer und innovative Unternehmen. Das bisherige Wirtschaftsmodell der Sozialen Marktwirtschaft gilt es jetzt weiterzuentwickeln.

Eine Digitale Soziale Marktwirtschaft braucht eine exzellente digitale Infrastruktur und eine neue Balance aus Freiheit, Wettbewerb und gesellschaftlicher Verantwortung. Zu ihren Säulen gehören (Daten-)Sicherheit, Arbeit und (Weiter-)Bildung sowie Steuerpolitik.

Sicherheit: Unternehmen und Beschäftigte brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu gehören das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, der sensible Umgang mit Daten und geistigem Eigentum. Aber auch mit Rohstoffen müssen wir geregelt und achtsam umgehen.

Der deutsche und europäische Datenschutz, zuletzt geregelt durch die Datenschutzgrundverordnung, kann zum Wettbewerbsvorteil werden – oder zum Stolperstein. Er wird nur dann zum Vorteil, wenn wir es schaffen, sinnvolle Spielregeln zu definieren, an die sich alle halten müssen.

Arbeit und Bildung: Die Digitalisierung treibt die Arbeitswelt voran und kann zu Vollbeschäftigung führen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft kommt für Deutschland zu dem Ergebnis, dass stark digitalisierte Firmen, sogenannte „Unternehmen 4.0“, ihre Belegschaften zuletzt stärker vergrößert haben als weniger digitalisierte Unternehmen.

Selbstlernende Maschinen und Robotik werden in Zukunft den Arbeitsalltag mitbestimmen. Menschliche Arbeit und Technologie gehen Hand in Hand. Künstliche Intelligenz und Robotik reduzieren die Zahl der Unfälle und entlasten die Mitarbeiter.

Der diesjährige Tarifabschluss ist auch ein Schritt in Richtung flexibles Arbeitszeitsystem. Die Betriebe bekommen die Möglichkeit, mehr Arbeitszeitvolumen flexibler nach unten und nach oben zu vereinbaren. Die Beschäftigten erhalten dadurch mehr Zeitsouveränität. Flexibler werden muss auch das deutsche Bildungssystem. Es geht um digitale Kompetenzen, Datenkunde und neues Lernen.

Das Interesse an den MINT-Fächern, die in Zukunft noch wichtiger werden, lässt sich durch digitale Medien, die für alle Lehrer und Schüler in einer Cloud zugänglich sind, erheblich steigern. Für die Zukunftsaufgabe des lebenslangen Lernens brauchen wir ein neues, zweites Bildungssystem, um alle Beschäftigten für die digitale Transformation fit zu machen.

Steuerpolitik: Internetunternehmen wie Google, Amazon, Apple und Facebook zahlen in Europa bislang kaum Steuern. Digitalunternehmen können überall auf der Welt Geschäfte machen, ohne vor Ort eine Betriebsstätte zu haben, da das gegenwärtige System der Unternehmensbesteuerung auf dem physischen Sitz basiert.

Die Kanzlerin hält die Frage, ob und wie Daten bepreist werden sollen, für ein zentrales Gerechtigkeitsproblem der Zukunft. Während Industriebetriebe heute in Europa im Schnitt 23 Prozent Steuern zahlen, sind es bei Digitalunternehmen lediglich neun Prozent. Die EU-Kommission fordert eine Digitalsteuer.

Eine Digital- oder Robotersteuer würde auch deutsche Unternehmen treffen. Ihre Steuerlast ist im internationalen Vergleich zu groß. Große Unternehmen dürfen nicht weniger zahlen als kleine Unternehmen. Es sind in der Regel überwiegend die Familienunternehmen, die auf menschliche Arbeitskraft setzen. Sie gilt es vor allem zu entlasten.

Wenn wir die genannten Herausforderungen meistern, ist ein neues Wirtschaftswunder möglich. Auch Vollbeschäftigung können wir erreichen, wenn wir den Weg der Sozialen Marktwirtschaft in Zeiten der Digitalisierung mutig weitergehen. Die Hebel sind Sicherheit, flexible Arbeit und Bildung und eine neue Steuerpolitik.

Startseite

Mehr zu: Gastkommentar - Die Industrie 4.0 könnte ein neues Wirtschaftswunder ermöglichen

0 Kommentare zu "Gastkommentar: Die Industrie 4.0 könnte ein neues Wirtschaftswunder ermöglichen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%