Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastkommentar Die industrielle Welt hat den Klimawandel geschaffen – sie kann sich jetzt nicht wegducken

Wer glaubt, der Klimawandel betreffe uns nicht, macht sich etwas vor. Er ist bei uns angekommen – auch durch immer mehr Menschen, die vor den Auswirkungen nach Europa fliehen.
  • Johannes Teyssen
Kommentieren
Johannes Teyssen ist Vorstandsvorsitzender von E.ON. Quelle: dpa
Der Autor

Johannes Teyssen ist Vorstandsvorsitzender von E.ON.

(Foto: dpa)

Das Flüchtlingsthema hat in den vergangenen Wochen die politische Debatte beherrscht und andere Themen nahezu verdrängt. Zu diesen Themen zählt auch die Klimapolitik, obwohl hier wichtige Weichenstellungen anstehen. Dabei entgeht der tagespolitischen Aufmerksamkeit, wie eng beide Themen miteinander verbunden sind. Denn der Klimawandel beeinflusst schon heute – und in Zukunft noch viel stärker – die globalen Migrationsströme.

Natürlich verlassen viele Menschen ihre Heimat, um ihr Leben zu retten, um sich und ihre Familien vor Krieg und Gewalt in Sicherheit zu bringen. Andere sehen sich durch Armut und Perspektivlosigkeit zur Migration gezwungen. Oder durch Umweltkatastrophen und schleichende Umweltverschlechterungen, die ihnen die Lebensgrundlage entziehen und ihrerseits wieder Menschen in die Armut treiben.

Diesen Teufelskreis verstärkt der Klimawandel immer mehr. Seine Auswirkungen sind in Form von zunehmenden Hitzewellen, Dürren, Überflutungen oder extremen Wetterereignissen vor allem in Entwicklungsländern deutlich spürbar.

Laut einer von der Universität Hamburg für Greenpeace erstellten Studie werden heute durchschnittlich 25 Millionen Menschen pro Jahr durch Naturkatastrophen neu aus ihrer Heimat vertrieben. Einer aktuellen Studie der Weltbank zufolge könnten mit den Folgen des Klimawandels allein in Afrika südlich der Sahara, in Lateinamerika und in Südasien mehr als 140 Millionen Menschen bis 2050 durch Dürren, Missernten, Sturmfluten und steigende Meeresspiegel ihr Zuhause verlieren und umsiedeln müssen.

Die Studie der Hamburger Universität verweist auf Klimasimulationen, die zeigen, dass Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas durch verlängerte Hitzewellen und Wüstenstürme für Menschen unbewohnbar werden könnten – mit Nachttemperaturen im Sommer über 30 Grad Celsius und Tagestemperaturen über 46 Grad Celsius.

Der Großteil der Migrationsbewegungen findet derzeit in den jeweiligen Heimatländern und den Nachbarländern statt. Nur ein kleiner Teil macht sich auf den gefahrvollen Weg nach Europa und nimmt eine vollkommen unsichere Zukunft in Kauf. Noch hoffen die meisten offenbar darauf, in ihre Heimat zurückkehren zu können, wenn sich die Lebensbedingungen wieder verbessert haben.

Hier kreuzen sich die Ziele langfristig angelegter Strategien zur Bekämpfung der Fluchtursachen und des Klimawandels. Gelingt es, den Klimawandel abzubremsen, wäre dies ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Entschärfung des Migrationsdrucks in Entwicklungsländern.

Ein erfolgreicher Klimaschutz wirkt aber nicht nur indirekt über weniger extreme Wetterereignisse oder einen geringeren Anstieg des Meeresspiegels. Er kann auch unmittelbar das Leben der Menschen in armen Ländern verbessern. Trotz aller Fortschritte in den letzten Jahrzehnten ist fast jeder siebte Erdenbürger noch immer ohne Elektrizität.

Davon ist besonders Afrika südlich der Sahara betroffen, wo der Elektrifizierungsgrad nur 43 Prozent beträgt. Strom ist aber der wichtigste Energieträger der postfossilen Zukunft. Strom kann erneuerbar erzeugt und in einer Fülle von Verwendungen eingesetzt werden.

Ohne Elektrifizierung wird weder die Dekarbonisierung gelingen, noch werden die armen Länder zum Lebensniveau der reichen aufschließen können. In vielen Regionen der Entwicklungsländer sind Insellösungen die einzige praktikable Option.

Etwa in Tansania. Auch dort ist der Klimawandel mit seinen Auswirkungen längst Realität. Langanhaltende Dürren, Überschwemmungen und Bodenerosion. Ernten verfaulen oder vertrocknen, immer wieder gibt es Ausfälle bei der Wasser- und Energieversorgung.

Ein von E.ON gefördertes Start-up hat dort ein interessantes Projekt aufgebaut. Es installiert und betreibt kleine Stromnetze und Photovoltaikanlagen plus Batterie in einigen Dörfern, die bislang auf ineffiziente und unzuverlässige Dieselgeneratoren angewiesen waren.

Das ist ein kleines Projekt unter vielen, die alle zeigen, wie moderne, klimafreundliche, zumeist elektrische Energielösungen das Leben der Menschen in armen Ländern verbessern können. Mehr davon sind nötig.

Wer glaubt, der Klimawandel betreffe uns in Europa allenfalls in ferner Zukunft, macht sich etwas vor. Der Klimawandel ist bei uns angekommen, auch durch immer mehr Menschen, die vor seinen Auswirkungen nach Europa fliehen. Ihnen möglichst in ihren Ländern zu helfen bedarf nicht nur, langfristig aber auch einer wirksamen Klimapolitik. Die industrialisierte Welt hat diese Probleme geschaffen. Sie kann sich jetzt nicht wegducken, wenn es um ihre Bewältigung geht.

Startseite

0 Kommentare zu "Gastkommentar: Die industrielle Welt hat den Klimawandel geschaffen – sie kann sich jetzt nicht wegducken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote