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Gastkommentar Die Krise ist eine Chance, die Mobilität der Zukunft zu gestalten

Die Coronakrise hat auch die Automobilindustrie getroffen. Dieser Einschnitt sollte ein Innovations-Boost sein und neue Technologien voranbringen.
29.05.2020 - 14:00 Uhr Kommentieren
Corona-Konjunkturpaket: So hoch ist die Autoprämie Quelle: obs
Kaufprämie für Elektroautos

Im neuen Corona-Konjunkturpaket ist auch eine Erhöhung der Kaufprämie für Elektroautos vorgesehen.

(Foto: obs)

Die Corona-Pandemie stürzt die Wirtschaft in eine schwere Krise, die selbst die Finanzkrise übertrifft. Gleichzeitig haben volkswirtschaftliche Indikatoren bereits vor der Krise auf eine Eintrübung der konjunkturellen Lage hingedeutet. Im Falle der Automobilindustrie kommt hinzu, dass die deutschen Hersteller viel zu spät auf internationale Entwicklungen reagiert haben, geschweige denn vorangegangen sind.

Der Standort ist bei Elektromobilität und sauberen Kraftstoffe ins Hintertreffen geraten, weil an klimaschädlichen Antrieben zu lange festgehalten wurde. Mit Blick auf den Klimaschutz und die internationalen Wettbewerber gehören fossile Verbrenner jedoch zu den Auslaufmodellen. Die Ansiedlung des Vorreiters Tesla in Brandenburg führt uns die verlorene Zeit unmittelbar vor Augen.

Die deutsche Automobilindustrie muss die Krise deshalb als Innovations-Boost nutzen. Nur wenn die Hersteller jetzt bei sauberer Mobilität auf die Überholspur wechseln, können sie im internationalen Wettbewerb dauerhaft bestehen, ihre Marktanteile halten und weiterhin vielen Menschen einen sicheren Arbeitsplatz bieten.

Der Fahrplan für die Modernisierung des Mobilitätssektors ergibt sich aus dem Klimaschutzabkommen von Paris. Es muss die Richtschnur für klimapolitische Entscheidungen bleiben, denn die Klimakrise hat sich mit der Coronakrise nicht verabschiedet.

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Standort erkennen

    Im Gegenteil, sie bleibt die Zukunftsherausforderung, die heute ambitionierte Maßnahmen braucht. Industrie- und Klimastrategie sind also eng miteinander zu verknüpfen. Wachstum und Beschäftigung können durch die Verknüpfung von Ressourcenschonung und Digitalisierung dauerhaft gesichert werden. Hierzu zählen Neuerungen in der Fahrzeugproduktion ebenso wie neue Mobilitätskonzepte und der Ersatz fossiler durch erneuerbare Kraftstoffe.

    Mit der Elektromobilität – also batterieelektrischen Antrieben vorwiegend im Pkw-Bereich und Brennstoffzellen-Fahrzeugen vorwiegend im Schwerlastverkehr, sowie mit Biokraftstoffen – stehen schon heute Technologien zur Verfügung, die sich hierfür hervorragend ergänzen und sinnvoll kombinieren lassen.

    Eine zunehmend digitalisierte Energie- und Mobilitätswirtschaft kann die effiziente Kopplung von Strom- und Verkehrssektor ermöglichen, wenn sie auch die Prinzipien der Mobilitätswende, also Verlagerung, Vermeidung, Verbesserung und Neuorganisation der Verkehre, voranbringt.

    Klimafreundliche Umgestaltung

    Da sowohl Fahrzeuge als auch Verkehrsinfrastrukturen sehr lange Innovations- bzw. Investitionszyklen haben, muss die Dekarbonisierung der Kraftstoffe auch beim Bestandsverkehr ansetzen.

    Die Verbesserung und klimafreundliche Umgestaltung des Verkehrs ist in der Breite nur durch eine Kombination aus Reduzierung des Einsatzes fossiler Kraftstoffe, dem Wechsel auf neue Antriebstechnologien, der verstärkten Nutzung von erneuerbarem Strom, Biokraftstoffen und strombasierten Kraftstoffen, der Errichtung notwendiger Infrastruktur und einem modernen, attraktiven Mobilitätsverhalten möglich.

    Falls sich die Bundesregierung zugunsten von zusätzlichen Kaufanreizen im Bereich der Mobilität entscheiden sollte, müssen diese zwingend die Transformation in Richtung E-Mobilität, biogener und synthetischer Kraftstoffe vorantreiben.

    Weiterhin ist der Auf- und Ausbau der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur für batteriebetriebene Fahrzeuge zu forcieren sowie eines Tankstellennetzes für Fahrzeuge, die mit grünem Wasserstoff oder Biogas betrieben werden.

    Der Bundesverband Erneuerbare Energie schlägt vor, 1.000.000 Ladepunkte bis zum Jahr 2025 zu errichten (nicht erst im Jahr 2030 laut Masterplan Ladeinfrastruktur der Bundesregierung) und darüber hinaus ein 100.000-Schnellladepunkte-Ziel für 2025 sowie ein 1.000-Wasserstofftankstellen-Ziel für 2025 einführen.

    Sollte ein entsprechender Ausbau in der kommenden Jahren durch die bereits am Markt tätigen privaten und kommunalen Unternehmen nicht erfolgen, dann muss neben zusätzlichen Finanzmitteln geprüft werden, ob der Bund etwa über die Bundesautobahngesellschaft in die Errichtung von Ladesäulen- und Wasserstofftankstellen einsteigen kann.

    Dies sollte allerdings in Abstimmung mit dem bereits am Markt tätigen Akteuren erfolgen. Neben den Investitionen in die erforderlichen Infrastrukturen sollte die öffentliche Hand auch die kommunalen Fuhrparks modernisieren und hier auf Elektromobilität und Biokraftstoffe umrüsten.

    Wir haben jetzt die Chance, Mobilität neu zu denken und den öffentlichen Personennahverkehr sowie den schienengebundenen Fernverkehr zu stärken. In diesem Rahmen ist der ÖPNV über Neuanschaffung oder Umrüstung bestehender Gebrauchtfahrzeuge auf Erneuerbare Energien umzustellen. Nutzen wir die Krise als Chance, um in eine neue Mobilität aufzubrechen.

    Mehr: Der Staat sollte auch den Kauf von Autos mit Verbrennungsmotor fördern. Lesen Sie hier den ganzen Gastkommentar von VDA-Präsidentin Hildegard Müller.

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