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Gastkommentar Die Krise trifft Start-ups hart – birgt aber auch Chancen für kreative Gründer

Durch die Pandemie trüben sich für viele junge Unternehmen die Finanzierungsperspektiven ein. Doch mittelfristig bietet die Krise Start-ups auch Möglichkeiten.
20.07.2020 - 15:24 Uhr Kommentieren
Hendrik Brandis ist Co-Gründer & Partner bei Earlybird Venture Capital. Quelle: Earlybird, Montage Handelsblatt
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Hendrik Brandis ist Co-Gründer & Partner bei Earlybird Venture Capital.

(Foto: Earlybird, Montage Handelsblatt)

Viel wird über die Coronakrise und deren schwerwiegende negative Auswirkungen unter anderem auch für Start-ups gesprochen. Dabei liegt der Fokus meist auf einer kurzfristigen Perspektive. Mittel- oder langfristig aus der Krise erwachsende Chancen werden dabei weitgehend ausgeblendet.

So stellt zweifelsohne die Coronakrise für viele bestehende Start-ups eine Herausforderung dar, erzeugt aber auch nachhaltig Chancen für das Start-up-Umfeld, die ohne Corona in der Form nicht gegeben wären.

Ohne Frage trüben sich kurzfristig die Finanzierungsperspektiven für die meisten Start-ups ein. Wagniskapitalgeber halten das Geld zusammen und fokussieren ihre Ressourcen auf bestehende Investments. Neuinvestitionen stehen klar in der zweiten Reihe.

Diese Wirkketten sind nichts Neues. Man konnte sie bereits während der vergangenen beiden Krisen 2001 und 2009 beobachten. In deren Folge brachen die Bewertungen und Volumina von Start-up-Finanzierungsrunden um 15 bis 40 Prozent ein. Damals dauerte es drei bis vier Jahre, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht wurde. Niemand sollte erwarten, dass es diesmal schneller geht. Eher umgekehrt, da die aktuelle Krise noch tiefer und umfassender ist als ihre Vorgänger.

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    Im Gegenzug dazu profitieren Start-ups aber auch von in der Krise rückläufigen Kosten. Ein Beispiel hierfür sind die durchschnittlichen Kosten für eine Anzeige bei Facebook, die zuletzt bis zu 50 Prozent oder mehr gefallen sind. Dringend gesuchtes Personal steht plötzlich vermehrt zur Verfügung – und das zu günstigeren Konditionen als noch zu Beginn dieses Jahres.

    Die Erfahrung zeigt, dass in Krisenzeiten Kreativität und Innovation deutlich zunehmen. Das ist auch plausibel. Läuft alles prächtig, ist der Anreiz, Neues zu probieren, und damit der Druck zur Innovation natürlicherweise geringer als in Zeiten, in denen die bekannten Geschäftskonzepte ums Überleben kämpfen müssen. Kurz: Not macht eben erfinderisch! Lange zurückschauende Patentstatistiken zeigen eine frappierende Korrelation der Höchstwerte von Patentanmeldungen mit Krisenperioden.

    Gleichzeitig nimmt das Risiko für Start-ups in Krisenzeiten deutlich ab, links oder rechts von neuen, großzügig finanzierten Nachahmern angegriffen zu werden. Potenzielle Copycats tun sich in der Krise noch viel schwerer als deren Originale, die benötigte Finanzierung zu finden. Damit nimmt die Fehlertoleranz hinsichtlich Umsetzungsart und -geschwindigkeit innovativer Konzepte zu, was sich schlussendlich in steigenden Erfolgswahrscheinlichkeiten für Start-ups widerspiegelt.

    Höhere Chance auf Innovationswelle

    Zudem ist die aktuelle Krise zumindest in einer Dimension anders als ihre Vorgänger aus den Jahren 2000 und 2008. Während es damals nur Krisenverlierer gab, führt die Coronakrise zu einem vermutlich nachhaltig verschobenen Konsumentenverhalten und kennt damit neben den Verlierern auch Krisengewinner.

    Märkten mit schmerzhaften Verlusten, etwa im Bereich Reisen, Events oder auch stationärer Einzelhandel, stehen bemerkenswerte Zugewinne unter anderem in Teilen der Gesundheitsindustrie, der Onlinekommunikation, des Onlinehandels und der Onlineunterhaltung gegenüber. Beispiele hierfür sind Unternehmen wie Teamviewer aus dem schwäbischen Göppingen oder auch Lieferdienste wie Hellofresh.

    Nun sind aber diese gewinnenden Märkte tendenziell mehr eine Domäne von Start-ups als die stark gebeutelten Airlines, Hotels, Restaurants oder stationären Einzelhandelsketten. Das sich verschiebende Konsumentenverhalten bietet daher vor allen Dingen Start-ups zusätzliche Chancen!

    Im Ergebnis ist zu erwarten, dass die aktuelle Krise, wie in der Vergangenheit beobachtet, Innovationen treiben und die Dichte von Start-ups mit neuen disruptiven Geschäftsmodellen zunehmen wird. Damit sollte die durchschnittliche Qualität der sich formierenden Start-ups steigen, während gleichzeitig die Quantität infolge reduzierter Finanzierungsmöglichkeiten zurückgeht.

    Nun kommt es bei Start-ups aber mehr auf die am Ende erfolgreichen Fälle an und weniger auf die Grundgesamtheit derjenigen, die es einfach nur versucht haben. Und genau diese Anzahl erfolgreicher Start-ups steigt in Krisenzeiten durch die höhere durchschnittliche Qualität.

    So stehen den kurzfristigen Herausforderungen gerade für bestehende Start-ups erhebliche Chancen für neue Start-ups im Verlauf der weiteren Krisennachwirkungen gegenüber. Bei allen berechtigten Sorgen hinsichtlich eines kurzfristigen Start-up-Sterbens gibt es daher gute Gründe, mittelfristig optimistisch zu sein. Die derzeitige Krise ist schmerzhaft für das Start-up-Ökosystem – sie stellt aber keine existenzielle Bedrohung dar.

    Im Gegenteil: Die Chancen für eine neue Start-up-getriebene Innovationswelle sind mit der Krise gestiegen. Unternehmer werden auch diese Krise nutzen, um neue global relevante Technologieunternehmen aufzubauen. Ganz in der Tradition von Airbnb, Uber und WhatsApp, die wie viele andere weltweit erfolgreiche Unternehmen aus der Finanzkrise 2008/09 hervorgegangen sind. Ganz nach dem bekannten Motto von Winston Churchill: „Never let a good crisis go to waste.“

    Mehr: Gründung während Corona: Mit welchen Ideen Jung-Unternehmer erfolgreich sein wollen.

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